Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Vergessene Patientinnen – Nicht gemessen? Nicht verstanden? Nicht behandelt?“ rückt die Hochschule gezielt medizinische Themen in den Fokus, die bislang zu wenig Beachtung finden. Den Auftakt bildete am Freitag, 12. Juni 2026, ein ganztägiges Symposium an der OTH Regensburg, organisiert vom Labor für Biomechanik unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Dendorfer.
Forschungslücke mit hoher gesellschaftlicher Relevanz
Beckenbodenbeschwerden betreffen Millionen Frauen, und doch ist die Datenlage in vielen Bereichen unzureichend. Genau hier setzt die Forschung der OTH Regensburg an: Sie untersucht erstmals systematisch, wie der Beckenboden im Alltag belastet wird und welche biomechanischen Prozesse dabei eine Rolle spielen.
„Die Frauengesundheit weist in vielen Bereichen noch erhebliche Forschungslücken auf. Unser Ziel ist es, diese mit belastbaren Daten zu schließen und damit die Grundlage für wirksame Prävention zu schaffen“, betont Prof. Dr. Sebastian Dendorfer. „Nur wenn wir die tatsächlichen Belastungen verstehen, können wir gezielt handeln und die Lebensqualität vieler Frauen nachhaltig verbessern.“
OTH Regensburg als Impulsgeberin für interdisziplinäre Forschung
Das Symposium verdeutlichte die wissenschaftliche Breite der OTH Regensburg und ihre Rolle als Impulsgeberin: Forschende verschiedener Disziplinen präsentierten ihre aktuellen Arbeiten und brachten unterschiedliche Perspektiven zusammen – von der Biomechanik über die Medizin bis hin zu Therapie- und Sozialwissenschaften.
Den Auftakt machte Dr. Marcus Koch von der OTH Regensburg mit einer Einführung in die anatomischen Grundlagen des Beckenbodens und schuf damit eine gemeinsame fachliche Basis für die weiteren Beiträge. Externe Expertinnen und Experten, etwa Prof. Dr. Barbara Fillenberg von der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Simone Kubowitsch von der Technischen Hochschule Augsburg oder Jan Vychitil von der NTC Pilsen, erweiterten die Perspektiven und unterstrichen die hohe Relevanz des Themas.
Zum Abschluss präsentierten die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Nikolas Förstl und Ina Kasberger von der OTH Regensburg ihre Forschungsergebnisse aus dem EFRE BY-CZ Förderprojekt „3PD – Prävention von Beckenbodenbeschwerden“. In ihrer Studie ließen sie Probandinnen verschiedene Übungen ausführen, um die dabei entstehenden Belastungen auf den Beckenboden präzise zu berechnen. So untersuchten sie beispielsweise, welche Kräfte bei einem Sprung aus der Hocke wirken. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen bestehende Trainingsansätze kritisch überprüft und gezielt weiterentwickelt oder gegebenenfalls auch verworfen werden. Das große Interesse im Publikum, insbesondere unter den Hebammen sowie Therapeutinnen und Therapeuten, zeigte sich in zahlreichen Fragen und intensiven Gesprächen im Anschluss.
Neben den Fachvorträgen bot das Symposium praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschungsansätze. Im Foyer präsentierte die OTH Regensburg innovative Messtechnik und Anwendungen aus dem Labor für Biomechanik, darunter kameragestützte Bewegungsanalysen, die bereits in klinischen Kontexten eingesetzt werden, etwa zur Untersuchung von Gang- und Bewegungsmustern.
Diese enge Verzahnung von Forschung und Anwendung ist ein zentrales Merkmal der Arbeit an der OTH Regensburg. Die gewonnenen Daten fließen perspektivisch in digitale Präventionslösungen ein, etwa in ein intelligentes Trainingstool, das individuelle Übungen auf Basis biomechanischer Analysen ermöglicht.
Tabuthema in die Öffentlichkeit bringen
Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war es, das Thema Beckenboden stärker in den fachlichen und öffentlichen Diskurs zu rücken. Trotz seiner großen Bedeutung für Gesundheit und Lebensqualität wird es bislang vergleichsweise wenig berücksichtigt.
Mit dem Symposium hat die OTH Regensburg aktuelle Forschung gebündelt und den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit gefördert. Die Veranstaltungsreihe „Vergessene Patientinnen“ wird künftig weitere Themen der Frauengesundheit aufgreifen.