Regensburger Fachkonferenz

OTH Regensburg bei Women in Data Science stark vertreten

Prof. Dr.-Ing. Maike Stern als Hauptorganisatorin der WiDS Regensburg und Prof. Dr. Simone Bracher als Speakerin brachten Impulse aus der Hochschule in die sechste Auflage der Fachkonferenz ein.

Drohnengestützte Verkehrserfassung, thermische Erdbeobachtung per Satellitenkonstellation, Kausalanalyse von Hitzewellen, Sprachmodelle mit strukturellen Fairness-Problemen – das Programm der sechsten „Women in Data Science Regensburg“ (WiDS Regensburg) im Jahnstadion am 18. Juni zeigte: Data Science beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Wissenschaft , sondern greift die drängendsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen der Gegenwart auf. Mit rund 160 Teilnehmenden war die Fachkonferenz auch in diesem Jahr ausgebucht. Zahlreiche regionale Unternehmen unterstützten die WiDS Regensburg.

Was 2021 als regionaler Ableger einer Stanford-Initiative begann, gehört heute zum festen Kalender der Data-Science-Community in der Region. WiDS Regensburg hat sich als das Format etabliert, das methodische Tiefe und industrielle Anwendung zusammenbringt – und Regensburg dabei als ernstzunehmenden Standort der Datenwissenschaft positioniert.

Sechs Wissenschaftlerinnen aus Forschung und Industrie, darunter auch Prof. Dr. Simone Bracher von der OTH Regensburg, adressierten in diesem Jahr ein Themenspektrum, das die Bandbreite moderner Datenwissenschaft abbildet. Der Vormittag war dem Klima und dem Verkehr gewidmet. In der Klimaforschung reichen klassische Korrelationsanalysen nicht aus, um die Mechanismen hinter Hitzewellen zu verstehen: Kausal-Discovery- und Kausal-Effekt-Schätzverfahren auf Land-Atmosphären-Feedbacks machen die tatsächlichen Wirkketten sichtbar – eine Voraussetzung für verlässliche Klimamodelle. Sensorbestückte Fahrräder, drohnenbasiertes Verkehrsmonitoring und Smartphone-GPS-Daten liefern heterogene Datenströme, aus denen Machine-Learning-Methoden Fahrverhalten, Sicherheitsrisiken und Infrastrukturbedarfe ableiten – Grundlage für datengetriebene Mobilitätspolitik. Das Münchner Unternehmen OroraTech ist mit ihrem thermischen Digitalzwilling der Erde längst international bekannt: Eine Satellitenkonstellation mit 30-Minuten-Revisitzeit liefert Infrarotdaten in der kritischen Nachmittagsphase, in der Waldbrände am häufigsten entstehen oder eskalieren – von der Datenkalibrierung bis zur Echtzeit-Brandausbreitung.

Mehr zur Forschungsarbeit von Prof. Dr. Simone Bracher lesen Sie in unserer News "Mit Drohne und Sensorbike auf der Suche nach gefährlichen Verkehrssituationen".

Der Nachmittag gehörte den Grundsatzfragen. Mensch-KI-Teams schneiden in empirischen Studien oft schlechter ab als Mensch oder KI allein – nicht trotz, sondern wegen der Kombination: Übervertrauen in KI-Outputs und der Mismatch zwischen menschlichen kognitiven Prozessen und KI-Systemen untergraben das Potenzial der Zusammenarbeit. Erklärbare KI-Methoden, die an menschliche Entscheidungslogiken anknüpfen, sind der Ausweg. Large Language Models skalieren, aber Skalierung allein erzeugt keine inklusive Sprachtechnologie: Sprachliche und menschliche Variation muss als Designprinzip in Entwicklung und Evaluation integriert werden, nicht als nachgelagertes Problem behandelt werden. Bei Spotify entwickeln sich Recommender- und Suchsysteme für Millionen Nutzende von statischen Empfehlungen zu interaktiven, intentionsbasierten Discovery-Erfahrungen – und die skalierbare Evaluation dieser Systeme ist selbst ein ungelöstes Forschungsproblem.

Den regionalen Data-Science-Nachwuchs sichtbar zu machen, ist dem WiDS-Team genauso wichtig wie die Keynotes. Beides gehört zusammen: „Wer Forschung vorantreiben will, muss sie auch zeigen dürfen. Die Postersession unserer Konferenz gibt auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und Studierenden genau diesen Raum – und oft entstehen dort die interessantesten Gespräche des Tages.“, so Prof. Dr.-Ing. Maike Stern (OTH Regensburg) und Dr. Elisabeth Moser (Krones AG), Hauptorganisatorinnen der WiDS Regensburg, einig.

Über die Konferenz „Women in Data Science“:

WiDS Regensburg ist eine unabhängige Veranstaltung, organisiert in Partnerschaft mit der weltweiten „Women in Data Science“-Initiative der Stanford University (USA). Ziel ist es, Diversität in MINT-Berufen zu fördern und den Austausch innerhalb der Data-Science-Community in Regensburg, der Region und international zu stärken. Die Konferenz ist kostenfrei und offen für alle Personen.

Über das „Women in Data Science“-Team in Regensburg:

Ein Team aus Nachwuchswissenschaftler:innen und Vertreter:innen von Unternehmen sowie Hochschulen organisiert die WiDS Regensburg. Unterstützt wird es von den Regensburger Hochschulen, der Stadt Regensburg, der Strategischen Partnerschaft Sensorik e.V. (Trägerverein des Bayerischen Clusters Sensorik) und weiteren Partnern aus dem Hightech-Sektor.

Die Postersession der Women in Data Science gibt auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und Studierenden Raum. Foto: WiDS Regensburg
Prof. Dr. Simone Bracher war Speakerin bei der sechsten Regensburger Fachkonferenz Women in Data Science. Foto: WiDS Regensburg