Wie lautet der Titel Ihres Forschungsprojekts?
Treppen der Macht. Treppen der Qual. Intendierte Funktion oder Missbrauch eines Architekturelements?
Wer ist an dem Projekt beteiligt?
Prof. Dr. Elke Nagel, Dr. Sophie Schlosser, Prof. Dr. Andreas Emminger, Prof. Dr. Lukas Meissel (Universität Wien), Dr. Timo Saalmann (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), Dr. Gregor Holzinger (KZ-Gedenkstätte Mauthausen), Dr. Matthias Hoffmann (In Terra Veritas)
Worum geht es in Ihrem Forschungsprojekt?
Die besonderen differierenden und selektierenden Eigenschaften von Treppen und ihr Symbolgehalt eröffnen auf vielen Ebenen die Möglichkeit zur Manipulation: zur Erhebung der einen Gruppe, zur Erniedrigung der anderen – deren besonders grausame Ausformung sich in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zeigt. Das Forschungsziel des Projektes spannt sich disziplinär zwischen den architektonisch-konstruktiven Erkenntnissen aus der bauhistorischen Forschung und dem ethisch-soziologischen Wissenszugewinn aus der Geschichtsforschung auf. Die vielfältigen Verwebungen von Taten und Zwecken zeigen sich an der Veränderungsgeschichte der Lager und der Steinbrüche in Flossenbürg und Mauthausen, wo sich Errichtung, Gebrauch und Missbrauch der Treppen wie das Protokoll der zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung lesen lassen. Ziel der Forschungen ist eine Klärung der Geschichte dieser spezifischen Treppen sowie deren systemischer Einordnung, sowohl in Bezug zur systematischen Ausbeutung und Vernichtung der Menschen in den Konzentrationslagern wie auch, übergeordnet als Bauelement betrachtet, in die architektonische Denkweise der Nationalsozialisten.
Was begeistert Sie an dem Projekt?
Ein außergewöhnlich multiperspektivischer und interdisziplinärer Ansatz eröffnet Wege des Erkenntnisgewinns, die, auf Basis von konkreten authentisch-historischen Objekten, eine Skalierung auf die theoretische Betrachtungsebene eines gezielten Einsatzes der manipulativen Kraft des Architekturelementes Treppe der NS-Zeit zulassen. Beides, also die Beantwortung der substanzgebundenen baugeschichtlichen Fragestellungen zu den Granittreppen in den SS-Steinbrüchen wie auch die Transferleistung der architekturgeschichtlichen Einordnung, ist zwingend notwendig, um einen adäquaten zukünftigen Umgang zu bestimmen. Mit der wissenschaftlichen Publikation des Projektabschlusses erzielen die Forschungsergebnisse Sichtbarkeit für das gesellschaftlich wie baugeschichtlich höchst relevante Thema.
Wie können Erkenntnisse aus dem Projekt Anwendung in der Praxis finden?
Mit der bauforscherischen Befassung werden die wenigen physischen Zeugnisse des nationalsozialistischen Terrors systematisch erforscht und dokumentiert. Ihre Bedeutung, die historische wie die zukünftige, kann nur von einem interdisziplinären Projektteam umfassend erarbeitet werden. Die Beteiligung von mindestens zwei KZ-Gedenkstätten, die beide in den Kern- und Außenlagern Entscheidungen zum zukünftigen Umgang mit Treppen treffen müssen, werden die Forschungsergebnisse in der didaktischen und museologischen Gestaltung Anwendung finden.
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