Grundlage sind Änderungen durch das Pflegestudiumsstärkungsgesetz sowie das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP), das am 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist. Mit diesen gesetzlichen Vorgaben werden die Kompetenzen von Pflegefachpersonen gestärkt. Das Studium befähigt angehende akademische Pflegefachpersonen nun zur eigenverantwortlichen Übernahme heilkundlicher Aufgaben in drei definierten Schwerpunktbereichen: diabetische Stoffwechsellage, chronische Wunden und Demenz.
An der Entwicklung des erweiterten Studiengangkonzepts waren maßgeblich Prof. Dr. Christa Mohr sowie Prof. Dr. Klaudia Winkler beteiligt. Neben der curricularen Integration heilkundlicher Module wurden auch die Kooperationseinrichtungen in die Weiterentwicklung eingebunden. Diesen Prozess begleitete Prof. Dr. Dorothea Thieme in ihrer Funktion als Praxisbeauftragte.
Berufsbild um eine neue Dimension erweitert
Mit der Erweiterung des Studiengangs verändert sich das professionelle Selbstverständnis in der Pflege grundlegend. „Der akademische Weg in der Pflege ist für viele noch Neuland, und mit der Übernahme heilkundlicher Aufgaben erweitern wir das Berufsbild um eine neue Dimension. Da es in der Praxis bisher nur wenige Vorbilder für diese Rollen gibt, schaffen wir im Grundlagenmodul die notwendige Orientierung: Wir klären präzise, was sich hinter Vorbehaltsaufgaben verbirgt und wo die Grenze zwischen bloßer Delegation und echter pflegerischer Substitution verläuft. Unser Ziel ist es, dass die Studierenden ein fachliches Selbstverständnis entwickeln, mit dem sie ihren Platz in einem erweiterten Versorgungsprozess zukünftig einnehmen", sagt Prof. Dr. Christiane Wissing, Studiengangleitung.
Im Wintersemester startete die erste Kohorte mit 36 Studierenden. In der Lehre wurde unter anderem bereits das Grundlagenmodul Heilkunde I durchgeführt, das sich mit dem beruflichen Selbstverständnis im Kontext der gesetzlichen Änderungen befasste.
Von Beginn an praxisnah ausgebildet
Parallel zur theoretischen Qualifizierung steht die praktische Ausbildung im Fokus. Im Modul Pflegepraxis I trainierten die Studierenden grundlegende Skills im Bereich Patientensicherheit und Patientenbeobachtung. Seit Januar befinden sich die Studierenden im ersten Praxiseinsatz. Ziel ist das Üben von Basismaßnahmen der Patientenversorgung unter Berücksichtigung individueller Krankheitsbilder und -verläufe.
Die Studierenden werden dabei von Praxisanleitenden der Kooperationseinrichtungen begleitet. Ergänzend finden bereits punktuell ärztliche Praxisanleitungen in den Schwerpunktbereichen statt, um die Unterschiede zwischen Delegations- und Substitutionsprinzip anhand realer Fälle zu verdeutlichen.
Akademisierung mit erweitertem Kompetenzprofil
Der erweiterte Bachelorstudiengang Pflege schafft ein Qualifikationsprofil, das über die klassische Patientenversorgung hinausgeht. Absolventinnen und Absolventen übernehmen Verantwortung in hochkomplexen Pflegesituationen und treffen eigenständige therapeutische Entscheidungen im Kontext eines erweiterten Versorgungsprozesses – insbesondere in den Bereichen diabetische Stoffwechsellage, Wundmanagement und Demenz.
Nach dem Studium verknüpfen sie ihre pflegerische Tätigkeit mit wissenschaftlicher Expertise: Sie bewerten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und implementieren neue Versorgungskonzepte direkt im klinischen Alltag. Neben der fachlichen Leitung von Teams steuern sie sektorenübergreifende Versorgungsprozesse.
Die OTH Regensburg setzt im Rahmen ihres Hochschulentwicklungsplans gezielt den Schwerpunkt Gesundheit, um praxisnahe Forschung, akademische Qualifizierung und innovative Versorgungskonzepte miteinander zu verbinden. Mit dem Bachelorabschluss steht zudem der Weg in weiterführende Masterprogramme und Promotionen offen.


