Seit dem Wintersemester 2025/26 geht der primärqualifizierende Pflegestudiengang an der OTH Regensburg neue Wege: Mit der Einführung der drei heilkundlichen Schwerpunkte diabetische Stoffwechsellage, chronische Wunden und Demenz bereitet sich die kommende Generation akademischer Pflegefachpersonen auf erweiterte Aufgaben in der Patientenversorgung vor. Die heilkundlichen Lehrveranstaltungen im Modul Heilkunde 2 starteten im Juni 2026: Zum ersten Mal gestalteten renommierte Ärzte die Vorlesungen zu dem Schwerpunktbereich „Chronische Wunden“ sowie „Diabetische Stoffwechsellage“.
„Das war nicht nur eine äußerst spannende Vorlesung, sondern auch eine, die Hoffnung macht“, zieht Pflegestudentin Jana Wood nach den beiden Veranstaltungstagen Bilanz. „Sie zeigt, dass Pflege und Medizin sich künftig noch stärker auf Augenhöhe begegnen und wir in der interprofessionellen Zusammenarbeit gegenseitig von unserem Wissen und unseren Kompetenzen profitieren können.“
Renommierte Ärzte gaben Einblicke
Für die Lehre zum Themenfeld „Chronische Wunden“ und „Diabetische Stoffwechsellage“ konnte das professorale Team renommierte Ärzte gewinnen: Prof. Dr. med. Markus Steinbauer (Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie), Dr. med. Andreas Krichbaum (Leitung der Abteilung Angiologie) sowie Dr. med. Tobias Weißgerber (Oberarzt Klinische Akut- und Notfallmedizin) vom Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg vermitteln den Studierenden von nun an vertiefte Einblicke in Diagnostik, Therapie und Versorgung.
Im Themenfeld „Chronische Wunden“ waren die Schwerpunkte breitgefächert: Von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) über das diabetische Fußsyndrom bis hin zur Kompressionstherapie erhielten die Studierenden einen umfassenden Überblick über komplexe Krankheitsbilder. Dr. Andreas Krichbaum betonte dabei im Austausch mit den Studierenden den Wert des Blickes über den Tellerrand: „Chronische Wunden stellen nur die Spitze eines Eisberges dar und bedürfen einer komplexen Diagnostik und Therapieplanung der verschiedenen Fachgruppen und Professionen. Chronische Wunden brauchen eine langfristige, vernetzte und fürsorgliche Betreuung.“
Außerdem widmete sich die Gruppe den rechtlichen und berufspolitischen Leitplanken der neuen Heilkundeübertragung. Für die Studierenden war dies besonders greifbar, da es hier um ihre zukünftige Rolle im Gesundheitswesen ging. Diskutiert wurden die Unterschiede zwischen der Delegation und der eigenverantwortlichen Substitution heilkundlicher Tätigkeiten.
Gesundheitsversorgung gelingt nur im Team
Die Aussage Dr. Weißgerbers bestätigt dies: „Die Gesundheitsversorgung in Deutschland gelingt heute nur noch im Team. Pflegefachpersonen mit akademischem Abschluss übernehmen daher künftig mehr Verantwortung im Pflege- und Therapieprozess und werden damit bestimmte ärztliche Aufgaben eigenständig übernehmen. Diese qualifizierte Substitution ist kein Ersatz für ärztliche Expertise, sondern eine sinnvolle Ergänzung, die helfen kann, Versorgungslücken in der Fläche zu schließen“.
Die Kooperation ist das Ergebnis einer konzeptionellen Zusammenarbeit im Hintergrund. Die neue Heilkundeübertragung wird an der OTH Regensburg gemeinschaftlich bearbeitet und weiterentwickelt. Das professorale Team des Studiengangs Pflege B.Sc. – bestehend aus Prof. Dr. Christiane Wissing (Studiengangleitung / Praxisbeauftragte, Schwerpunktbereich Diabetische Stoffwechsellage), Prof. Dr. Dorothea Thieme (Schwerpunktbereich Chronische Wunden) und Prof. Dr. Christa Mohr (Studiengangleitung Master ANP, Schwerpunktbereich Demenz) – gestaltet die drei Schwerpunktbereiche in fachlicher Abstimmung mit Dr. Weißgerber, der die ärztliche Modulverantwortung für alle drei heilkundlichen Schwerpunktbereiche im Studiengang trägt.
Pflegestudierende profitieren von Austausch
„Anhand des Themas Chronische Wunden wurde für mich greifbar, welche Verantwortung mit der Heilkundeübertragung verbunden ist“, erklärt der Pflegestudierende Michael Helgert. „Der direkte Austausch mit den Ärzten hat uns fachlich enorm weitergebracht und gezeigt, wie wichtig eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung ist.“ Auch Prof. Dr. Markus Steinbauer unterstrich diesen Ansatz: „Die Heilkundeübertragung wird bei den Patienten mit Chronischen Wunden durch eine interprofessionelle Zusammenarbeit zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung führen."
Die erfolgreiche Durchführung der ersten ärztlichen Lehrveranstaltungen im Bereich Heilkunde zeigt, wie die OTH Regensburg die gesetzlichen Neuerungen des Pflegestudiumstärkungsgesetzes sowie das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) umsetzt. Die Studierenden werden in den drei Schwerpunkten gezielt darauf vorbereitet, wissenschaftlich fundierte Expertise direkt in die Praxis einzubringen und mehr Verantwortung für Menschen mit chronischen Erkrankungen zu übernehmen. Für die Regensburger Pflegestudierenden steht fest: Die Zukunft der Pflege hat begonnen – und sie gestalten sie aktiv mit.