Von Wasserstofftechnologie über klimaneutrale Industrieprozesse bis zu neuen Lehrarchitekturen: Die Bandbreite der geförderten Projekte zeigt die wachsende Forschungsstärke der Hochschule in vielen Disziplinen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich das Drittmittelvolumen damit nahezu vervierfacht: 2015 lag es noch bei rund zehn Millionen Euro.
„Mit der Einwerbung von rund 40 Millionen Euro an Drittmitteln im vergangenen Jahr haben wir eine neue Rekordmarke erreicht – ein Beleg für unsere Forschungsstärke und Innovationskraft, gerade in einer Zeit, in der die öffentlichen Fördermittel in einem sehr starken wissenschaftlichen Wettbewerb vergeben werden“, sagt Prof. Dr. Oliver Steffens, Vizepräsident für Forschung und Internationales an der OTH Regensburg.
Allein die fünf größten Forschungsprojekte des Jahres vereinen Fördermittel von rund 23,3 Millionen Euro.
Ein Leuchtturmprojekt: Das Wasserstoff-Technologie Anwenderzentrum (WTAZ)
Das größte Projekt ist das Wasserstoff-Technologie Anwenderzentrum WTAZ-ITZ-SUED im niederbayerischen Pfeffenhausen. Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Hans-Peter Rabl entsteht dort eine Forschungsinfrastruktur, mit der Wasserstofftechnologien für Mobilität und Industrie praxisnah getestet und weiterentwickelt werden können.
Im Mittelpunkt stehen der Aufbau und Betrieb eines H2-Verbrennungsmotorenprüfstands und eines H2-Einblasprüfstands mit zugehöriger Messtechnik. Dort untersuchen Forschende unter realistischen Bedingungen Brennverfahren, Betriebsstrategien, Materialbelastungen und Systemoptimierungen. Ziel ist es auch, standardisierte Testverfahren für Wasserstoffsysteme zu entwickeln und so den Transfer in industrielle Anwendungen zu beschleunigen.
Die OTH Regensburg arbeitet im Konsortium mit der Technischen Hochschule Ingolstadt, der Hochschule Landshut sowie mehreren Industriepartnern zusammen.
Für ihren Projektanteil erhält die OTH Regensburg rund 12,5 Millionen Euro Förderung aus dem Programm des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr für das nationale Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff. Das Projekt läuft bis 28. März 2030.
OTHorizont: Lehrforschung und neue Wege des Studierens
Mit dem Projekt OTHorizont entwickelt die Hochschule eine neue Struktur für Studium und Lehre und stärkt gezielt die sogenannte Lehrforschung. Dabei wird untersucht und erprobt, wie Studierende künftig noch besser lernen, interdisziplinär arbeiten und auf eine sich schnell verändernde Arbeitswelt vorbereitet werden können.
Unter der Projektleitung von Vizepräsidentin Prof. Dr. Birgit Rösel entsteht eine Lehrarchitektur, die stärker interdisziplinär und projektorientiert angelegt ist. Lehrangebote verschiedener Fakultäten werden enger vernetzt, neue fakultätsübergreifende Module ermöglichen Studierenden einen Blick über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinaus.
Ein zentraler Bestandteil ist die Vermittlung sogenannter Future Skills – etwa digitale Kompetenzen, der reflektierte Umgang mit Künstlicher Intelligenz, kritisches Denken, Innovationsfähigkeit sowie Team- und Problemlösungskompetenzen. Auch Selbstorganisation, Resilienz und ethische Verantwortung spielen eine wichtige Rolle.
Durch neue Lehrformate und mehr Freiräume zum Experimentieren soll eine Lernkultur entstehen, die Studierende nicht nur auf konkrete Berufe vorbereitet, sondern sie befähigt, gesellschaftliche und technologische Veränderungen aktiv mitzugestalten. Das Projekt wird mit 4,8 Millionen Euro von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Rahmen der Ausschreibung „Lehrarchitektur“ gefördert und läuft zunächst vier Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis 2031.
DECIDE: CO₂-Abscheidung für die Zementindustrie
Im Verbundprojekt DECIDE arbeitet ein Forschungsteam an Technologien zur Dekarbonisierung der Zementproduktion, einem der emissionsintensivsten Industriezweige.
Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Philipp Keil untersucht die OTH Regensburg Verfahren zur Abscheidung von CO₂ aus Rauchgasen, die bei der Zementherstellung entstehen. Da ein Großteil der Emissionen prozessbedingt ist, gilt diese Technologie als eine der wenigen Möglichkeiten, die Klimabilanz der Branche deutlich zu verbessern.
