Gender-Veranstaltungsreihe Wintersemester 2025/26: "Un/Gleichzeitigkeiten von Emanzipation und Rollback – Geschlechtergerechtigkeit 2025"

Mit der Vortragsreihe „Un/Gleichzeitigkeiten von Emanzipation und Rollback – Geschlechtergerechtigkeit 2025“ griff die OTH Regensburg im Wintersemester 2025/26 zentrale gesellschaftliche und politische Kernthemen rund um feministische Selbstbestimmung und Geschlechtergerechtigkeit auf. Im Fokus standen dabei die Spannungen zwischen erreichten Fortschritten und gegenläufigen Tendenzen in Politik und Gesellschaft.

Insgesamt sechs Veranstaltungen zwischen Oktober und Dezember 2025 brachten Expertinnen aus Wissenschaft, Praxis und Journalismus zusammen und boten Raum für Austausch und Diskussion. Den Auftakt bildete Prof.in Dr.in Birgit Sauer (Universität Wien), die die Dialektik neoliberaler Entwicklungen zwischen Empowerment, Entsicherung und Anti-Gender-Mobilisierungen analysierte. Der Vortrag beschäftigte sich insbesondere mit der Instrumentalisierung der Themen Geschlecht und Sexualität zur Mobilisierung durch (extrem) rechte Akteur*innen und mit dem Ausblick auf einen affektiven Feminismus als potenzielle Antwort auf die angestrebte Hegemonie dieser Akteur*innen. Es folgte eine Podiumsdiskussion zu reproduktiven Rechten und reproduktiver Gerechtigkeit mit Vertreterinnen von pro familia Regensburg, msfc (medical students for choice) Regensburg und pia (pro familia in action) Regensburg. Theoretisches Wissen und Erfahrungsberichte unterschiedlicher Perspektiven aus der Praxis zeigten, dass reproduktive Rechte weiterhin umkämpft sind. Der Vortrag gab sowohl einen Überblick über die mangelnde Versorgungslandschaft bei Schwangerschaftsabbrüchen als auch über zentrale, regionale Gegener*innen reproduktiver Rechte von Frauen in Regensburg. Einen weiteren Vortrag hielt Prof.in Dr.in Ricarda Drüecke (Paris Lodron Universität Salzburg) zu digitalen Arenen feministischen Widerstands. Am Beispiel einer qualitativen Beforschung der Bewegung „Omas gegen Rechts“ wurde eindrücklich die Relevanz von Social Media in der politischen Kommunikation herausgestellt. Auch wichtige zentrale Bestandteile der politischen Arbeit (wie z.B. das spielerische und humoristische Nutzen des Stereotyps „alte Frauen“, um gesehen zu werden, zu provozieren und aufzuklären) wurden aufgegriffen. Kyra Schneider (Forschungsprojekt Digital Hate, OTH Regensburg) referierte zur Sichtbarkeit und digitaler Gewalt in wissenschaftlichen Öffentlichkeiten und machte durch die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts deutlich, dass Anfeindungen und Angriffe auf Frauen in Wissenschaft und Forschung durchaus Einfluss auf die das Auftreten der Wissenschaftlerinnen in der Öffentlichkeit als auch deren Arbeit haben. Nele Allenberg (Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin) lieferte eine juristische Perspektive zum Selbstbestimmungsgesetz und gab einen spannenden Abriss über rechtliche und gesetzliche Entwicklungen sowie Veränderungen vor und mit dem Selbstbestimmungsgesetz. Diskutiert wurde nicht nur über die Vorteile, sondern auch über die Lücken des Gesetzes. Den Abschluss der Reihe bildete ein Vortrag von Lea Susemichel (Journalistin, Autorin und Lehrbeauftragte, Wien) zu feministischen Solidaritäten. 

Organisiert wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. habil. Clarissa Rudolph aus der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften und Miriam Kerl von der Servicestelle Gleichstellung und Vielfalt. Die Veranstaltungen boten Raum für kritische Diskussionen, interdisziplinären Austausch und eine vertiefte Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen der Geschlechtergerechtigkeit.

 

Die sechs Veranstaltungen im Überblickt: 

Dienstag, 14.10.2025
"Dialektik der neoliberalen Konjunktur: Entsicherung, Empowerment und Anti-Gender-Mobilisierungen"
Prof.in Dr.in Birgit Sauer (Universität Wien)

Dienstag, 28.10.2025
"Reproduktive Rechte – Reproduktive Gerechtigkeit: Nationale Diskurse – regionale Umsetzung"
Podiumsdiskussion mit profamilia Regensburg und msfc Regensburg, pia Regensburg

Dienstag, 11.11.2025
"Save the world with feminism – Digitale Arenen feministischen Widerstands"
Prof.in Dr.in Ricarda Drüecke (Paris Lodron Universität Salzburg)

Dienstag, 25.11.2025
"Zwischen Sichtbarkeit und digitaler Gewalt: Öffentliche Wissensdiskurse als Herausforderung für die Gleichstellung in der Wissenschaft"
Kyra Schneider, Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Digital Hate“ (OTH Regensburg)

Dienstag, 09.12.2025
"Das Selbstbestimmungsgesetz: menschenrechtliche Anforderungen und Erfahrungen in der Anwendung"
Nele Allenberg (Deutsches Institut für Menschenrechte Berlin)

Dienstag, 16.12.2025
"Feministische Solidaritäten"
Lea Susemichel (Journalistin, Autorin, Lehrbeauftragte, Wien)