Kulturelles Erbe

Historische Bauforschung: Letzte Kriegsgefangenenbaracke Regensburgs gesichert

Ein lange übersehenes Bauwerk wird zum anerkannten Geschichtszeugnis: Die letzte erhaltene Kriegsgefangenenbaracke Regensburgs konnte dank der Ergebnisse einer Masterarbeit im Studiengang Historische Bauforschung bewahrt werden.

Von Dienstag, 17. Februar 2026, bis Freitag, 20. Februar 2026, wurde in der Plattlinger Straße im Regensburger Stadtteil Hohes Kreuz eine mehr als 80 Jahre alte Holzbaracke fachgerecht abgebaut. Ziel war es, sie an anderer Stelle wieder aufzubauen und dauerhaft als authentisches Geschichtszeugnis der Stadtgeschichte zu erhalten.

Darüber berichtete unlängst nicht nur die regionale Tagespresse, sondern auch das Regionalfernsehen TVA.

Dass es so weit kam, ist maßgeblich den Ergebnissen einer Masterarbeit im Studiengang Historische Bauforschung an der Fakultät Architektur zu verdanken, die im Sommersemester 2021 von Prof. Dr. Dietmar Kurapkat initiiert und betreut wurde.

Bescheidenes Gebäude mit vielseitiger Geschichte

Das recht unscheinbare Geschichtszeugnis hatte bis dahin wenig Aufmerksamkeit durch die städtische Denkmalschutzbehörde oder das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erhalten.

Wie Bauforschung am Objekt und die begleitende Archivrecherche im Zuge der Masterarbeit ergaben, war die Baracke 1945 nach Kriegsende von den Amerikanern als Lazarettbaracke eines der größten Kriegsgefangenenlager in Süddeutschland errichtet worden, in dessen 190 Baracken zeitweise mehr als 11.000 Wehrmachtssoldaten und SS-Angehörige festgehalten wurden. Später diente das Lager auch zur Inhaftierung von politisch belasteten Zivilisten im Rahmen der „Entnazifizierung“ und schließlich zur Unterbringung von Vertriebenen und Flüchtlingen aus dem Sudetenland und anderen Gebieten. Im Zuge dieser Nutzungsänderungen wurde die Baracke mehrfach baulich angepasst, unter anderem indem sie 1949 zur Unterbringung von Habseligkeiten der deutschen Flüchtlinge unterkellert wurde.

Dennoch ist diese Baracke als einzige weitestgehend authentisch erhalten und bildet gerade mit ihrer historischen Mehrschichtigkeit ein wertvolles Zeugnis für die kausalen Zusammenhänge von Kriegsschuld, Niederlage, Vertreibung und Migration. Die Baracke steht damit auch für den Anfang einer Geschichte, die im Viertel Hohes Kreuz bis heute andauert und dessen Identität prägt.

Zusammenarbeit für den Erhalt eines besonderen Geschichtszeugnisses

Vor diesem Hintergrund haben sich die Stadt Regensburg und der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg (HVOR) zusammengetan, um die Baracke abbauen zu lassen und somit als Geschichtszeugnis zu bewahren. Die technische Umsetzung des Abbaus wurde vom Freilandmuseum der Oberpfalz, der Jugendbauhütte Regensburg und einem regionalen Holzbaufachunternehmen durchgeführt. Im nächsten Schritt wird es um den Wiederaufbau an einem möglichst ortsnahen und historisch authentischen Ersatzstandort im Viertel Hohes Kreuz sowie um die Implementierung eines angemessenen Nutzungskonzepts gehen.

Schritt für Schritt wird die über 80 Jahre alte Baracke sorgfältig demontiert. Foto: Dietmar Kurapkat/OTH Regensburg
Unscheinbar von außen, aber ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsgeschichte: Die letzte erhaltene Kriegsgefangenenbaracke Regensburgs.Foto: Dietmar Kurapkat/OTH Regensburg
Der strukturierte Rückbau ermöglicht den späteren originalgetreuen Wiederaufbau. Foto: Dietmar Kurapkat/OTH Regensburg