Auszeichnung

Paracelsus-Medaille für Prof. Grifka: Höchste ärztliche Ehrung geht erstmals nach Regensburg

Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult, Joachim Grifka, niedergelassener Arzt mit Praxis in Regensburg und ehemaliger Direktor der orthopädischen Universitätsklinik sowie Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie an der OTH Regensburg, wurde am 12. Mai in Hannover mit der Paracelsus-Medaille ausgezeichnet, die als höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft gilt.

Damit wird ein Mediziner gewürdigt, der über Jahrzehnte die Entwicklung der Orthopädie in Deutschland mitgeprägt hat. Neben seinen Verdiensten um schonende Operationsverfahren zeichnet ihn eine konsequent patientenorientierte Behandlungsstrategie aus. Die Auszeichnung ehrt insbesondere ein ärztliches Wirken, das das Wohl der Patientinnen und Patienten stets in den Mittelpunkt stellt und die Gewinnmaximierung auch gegen erhebliche Widerstände in die Schranken weist. 

Die Auszeichnung hat auch regionale Bedeutung: Prof. Grifka ist nach über 70 Jahren der erste Arzt aus Regensburg und Umgebung, der diese Auszeichnung erhielt. Die Medaille wird seit 1952 verliehen und steht in der Tradition herausragender Mediziner wie Albert Schweitzer. Sie würdigt Persönlichkeiten der Ärzteschaft, die sich in besonderer Weise um Medizin und ärztliches Ethos verdient gemacht haben.

Vordenker der Orthopädie

Die Bundesärztekammer würdigt Prof. Grifka als einen der prägenden Vertreter der modernen Orthopädie. Er war maßgeblich an der Zusammenführung der Fachgebiete Orthopädie und Unfallchirurgie beteiligt und Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Seine Lehrbücher und wissenschaftlichen Arbeiten sind fester Bestandteil der Ausbildung vieler Ärztinnen und Ärzte. 

Innovation für den Patienten: Zeit gewinnen und schneller genesen

Für Prof. Grifka ist ein künstliches Gelenk stets die „Ultima Ratio“, also das letzte Mittel. Mit innovativen Knorpelbehandlungen und Wirbelsäulentherapien ermöglicht er es Patientinnen und Patienten häufig, eine Operation hinauszuzögern und ganz zu vermeiden.

Ist ein Eingriff unumgänglich, setzt Prof. Grifka auf gezielte Vorbereitung und besonders schonende Operationsverfahren. Als Wegbereiter der sogenannten Prähabilitation entwickelte er Konzepte, die Menschen körperlich und mental auf eine Operation vorbereiten.

Forschung und Zukunftsprojekte an der OTH Regensburg

Auch nach seiner Emeritierung bleibt Prof. Grifka wissenschaftlich aktiv. Seit 2024 leitet er die Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie an der OTH Regensburg. Gemeinsam mit Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern und Bioingenieurinnen und Bioingenieuren entwickelt er dort neue Konzepte zur Prävention und Behandlung orthopädischer Erkrankungen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der konservativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen, um Wirbelsäulenoperationen möglichst zu vermeiden. Weitere Projekte beschäftigen sich mit ergonomischem Arbeiten im Homeoffice sowie mit Programmen zur Rückengesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte sich Prof. Grifka über Jahrzehnte auch in der ärztlichen Selbstverwaltung und Gesundheitspolitik. Sein Wirken wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande sowie der Aufnahme in die Leopoldina gewürdigt. 
 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka erhält in Hannover die Paracelsus-Medaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, aus den Händen des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt. Foto: Nicola Grifka