Bei der Auftaktveranstaltung der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften am 2. Juni 2026 brachten die Forschungsassistenten Jan Igloffstein und Felix Fiebiger die Kehrseite der lokalen Entwicklung auf den Punkt: „Regensburg ist vor allem auch eine teure Stadt. Eine, die sich immer weniger Menschen leisten können.“ Um diesem Trend entgegenzuwirken, arbeitet die Hochschule in dem Projekt mit der Stadt Regensburg zusammen. Das Vorhaben, welches auf einem Stadtratsbeschluss im Juni vergangenen Jahres beruht und von der Stadt finanziert wird, knüpft an den Grundlagenbericht von 2025 an. Im Zuge dieser engen Kooperation, die insbesondere auch den Austausch und die gemeinsame Auswertung von Daten umfasst, wird das Projekt nun in einem neuen Zyklus bis 2028 fortgeführt.
Prof. Dr. Oliver Steffens, Vizepräsident der OTH Regensburg, unterstrich zum Auftakt die Bedeutung der wissenschaftlichen Begleitung: „Dass dieses Projekt bei uns verankert ist, zeigt die Stärke der angewandten Forschung: Wir greifen gesellschaftlich relevante Fragen auf und bereiten die Ergebnisse so auf, dass sie direkt in der Politik und der sozialen Praxis vor Ort wirken können.“
In der neuen Forschungsphase, die auf einem Stadtratsbeschluss basiert, verschiebt das Team den Schwerpunkt im gedruckten Bericht ganz gezielt auf die Bereiche soziale Teilhabe und Gesundheit. Umfassende statistische Daten, etwa zum Regensburger Wohnungsmarkt, werden künftig laufend auf einer eigenen Website aktualisiert.
Lebenshaltungskosten und soziale Teilhabe
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die steigenden Lebenshaltungskosten. Neben Menschen in ohnehin prekären Lebenslagen gerät nach Einschätzungen des Forschungsteams zunehmend auch die Mittelschicht durch hohe Wohnkosten sowie gestiegene Energie- und Spritpreise unter Druck. Besonders deutlich werde zudem die Lage älterer Menschen, bei denen fehlende Mobilität, Pflegebedürftigkeit und soziale Isolation oft ineinandergreifen.
Als eine der zentralen Herausforderungen wurde auf der Veranstaltung die unzureichende Vernetzung zwischen den Akteurinnen und Akteuren sowie die Frage diskutiert, warum bestehende Hilfsangebote Betroffene oft nicht erreichen. Für den neuen Bericht untersucht das Team deshalb fünf Kernbereiche sozialer Teilhabe: das soziale Umfeld, Wohnformen, Sport, Religion sowie politische Teilhabe. Dabei soll auch die strukturelle Ebene beleuchtet werden – etwa die Frage, ob Barrieren in Sportvereinen oder Kirchengemeinden so hoch sind, dass eine unbewusste Vorab-Selektion stattfindet und Armutsbetroffene gar nicht erst auftauchen.
Von der Forschung in die Praxis
Die Erhebung setzt weiterhin auf Interviews und die Mitarbeit von Studierenden. Am Ende sollen konkrete Empfehlungen für die Stadtpolitik stehen. Zur Debatte steht hierbei beispielsweise eine gezielte Erweiterung des Regensburger Stadtpasses.
„Die breite Resonanz auf das Treffen zeigt, dass wir uns in der Stadtgesellschaft etablieren konnten“, zog Projektleiterin Prof. Dr. Ina Schildbach zum Abschluss Bilanz. „Diese Unterstützung aus der Praxis brauchen wir auch im neuen Forschungszyklus. Nur so kann praxisorientierte Forschung gelingen und dazu beitragen, dass die erarbeiteten Empfehlungen in Politik und Praxis berücksichtigt werden.“
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