Gemeinsam mit der Technischen Universität München und der Linde GmbH entwickelt das Team speziell angepasste Adsorbentien, die CO₂ effizient aus komplex zusammengesetzten Rauchgasen herausfiltern können. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist eine mobile Container-Pilotanlage, die direkt in einem Zementwerk mit realem Rauchgas betrieben wird. Im kontinuierlichen Langzeitbetrieb untersuchen die Forschenden unter anderem, wie sich Spurenstoffe im Abgas auf die Leistung und Stabilität der CO₂-Abscheidung auswirken.
Die Förderung in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro stammt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Projekt läuft bis 30. November 2028.
AIM-SMEs: KI-Innovationen für den Mittelstand
Das europäische Projekt AIM-SMEs („Accelerating AI-based Innovations in SMEs“) unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen dabei, Künstliche Intelligenz gezielt für Innovationen zu nutzen. Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Wolfgang Mauerer begleitet ein Expertenteam Unternehmen von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung einer KI-Anwendung. Dabei werden neueste Methoden der KI-Forschung auf individuelle industrielle Fragestellungen übertragen.
Im Fokus stehen Anwendungen, die Produktionsprozesse effizienter machen, die Produktqualität verbessern oder neue datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglichen. Die entwickelten Lösungen sollen nicht nur einzelnen Unternehmen helfen, sondern auch als übertragbare Beispiele für weitere KI-Projekte dienen.
Die Fördersumme beträgt rund 2,4 Millionen Euro, das Projekt läuft bis 30. September 2028.
PROMPT: Methanemissionen schneller aufspüren
Im Forschungsprojekt PROMPT entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der OTH Regensburg ein mobiles Sensorsystem zur Detektion und Lokalisierung von Methan- und Ethanemissionen. Methan zählt zu den besonders wirksamen Treibhausgasen und entweicht weltweit aus Gasinfrastrukturen – etwa durch undichte Pipelines. Seit Inkrafttreten der europäischen Methanverordnung müssen Betreiber solche Emissionen deutlich genauer überwachen.
Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Matthias Ehrnsperger kombiniert das Forschungsteam photoakustische Spektroskopie mit KI-gestützter Datenanalyse, um ein hochsensitives und zugleich kostengünstiges Sensorsystem zu entwickeln. Die Technologie kann beispielsweise auf Drohnen oder autonomen Robotern eingesetzt werden, um Emissionsquellen schnell und präzise zu lokalisieren.
Praxispartner aus der Energie- und Technologiebranche – darunter die Bayernwerk Netz GmbH und die REWAG Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co. KG – unterstützen das Projekt bei Tests unter realen Bedingungen.
Die Fördersumme beträgt rund 1,9 Millionen Euro. Fördergeber ist das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Das Projekt läuft bis 31. Dezember 2029.
Forschungsstärke zeigt sich auch in der Vernetzung
Dass die OTH Regensburg bei Forschungskooperationen besonders aktiv ist, bestätigt auch eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung. Im Rahmen des Projekts TDR4HAW wurden mehr als 26.000 vom Bund geförderte Forschungsprojekte ausgewertet.
Die Studie zeigt: Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind besonders stark in der Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern außerhalb der Wissenschaft, etwa aus Wirtschaft und Gesellschaft. Die OTH Regensburg wird dabei als besonders vernetzungsstarker Akteur hervorgehoben.
Ein Grund dafür liegt in der praxisnahen Ausrichtung der Forschung: Viele Professorinnen und Professoren bringen umfangreiche Erfahrung aus Industrie und Wirtschaft mit und können wissenschaftliche Erkenntnisse besonders gut in anwendungsnahe Innovationen überführen.
Hintergrund: Was Drittmittel für Forschung bedeuten
Drittmittel sind extern eingeworbene Fördergelder für Forschungsprojekte. Sie stammen nicht aus dem regulären Hochschulbudget, sondern etwa von Ministerien, europäischen Forschungsprogrammen, Unternehmen oder Stiftungen. Mit ihnen werden beispielsweise wissenschaftliche Mitarbeitende, Laborausstattung, Software oder Versuchsanlagen finanziert. Die Mittel sind dabei stets an ein konkretes Forschungsprojekt gebunden.
Wichtige Fördergeber sind unter anderem das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Programme der Europäischen Union oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
Die steigenden Drittmittel zeigen, dass die praxisnahe Forschung der OTH Regensburg zunehmend national und international gefragt ist.
Alle aktuellen Förderprojekte an der OTH Regensburg finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

