Gesundheitswissenschaften

Zehn Jahre Studiengang Logopädie: Wie KI die Therapie von morgen verändern könnte

Bei der Jubiläumsveranstaltung „Zehn Jahre Bachelor Logopädie an der OTH Regensburg – Wissen, das wirkt“ blickten Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Lehrende, Studierende und Absolventinnen auf die Entwicklung des Studiengangs zurück und diskutierten Zukunftsperspektiven der Logopädie im Zeitalter der Digitalisierung.

Wie werden Menschen mit Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen im Jahr 2056 behandelt? Mit dieser Frage wagte die Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Bachelorstudiengangs Logopädie am 22. Oktober 2026 an der OTH Regensburg den Blick in die Zukunft. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Prof. Dr. Norina Lauer, die zeigte, welches Potenzial Künstliche Intelligenz, Teletherapie und digitale Assistenzsysteme künftig für die logopädische Versorgung bieten könnten.

Demnach könnten digitale Anwendungen künftig Sprachanalysen in Echtzeit ermöglichen, Therapien ortsunabhängig unterstützen oder Menschen mit Kommunikationsstörungen durch KI-gestützte Systeme im Alltag begleiten. Dabei bleibe die therapeutische Fachkraft unverzichtbar. „Die Rolle der Logopädin oder des Logopäden wird sich verändern. Sie plant, steuert und verantwortet die Therapie, während digitale Systeme unterstützende Aufgaben übernehmen können“, erläuterte Prof. Dr. Lauer in ihrem Vortrag.

Zukunft der Logopädie: KI als Assistenz, der Mensch bleibt zentral

An der OTH Regensburg wird die Verbindung von Logopädie und Digitalisierung bereits erforscht. Vorgestellt wurden unter anderem Projekte zur KI-gestützten Unterstützung von Menschen mit Aphasie, einer erworbenen Sprachstörung nach einer Hirnschädigung, digitale Vernetzungsangebote für Betroffene sowie Telepräsenzlösungen für den Gesundheitsbereich. Gemeinsames Ziel sei es, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und evidenzbasierte digitale Angebote in die Versorgung zu überführen.

Neben dem Blick nach vorn standen bei der Jubiläumsfeier auch die vergangenen zehn Jahre im Fokus. Der Bachelorstudiengang Logopädie wurde 2016 eingerichtet, die erste Professur für Logopädie folgte 2018. Die OTH Regensburg begann bereits 2010 mit dem gezielten Ausbau der Gesundheitswissenschaften und zählt heute zu den führenden Hochschulen für Gesundheit in Bayern. Gesundheit gehört auch im aktuellen Hochschulentwicklungsplan zu den zentralen Entwicklungsschwerpunkten der Hochschule. Mit ihrem interprofessionellen Studienangebot sowie Aktivitäten in Forschung und Transfer will die OTH Regensburg die Gesundheitsversorgung der Zukunft aktiv mitgestalten.

„Der Studiengang zeigt, welchen Mehrwert die akademische Qualifizierung für die therapeutische Versorgung der Gesellschaft und für die Weiterentwicklung des Fachs schafft“, sagte Prof. Dr. Nicolas Schöpf, Dekan der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften. „Unsere Absolventinnen und Absolventen verbinden wissenschaftliches Denken mit hoher Praxisorientierung.“ Auch Prof. Dr. Birgit Rösel, Vizepräsidentin der OTH Regensburg, betonte die Bedeutung des Studiengangs: „Die Akademisierung der Logopädie stärkt die evidenzbasierte Versorgung und eröffnet neue Perspektiven für Forschung, Lehre und Versorgungspraxis. Der Bachelorstudiengang Logopädie ist deshalb eine echte Erfolgsgeschichte für die OTH Regensburg und für das Gesundheitswesen.“

Zehn Jahre Studiengang: Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte

Die ehemalige Vizepräsidentin und Beauftragte für den Entwicklungsschwerpunkt Gesundheit, Prof. Dr. Klaudia Winkler, erinnerte an die Anfänge des Studiengangs. Die OTH Regensburg habe bereits früh auf die Akademisierung der Gesundheitsberufe gesetzt und mit Studienangeboten in Pflege, Pflegemanagement und Physiotherapie wichtige Erfahrungen gesammelt. Der Bachelorstudiengang Logopädie sei ein weiterer wichtiger Schritt gewesen, um die Gesundheitswissenschaften an der Hochschule auszubauen.

