Forschung

Pionierarbeit für den deaflympischen Sport

Ein Forschungsprojekt der OTH Regensburg schafft neue Grundlagen für das sportpsychologische Training von Leistungssportlerinnen und -sportlern mit starken Hörbeeinträchtigungen.

Leistungssportlerinnen und -sportler mit starken Hörbeeinträchtigungen, sogenannte deaflympische Athletinnen und Athleten, benötigen für optimale sportliche Leistungen neben effektiven körperlichen und sportartbezogenen Trainingsmaßnahmen auch wirksames sportpsychologisches Training. Was für den Bereich des olympischen und paralympischen Leistungssports mittlerweile weitgehend etabliert ist, gilt für den deaflympischen Sport nicht. Somit ermangelt es für gehörlose Sportlerinnen und Sportler folglich auch an gezielter sportpsychologischer Leistungsoptimierung. Ihnen bleibt eine vielfach nachgewiesene Leistungsreserve verwehrt.

Eine Forschungslücke im deaflympischen Sport geschlossen

Diese Lücke wollte Prof. Dr. Rainer Schliermann der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften der OTH Regensburg schließen, indem er zwei vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISP) bzw. dem Bundeministerium des Innern (BMI) geförderte Forschungsprojekte bearbeitete. Zusammen mit seinem Forschungsteam analysierte er, unter welchen Bedingungen es gehörlosen bzw. stark hörbeeinträchtigten Sportlerinnen und Sportlern möglich ist, sportpsychologische Trainings systematisch und leistungswirksam nutzen können.

Die mehrjährigen Forschungen erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gehörlosen-Sportverband (DGSV) sowie weiteren Kooperationspartnern, und kombinierten unterschiedliche Kommunikationsmittel und verschiedene Datenerhebungsmethoden. Somit konnten wertvolle Erkenntnisse zum deaflympischen sportpsychologischen Training gewonnen werden. Die Forschungen stießen international auf großes Interesse, da vergleichbare Studien bisher nicht vorlagen. Aus den Projekten resultierten unter anderem eine abgeschlossene Promotion (Dr. Alon Markov-Glazer; Uni Jena) mehrere Publikationen mit Peer-Review sowie Kooperationen mit Expertinnen und Experten aus den USA.

Praxisnahe Lösungen für gehörlose Athletinnen und Athleten

„Zusammen mit meinem langjährigen Mitarbeiter, Dr. Alon Markov-Glazer, und den Studentischen Hilfskräften (SHKs) haben wir mit immensem Aufwand Ergebnisse erzielt bzw. ‚Produkte‘ geschaffen, die effektives sportpsychologisches Training mit gehörlosen Sportlerinnen und Sportlern in Deutschland nun erstmals erheblich erleichtern“, stellt Prof. Schliermann die Relevanz der Forschungen heraus. So liegt nun unter anderem ein psychometrisch geprüftes und routinemäßig einsetzbares Monitoringverfahren zur Erfassung von Belastung und Erholung im Sportkontext in Deutscher Gebärdensprache (DGS) vor, der sogenannte Erholungs-Belastungs-Fragebogen/Sport, sowie ein PMR-Entspannungstraining. „Es war großartig, wie engagiert und einsatzbereit alle das Projekt angenommen und mitgearbeitet haben. Ohne Alon und meine SHKs hätten wir die Projektziele nicht schaffen können“, ist Schliermann stolz auf sein nun ehemaliges Forschungsteam.

Die Studentischen Hilfskräfte bei ihren Vorbereitungen einer EKG/HRV-Testung von Kadersportlerinnen und -sportlern (v.l.n.r.): Benjamin Ihuoma, Tina Krause und Johanna Buse (Bachelorstudierende der Sozialen Arbeit). Foto: Alon Markov-Glazer
Prof. Dr. Schliermann (links) und Dr. Markov-Glazer bei einer ihrer vielen und mitunter kraftraubenden Zugfahrten. Foto: Alon Markov-Glazer