OTH-Lehrinnovationsprofessur 2026
Prof. Dr. Max Singh im Interview
Herr Prof. Dr. Singh, was machen Sie in Ihrer Innovationsprofessur?
In meiner Lehrinnovationsprofessur beschäftige ich mich mit der Frage, wie komplexe Inhalte der Medizintechnik besser verstanden werden können. Themen wie Regulierung, Qualitätsmanagement oder die Entwicklung medizinischer Systeme sind fachlich anspruchsvoll und häufig stark abstrakt.
Mein Ziel ist es, diese Inhalte durch neue Lehrformate greifbarer zu machen. Dazu nutze ich unter anderem Storytelling, realitätsnahe Fallgeschichten und problemorientierte Lernformate. Studierende arbeiten beispielsweise an sogenannten „Challenges“, bei denen sie reale Entscheidungssituationen aus der Medizintechnik analysieren und selbst Lösungsansätze entwickeln.Dabei geht es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern um ein ganzheitliches Verständnis der Zusammenhänge zwischen technischer Entwicklung, klinischer Anwendung und regulatorischen Anforderungen. Studierende sollen nicht nur lernen, wie medizintechnische Systeme funktionieren, sondern auch verstehen, unter welchen regulatorischen und klinischen Rahmenbedingungen sie entwickelt und eingesetzt werden.
Die neuen Formate werden schrittweise in verschiedenen Modulen der Studiengänge Biomedical Engineering und Medizintechnik erprobt und wissenschaftlich begleitet.
Wie könnten andere Lehrende, Studierende und Forschende (der OTH) von Ihren Projekten profitieren?
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Übertragbarkeit. Viele der zu entwickelnden Methoden – etwa Fallnarrative, Challenge-Based Learning oder agile Lernzyklen – können dann bestenfalls auch in anderen Fachgebieten einsetzbar sein. Langfristig sollen die Erfahrungen aus der Lehrinnovationsprofessur in Form von Workshops, internen Präsentationen oder einem digitalen Toolkit dokumentiert werden. Dadurch können auch andere Lehrende neue Impulse für ihre eigene Lehre erhalten.
Für Studierende bedeutet das vor allem aktivere Lernformate, bei denen sie nicht nur Wissen aufnehmen, sondern selbst Lösungen entwickeln, diskutieren und reflektieren. Gerade in technischen Studiengängen ist diese Verbindung aus analytischem Denken, Problemlösung und Anwendungsperspektive besonders wertvoll.
Was hat Sie motiviert eine Lehrinnovation verwirklichen zu wollen?
Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie Menschen komplexe Zusammenhänge wirklich verstehen. Gerade in der Medizintechnik reicht es nicht aus, einzelne Fakten zu kennen – man muss technische, regulatorische und teilweise auch klinische Aspekte gleichzeitig denken können.
In der klassischen Vorlesung bleibt dafür manchmal wenig Raum. Deshalb möchte ich neue Wege ausprobieren, um Lernen stärker als aktiven Prozess zu gestalten. Lehrinnovation bedeutet für mich nicht, alles neu zu machen, sondern bestehende Lehre weiterzuentwickeln und um neue Perspektiven zu ergänzen.
Warum die Arbeit mit einem Storytelling-basierten Lehrkonzept in der Lehre für Sie interessant?
Geschichten sind eine sehr wirkungsvolle Form des Lernens. Sie helfen uns, komplexe Informationen in einen Zusammenhang zu bringen und besser zu erinnern.
In der Medizintechnik gibt es viele Situationen, die sich dafür eignen – etwa die Entwicklung eines neuen Medizinprodukts, regulatorische Entscheidungen oder Herausforderungen bei der Anwendung technischer Systeme im klinischen Umfeld. Auch ethische Fragen spielen dabei eine Rolle.Wenn solche Situationen als narrative Fallgeschichten aufbereitet werden, können Studierende die Perspektive von Entwicklern, Zertifizierstellen, Behörden, Anwendern oder Patienten einnehmen und die Konsequenzen technischer und regulatorischer Entscheidungen besser nachvollziehen.
Welche Verbesserungen in der Lernerfahrung der Studierenden erhoffen Sie sich von einem narrativen und emotional ansprechenden Vorgehen im Kontrast zu klassisch kognitiv vermitteltem Wissen?
Ich erhoffe mir vor allem ein tieferes und nachhaltigeres Verständnis. Wenn Lernen nicht nur aus der Aufnahme von Informationen besteht, sondern auch Emotion, Perspektivwechsel und Problemlösung beinhaltet, wird Wissen häufig stärker verankert.
Studierende können dadurch nicht nur Inhalte besser behalten, sondern sie auch leichter auf neue Situationen übertragen. Gerade in einem dynamischen Feld wie der Medizintechnik – in dem technische Systeme, regulatorische Anforderungen und klinische Anwendung eng miteinander verbunden sind – ist diese Fähigkeit besonders wichtig.