Seit dem 27.04.2026 arbeitete der OTH-Masterstudent Leon Dresel am HVL Robotics Lab am Campus Førde der Western Norway University of Applied Sciences (Høgskulen på Vestlandet, HVL). Während seines dreiwöchigen Aufenthalts ist er im Projekt FutuRaPS (Future Raspberry Production System for Western Norway) eingebunden, das vom Norwegischen Forschungsrat finanziert wird und die Automatisierung der Himbeerproduktion in Westnorwegen vorantreibt. Sein Beitrag lag in der Entwicklung und Erprobung von Steuerungsalgorithmen für die mobilen Roboterplattformen des Projekts.
Im Lab arbeitete Leon mit zwei Forschungsplattformen: einer kettengetriebenen Alitrack-Plattform mit einem UR10 6-Achs Arm sowie einem Clearpath Husky mit Rädern. Beide Systeme wurden im Projekt unter anderem für das präzise Sprühen von Pflanzenschutzmitteln auf Himbeerpflanzen in Polytunneln eingesetzt. Der Aufenthalt wurde betreut von Prof. Dr. Thomas Linner (Building Lab, OTH Regensburg) in Zusammenarbeit mit der HVL Robotics-Gruppe unter Leitung von Prof. Martin Fodstad Stølen, fachlich betreut durch Dr. Amel Dechemi.
Leon Dresel, 25 Jahre alt, aus Regensburg
In welchen Themenbereichen studieren und forschen Sie?
Ich studiere den Master Angewandte Forschung im Ingenieurswesen an der OTH Regensburg, vorher habe ich meinen Bachelor im Maschinenbau gemacht. Im Building Lab bei Prof. Linner arbeite ich an mobilen Robotern für den Innenausbau im Bauwesen. Konkret geht es um Wahrnehmung mit LiDAR und Kameras, um Steuerung und um die Integration unter ROS2, sowohl auf mobilen Plattformen als auch in Verbindung mit Roboterarmen.
Wie hat Ihre Begeisterung für dieses Thema begonnen?
Mit Robotik bin ich zum ersten Mal während meiner Bachelorarbeit in Schweden richtig in Berührung gekommen, da konnte ich erstmals mit Roboterarmen arbeiten. Das Zusammenspiel aus Mechanik und Software und wie schnell man damit Prozesse umsetzten kann hat mich begeistert. Im Master habe ich den Sprung ins Bauwesen gemacht, weil dort viele Potential für die Automatisierung mit Robotern gibt.
Wie entstand die Kooperation mit dem HVL Robotics Lab, und warum haben Sie sich für Norwegen entschieden?
Den Kontakt zum HVL Robotics Lab hat Prof. Linner hergestellt. Wir haben überlegt, wo ich praktische Erfahrung mit mobilen Robotern im Außenbereich sammeln kann. Im Building Lab arbeiten wir vor allem an Innenraumanwendungen, und diese Außenperspektive hat mir noch gefehlt. Das FutuRaPS-Projekt am HVL passt da gut, auch wenn der Anwendungskontext landwirtschaftlich ist. Viele der Probleme sind dieselben wie im Bauwesen.
Was sind die Stärken und Besonderheiten der hostenden Institution?
Was mich hier am meisten beeindruckt hat, ist die Mischung aus dem Equipment und den Leuten. Die Plattformen, mit denen ich arbeiten durfte, sind hochwertige Forschungssysteme und mir wurde von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht. Mindestens genauso wichtig waren aber die Kollegen und Mitstudierenden im Lab. Alle haben sich Zeit genommen, mich richtig eingearbeitet und sind bei Fragen einfach immer ansprechbar. Aus den drei Wochen ist daraus eine sehr produktive und schöne Zeit geworden.
Wie ergänzen sich Norwegen und Deutschland im Hinblick auf ihre Stärken in Forschung und Entwicklung?
Am HVL liegt ein klarer Schwerpunkt auf mobiler Robotik im Außenraum, vor allem in Landwirtschaft. Bei uns im Building Lab geht es eher um Innenraumanwendungen im Bauwesen. Schaut man genauer hin, sind die Herausforderungen aber sehr ähnlich. In beiden Branchen fehlen Fachkräfte, beide arbeiten in halbstrukturierten Umgebungen, in denen sich Menschen frei bewegen, und die Datenlage ist in beiden Fällen dünn. Vieles, was die Kollegen in Norwegen entwickelt haben, lässt sich gut auf unsere Fragestellungen übertragen, und umgekehrt.
Wie wollen Sie Ihre Forschung später in die Industrie einbringen?
Im Building Lab arbeiten wir an mehreren Projekten mit Industriepartnern, zum Beispiel mit Lindner zur Automatisierung des Doppelbodenausbaus, oder an Logistikrobotern für die Baustelle. Was ich am HVL über LiDAR-Wahrnehmung und autonome Navigation gelernt habe, kann ich in all diesen Arbeiten direkt einsetzen.
Wie ist Ihr Aufenthalt finanziert?
Der Aufenthalt wird über das DAAD-Begleitprogramm der ARTEMIS-Hochschulallianz finanziert. Das HVL stellt mir Arbeitsplatz, Hardware und die fachliche Betreuung.
Welche Erfahrung in Norwegen hat Sie am meisten geprägt?
Fachlich war der Tag auf der Himbeerplantage in Leikanger das Highlight. Wir haben dort LiDAR--Punktwolken aufgenommen, um meine Steuerungsalgorithmen mit echten Daten zu testen. Zwischen Simulation und Feld liegt eben doch ein großer Unterschied, und an dem Tag hat man schnell gemerkt, woran es im echten Einsatz hakt. Abseits der Arbeit hat mich vor allem die Landschaft beeindruckt. Die Fjorde sind wirklich beeindruckend, und mit den öffentlichen Bussen kommt man überall gut hin. Das Wetter hat mitgespielt, sodass auch noch genug Zeit zum Wandern blieb.
Welche Tipps haben Sie für auslandsbegeisterte Studierende der OTH Regensburg?
Sprecht früh mit eurer Betreuung über das Thema. Viele Kontakte ins Ausland gibt es schon, man sieht sie nur von außen nicht. Und schreibt auch kürzere Aufenthalte nicht ab. Drei Wochen reichen für viel, wenn das Thema nah am eigenen Forschungsschwerpunkt liegt und man gut vorbereitet ankommt. Die Organisation eines Aufenthalts in Norwegen war bei mir übrigens unkompliziert, von der Anreise bis zum Alltag vor Ort lief alles reibungslos.