In Folge 4 von „Kompetenzen. Perspektiven. Zukunft.“, dem Podcast zu gelebten Future Skills an der OTH Regensburg, setzen Manuel Glondys und Prof. Dr. med. Solveig Groß ihr Gespräch fort. Nachdem im ersten Teil Frauengesundheit, gesundheitliche Gleichstellung und internationale Entwicklungszusammenarbeit im Mittelpunkt standen, richtet sich der Blick nun auf die konkrete Umsetzung: Was braucht es, damit aus dem Wunsch zu helfen langfristige und tragfähige Veränderung entsteht?
Nachhaltigkeit braucht Projektmanagement
Für Solveig Groß ist klar: Medizinisches Fachwissen und gute Absichten allein reichen nicht aus. Nachhaltige Gesundheitsprojekte benötigen eine fundierte Analyse der Bedingungen vor Ort, eine realistische Finanzplanung, klare Meilensteine sowie kontinuierliches Monitoring und Evaluation.
Anschaulich wird dies am Beispiel eines von ihr begleiteten Screenings zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Ein solches Projekt muss an die jeweiligen sozialen, kulturellen und infrastrukturellen Bedingungen angepasst werden. Welche Untersuchungsmethode eignet sich vor Ort? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie wird das Personal geschult? Und vor allem: Wie lässt sich überprüfen, ob die Maßnahme tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt?
Projektmanagement wird damit zu weit mehr als einer organisatorischen Zusatzkompetenz. Es verbindet Fachwissen mit der Fähigkeit, komplexe Herausforderungen zu analysieren, Lösungen an reale Bedingungen anzupassen und Veränderungen nachhaltig zu gestalten.
Mehr als Fachwissen: Future Skills für Gesundheitsberufe
Diese Erfahrungen bringt Groß auch in ihre Hochschullehre ein. Studierende sollen lernen, komplexe Versorgungssituationen zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und auch unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen. Ebenso wichtig ist für sie die interprofessionelle Zusammenarbeit: Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Pflegekräfte und weitere Berufsgruppen sollen ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen gemeinsam in Entscheidungen einbringen.
Dazu gehört auch, die gesellschaftlichen Folgen medizinischer Entscheidungen zu reflektieren. Denn nicht alles, was medizinisch möglich ist, ist in jeder Situation automatisch die beste Lösung.
Resilienz und der Umgang mit Belastungen
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die emotionale Belastung in Gesundheitsberufen. Wer täglich mit Krankheit, schwierigen Schicksalen oder Sterben konfrontiert ist, benötigt Strategien, um mit diesen Erfahrungen professionell umgehen zu können.
Groß plädiert deshalb dafür, angehende Fachkräfte frühzeitig auf solche Belastungssituationen vorzubereiten und ihnen Wege aufzuzeigen, Unterstützung einzufordern sowie Kolleginnen und Kollegen zur Seite zu stehen. Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, Belastungen einfach auszuhalten, sondern mit ihnen reflektiert und handlungsfähig umzugehen.
Welche Verantwortung trägt die Hochschule?
Auch die Hochschule selbst nimmt Groß in den Blick. Als Bildungsinstitution könne sie dazu beitragen, Gesundheitsbewusstsein und gesellschaftliche Verantwortung zu stärken. Bewusstseinsbildung sei dabei ein langfristiger Prozess: Es brauche zunächst Aufmerksamkeit für ein Thema, anschließend Strategien und schließlich die Bereitschaft, tatsächliche Veränderungen umzusetzen.
Gerade Hochschulen für angewandte Wissenschaften bieten dafür besondere Möglichkeiten. Sie verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Herausforderungen aus der Praxis und können Studierende dazu befähigen, Veränderung nicht nur zu verstehen, sondern aktiv mitzugestalten.
Fazit: Fachwissen muss um Future Skills ergänzt werden
Folge 4 führt die zentrale Botschaft der Doppelfolge konsequent weiter: Fachwissen ist unverzichtbar – doch erst im Zusammenspiel mit Future Skills wird daraus die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung wirksam zu gestalten.
„Kompetenzen. Perspektiven. Zukunft.“ ist der Podcast zu gelebten Future Skills an der OTH Regensburg und entsteht im Rahmen des Projekts OTHorizont.