Das gemeinsam konzipierte Modul schafft Zeit und Raum für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten von Diskriminierungsmechanismen und der Rolle von Architektur und Gestaltung. Dabei werden zwei Themen von je einer Studierendengruppe bearbeitet. Höhepunkt ist der Themenabend innerhalb der wöchentlichen Vortragsabende der Fakultät Architektur – nicht als Lecture, sondern als Halle A Immersive mit aktiver Beteiligung des Publikums.
Interaktives Programm beleuchtet Lücken in der Teilhabe
Für den ersten Abend mit dem Fokus auf räumlicher Chancengleichheit bei physischen und psychischen Einschränkungen haben die Studierenden das Format der Halle A Lecture zur Halle A Immersive erweitert und den Abend in drei Teile geteilt. Eine kurze Einführung stellt klar: Chancengleichheit und Barrierefreiheit bedeuten Teilhabe aller, ohne besondere Anstrengung.
Anschließend wurde das Publikum zu einem Seh- und Hörtest sowie verschiedenen informierenden und interaktiven Experimentier-Stationen im Gebäude der Fakultät Architektur eingeladen. Dabei wurden alltägliche Situationen beleuchtet: das Bedienen der Getränkeautomaten in der Cafeteria ist sitzend, z. B. im Rollstuhl aufgrund der Höhe des Tast- und Bezahlfelds nicht möglich; oder die Höhe der pendelnd hängenden Steckdosen in den Arbeitsbereichen verhindert das Bedienen im Sitzen oder mit einer Hand. Wichtig war den Studierenden, Gestaltungen und Designs zu identifizieren, die die Teilnahme am Fakultätsalltag erschweren oder sogar verhindern.
Barrierefreiheit in der Realität
Nach dem gemeinsamen Erkunden der Stationen sammelte sich das Publikum im Atrium der Fakultät, der Halle B, zur Gesprächsrunde mit den Gästen Maria Pirzer vom Regensburger Beratungsverein Phoenix e.V. und ihrer Begleitperson Daniela Rhein sowie einigen Studierenden und den Lehrenden. Anhand von konkreten Fällen, wie zum Beispiel der barrierefreien Plätze im Hörsaal L003, Toiletten im Fakultätsgebäude oder der Zugänglichkeit des Nationaltheaters München wurde über die gesetzlichen Vorgaben, deren Erfüllung und Gestaltung sowie dadurch resultierende Konsequenzen für die Nutzbarkeit diskutiert.
Einblicke aus Sicht einer Betroffenen
Maria Pirzer unterstützte die Fallanalysen, in dem sie dem Publikum durch anschauliche Beispiele aus ihrem Leben und ihrem ehemaligen Studienalltag an der Universität Regensburg das Einnehmen einer anderen Perspektive ermöglichte, ähnlich wie in ihrem Projekt „Perspektivwechsel“ gemeinsam mit Rudi Pichlmeier vom Blinden- und Sehbehindertenbund. Besonders die unsichtbaren oder unscheinbaren Hindernisse und der Wunsch nach niedrigschwelliger und spontaner Teilhabe ohne Heraushebung durch eine Sonderlösung oder designierte Sitzplätze waren besonders eindrücklich.
Bei der Organisation des Abends spielte auch die Barrierefreiheit des Abends selbst eine große Rolle. So überlegten sich die Studierenden diverse kleine Lösungen, wie z.B. eine Einladung in einfacher Sprache, unterfahrbare Tische für die Gesprächsrunde, eine flexible Bestuhlung auf Augenhöhe in der Halle B, um unkompliziert Rollstühle einreihen zu können oder besonders kontrastreiche Texte und Darstellungen für Plakate und Präsentationen.
Besonders erfreulich waren das zahlreiche Publikum und die rege Beteiligung in der nachfolgenden Diskussion, bei der bereits neue Ideen für zukünftige Projekte geschmiedet wurden.
Der zweite Themenabend des Wahlpflichtmoduls „Räumliche Chancengleichheit“ findet am 07. Juli 2026, wieder im Zeitfenster der Halle A Lecture ab 18 Uhr in der Halle A statt. Weitere Informationen folgen.