Sozial- und Gesundheitswissenschaften

Wenn Worte fehlen und Wissen hilft: 10 Jahre Bachelor Logopädie an der OTH Regensburg

Während Künstliche Intelligenz immer besser Sprache versteht, beschäftigt sich die Logopädie mit einer anderen Frage: Wie können Menschen in ihrer Kommunikation, beim Sprechen, bei der Stimme und beim Schlucken unterstützt werden – unabhängig davon, ob es um eine Entwicklungsstörung im Kindesalter oder eine im Laufe des Lebens erworbene Beeinträchtigung geht?

Für Menschen, die nach einem Schlaganfall plötzlich keine Worte mehr finden. Für Kinder, denen das Sprechen schwerfällt. Für Menschen, die ihre Stimme verlieren. Kommunikation ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. Logopädinnen und Logopäden unterstützen Menschen dabei, diese Teilhabe zu erlangen, zurückzugewinnen oder zu bewahren.

Seit inzwischen zehn Jahren bildet die OTH Regensburg Fachkräfte für dieses Berufsfeld akademisch aus. Das Jubiläum des Bachelorstudiengangs Logopädie feiert die Hochschule am 22. Oktober 2026 unter dem Motto „Wissen, das wirkt". Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur zehn Jahre Studienganggeschichte, sondern vor allem die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse die Versorgung von Menschen verbessern können und welche Rolle Digitalisierung und Künstliche Intelligenz künftig dabei spielen werden.

Eine, deren eigener Weg eng mit der Entwicklung des Studiengangs verbunden ist, ist Maxine Klinck. Sie gehörte 2016 zur ersten Kohorte des Bachelorstudiengangs Logopädie an der OTH Regensburg. Heute arbeitet die 31-Jährige als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund und strebt eine Promotion an.

„Mich hat damals vor allem die Neugier motiviert, mehr wissen zu wollen und die Hintergründe meines beruflichen Handelns besser zu verstehen", erinnert sich Klinck. „Gleichzeitig fand ich es spannend, Teil von etwas Neuem zu sein." Der Bachelorabschluss sei für sie ein wichtiger Türöffner gewesen: von der Tätigkeit als Logopädin und Lehrlogopädin über ein Masterstudium bis hin zur Forschung.

Studiengang aus Regensburg mit Vorreiterrolle

Mit der Einführung des Studiengangs reagierte die OTH Regensburg früh auf einen Wandel innerhalb des Berufsbilds. Immer mehr Logopädinnen und Logopäden erwerben heute neben ihrer Ausbildung eine akademische Qualifikation. Der Regensburger Studiengang war dabei Vorreiter in Bayern und verfügt als erster Logopädie-Studiengang im Freistaat über eine eigene logopädische Professur. Inzwischen kooperiert die OTH Regensburg mit sieben Berufsfachschulen und ermöglicht damit auch angehenden Logopädinnen und Logopäden aus Regionen außerhalb der Hochschulstandorte ein Studium.

In der Domstadt kooperiert die OTH Regensburg unter anderem mit dem Seniorenamt der Stadt und logopädischen Praxen beispielsweise bei Forschungsprojekten. Eine enge Kooperation pflegt die Hochschule auch mit der Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Regensburg. Prof. Dr. Kummer, Phoniater am Uniklinikum, lehrt mit seinem Team jährlich im Studiengang Logopädie.

Für Studiengangsleiterin Prof. Dr. Norina Lauer steht hinter dem Jubiläum vor allem eine Botschaft: Wissenschaft soll Menschen zugutekommen. „Wissen kann erst dann seinen Wert entfalten, wenn es die Menschen erreicht", sagt Lauer. „Genau darum geht es in der Logopädie. Wir verfügen heute über viele wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa zur Wirksamkeit von Videotherapie oder intensiver Aphasietherapie, also der Behandlung einer Sprachstörung. Die Herausforderung besteht darin, dieses Wissen konsequent in die Versorgungspraxis zu bringen."

KI bringt neue Möglichkeiten, der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Wie sich die Logopädie in den kommenden Jahren verändern wird, ist eines der zentralen Themen der Jubiläumsveranstaltung. Neben der demografischen Entwicklung mit einem steigenden Bedarf an sprachtherapeutischer Versorgung beschäftigen die Disziplin auch Fragen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. KI-basierte Anwendungen könnten künftig beispielsweise bei der Analyse von Sprache unterstützen oder neue Möglichkeiten der Kommunikation eröffnen. Gleichzeitig bleiben therapeutische Beziehung, klinisches Urteilsvermögen und der persönliche Kontakt unverzichtbar.

„Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben", betont Prof. Dr. Norina Lauer. „Technologie kann ein wertvolles Werkzeug sein. Die Verantwortung für Therapie und Behandlung liegt aber auch künftig bei den Fachkräften."

Unter dem Motto „Wissen, das wirkt" möchte die OTH Regensburg daher nicht nur auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken, sondern gemeinsam mit Absolventinnen und Absolventen, Lehrenden, Studierenden und Praxispartnerinnen und -partnern die Zukunft eines Berufs diskutieren, der Menschen ihre Stimme, ihre Sprache und damit oft ein Stück Lebensqualität zurückgibt.

Das Jubiläum "10 Jahre Bachelor Logopädie an der OTH Regensburg – Wissen, das wirkt" findet am Donnerstag, 22. Oktober, ab 16 Uhr an der OTH Regensburg statt.

"Wissen kann erst dann seinen Wert entfalten, wenn es die Menschen erreicht. Genau darum geht es in der Logopädie", sagt Prof. Dr. Norina Lauer, Leiterin des Studiengangs Logopädie an der OTH Regensburg. Foto: Florian Hammerich
Maxine Klinck gehörte 2016 zur ersten Kohorte des Bachelorstudiengangs Logopädie an der OTH Regensburg. Foto: Maxine Klinck