Auf die Entstehungsgeschichte blickte auch Stefan Lange, Leiter der Staatlichen Berufsfachschule für Logopädie Regensburg, zurück. Die Einrichtung des Studiengangs sei das Ergebnis langjähriger Überzeugungsarbeit und enger Kooperationen gewesen. Schon früh habe sich gezeigt, wie wichtig wissenschaftliche Forschung sowie der Austausch mit Disziplinen wie Medizin und Linguistik für die Weiterentwicklung der Logopädie seien. In zahlreichen Gesprächen mit Partnern aus Hochschule, Politik und Berufsverbänden sei die Grundlage für den heutigen Studiengang geschaffen worden.

Prof. Dr. Norina Lauer prägt den Studiengang seit den Anfängen

Einen Rückblick auf die wichtigsten Meilensteine des Studiengangs gab die Lehrbeauftragte Nina Greiner. Besonderen Dank richteten die Rednerinnen und Redner an Prof. Dr. Norina Lauer. Ihr Name sei untrennbar mit der Entwicklung des Studiengangs verbunden. Wie Klaudia Winkler betonte, trage der Erfolg des Studiengangs „ganz eindeutig ihre Handschrift“. Über die Jahre sei sie zum Gesicht des Studiengangs geworden und habe dessen Entwicklung in Lehre, Forschung und Vernetzung maßgeblich geprägt.

Wie vielfältig die beruflichen Wege nach dem Studium sein können, zeigten Absolventinnen des Studiengangs. Sie berichteten von Tätigkeiten in Klinik, Lehre und Forschung sowie von unternehmerischen Gründungen im Bereich therapeutischer Dienstleistungen und Therapiematerialien. Gleichzeitig verwiesen aktuelle Studierende darauf, dass vielen Interessierten noch immer nicht bekannt sei, dass Logopädie auch auf Hochschulniveau studiert werden kann.

Den Abschluss bildete ein Fachvortrag von Prof. Dr. Juliane Leinweber (HAWK und Universitätsmedizin Göttingen) zu partizipativer Technikentwicklung mit Betroffenen und Techniknutzung durch Fachkräfte in der Logopädie. Die Jubiläumsveranstaltung machte deutlich, wie stark sich das Fachgebiet in den vergangenen Jahren verändert hat und welche Chancen neue technologische Entwicklungen für die Zukunft der logopädischen Versorgung eröffnen.

Prof. Dr. Peter Kummer, Lehrbeauftragter an der OTH Regensburg und Leiter der Phoniatrie und Pädaudiologie am Universitätsklinikum Regensburg, und die Lehrbeauftragte Nina Greiner zählen zu den prägenden Wegbegleitern des Bachelorstudiengangs Logopädie an der OTH Regensburg. Foto: OTH Regensburg/Sandra Schwarz
Mit einem Blick „Back to the Future“ erinnerte Prof. Dr. Klaudia Winkler an die Entstehung des Studiengangs und schlug zugleich die Brücke zu den Zukunftsthemen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Foto: OTH Regensburg/Noemi Piechottka
Beim Jubiläum „10 Jahre Bachelorstudiengang Logopädie“ an der OTH Regensburg blickten Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Studierende, Absolventinnen und Lehrende gemeinsam auf die Entwicklung des Studiengangs und seine Zukunftsperspektiven. Foto: OTH Regensburg/Simone Grebler
Stefan Lange, Leiter der Staatlichen Berufsfachschule für Logopädie Regensburg, und Janine Schöttner, Absolventin des Studiengangs Logopädie an der OTH Regensburg. Foto: OTH Regensburg/Simone Grebler
Prof. Dr. Nicolas Schöpf, Dekan der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der OTH Regensburg. Foto: OTH Regensburg/Simone Grebler
Prof. Dr. Birgit Rösel, Vizepräsidentin der OTH Regensburg für Studium und Lehre. Foto: OTH Regensburg/Simone Grebler