Rund 30 Regensburgerinnen und Regensburger kamen am Abend in Apollonias Garten zusammen, um mit Expertinnen ins Gespräch zu kommen: Prof. Dr. Elke Nagel und Lucia Maier von der Fakultät Architektur der OTH Regensburg sowie Caroline Hoffmann vom „Labor der kreativen Köpfe“ (Kreativbehörde der Stadt Regensburg). Unter dem Titel „Stadtentwicklung zwischen historischer Bauforschung und nachhaltigem Bauen“ entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion.
Was ursprünglich als klassische Science Bench geplant war, wurde aufgrund des großen Interesses kurzerhand zu einem offenen Stuhlkreis. Zum Glück bot Apollonias Garten – ein ehemaliger Parkplatz am westlichen Ende der Obermünsterstraße, der heute begrünt und mit Second-Hand-Mobiliar ausgestattet ist – den passenden Rahmen für Austausch und Diskussion inklusiver zahlreicher gelber Designerstühle.
Stadtklima verstehen: Begrünung und Materialien
Ein zentrales Thema des Abends war die Begrünung der Innenstadt. Dabei wurde deutlich: Es geht nicht nur um klassische Lösungen wie Bäume. Auch Hecken und Büsche können klimatechnisch eine große Wirkung entfalten, da sie oft dichter wachsen und vielseitiger einsetzbar sind. Insgesamt plädierten die Expertinnen dafür, Stadtbegrünung vielfältiger zu denken, statt in einfachen Kategorien.
Auch Fassaden und Innenhöfe bieten enormes Potenzial. Begrünung müsse nicht immer von unten nach oben erfolgen. Auch hängende Pflanzen seien eine Möglichkeit, wenn der Platz begrenzt ist. Gleichzeitig wurde betont, dass Begrünung Zeit braucht: Pflanzen wachsen nicht über Nacht, ihre kühlende Wirkung entfaltet sich oft erst langfristig.
Ein weiterer Ansatz aus der Forschung des Clusters Nachhaltigen Bauen Historische Bauforschung der OTH Regensburg betrifft innovative Materialien. So gibt es etwa Putz- und Deckenbekleidungssysteme, die tagsüber Wärme aufnehmen und erst in den Abendstunden wieder abgeben. Auf diese Weise wird die Aufheizung der vertikalen Flächen und Innenräume gespeichert und genutzt. Solche Lösungen könnten auch in der historischen Altstadt eingesetzt werden, äußerlich kaum sichtbar, aber mit spürbarem Effekt auf das Stadtklima.
Darüber hinaus spielt das Verständnis des Stadtklimas eine wichtige Rolle. Analysen und Simulationen zu Luftströmen und Hitze-Hotspots liefern wertvolle Hinweise für die Planung. Gleichzeitig rücken auch Bodenbeläge in den Fokus: Versiegelte Flächen speichern Hitze, während wasserdurchlässige Materialien zur Entlastung beitragen können.
Nicht nur mittelalterliche Bauten sind schützenswert
Ein spannender Impuls kam aus der historischen Bauforschung: „Historisch“ bedeutet nicht nur Mittelalter. Nicht alles muss aufgebrochen oder ersetzt werden – auch Gebäude und Stadtstrukturen aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind inzwischen Teil des kulturellen Erbes und können schützenswert sein. Der Blick auf unterschiedliche Zeitschichten hilft, die Stadt besser zu verstehen und sie sensibel weiterzuentwickeln.
Stadtentwicklung als gemeinsamer Prozess
Deutlich wurde an diesem Abend auch, wie stark sich die Gestaltung öffentlicher Räume verändert hat. Beteiligungsformate und moderierte Prozesse gewinnen an Bedeutung – Stadtentwicklung wird zunehmend als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden.
Dabei ging es nicht nur um die Altstadt: Auch Stadtteile außerhalb des Zentrums verfügen über wertvolle Gebäude, Grünzüge und Entwicklungspotenziale, die stärker in den Blick genommen werden sollten.
Weitere Termine der STADTnah-Reihe
Die Veranstaltungsreihe STADTnah, organisiert von der Stadt Regensburg in Kooperation mit der OTH Regensburg, läuft im Juni und Juli weiter und bietet zahlreiche Gelegenheiten, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der OTH Regensburg ins Gespräch zu kommen und eigene Fragen einzubringen.
Am nächsten Termin geht es um das Thema „Prof werden? Mach den 5-Minuten-Check!“ mit Prof. Dr. Carina Braun am 13. Juni von 11:00 bis 12:00 Uhr am Neupfarrplatz (Karavan-Denkmal) im Rahmen des Job Walks. Darüber hinaus greifen weitere Science Benches Themen wie Medienvertrauen im KI-Zeitalter, digitale Souveränität oder Fragen der Jugendstrafbarkeit auf.
Weitere Informationen und Termine, unter: https://www.oth-regensburg.de/stadtnah