Wie kann nachhaltiges Bauen gelingen? Welche Rolle spielt Energieeffizienz für Unternehmen? Vor welchen Herausforderungen stehen wir? Und warum fällt es unserer Gesellschaft trotz breiter Zustimmung oft schwer, tatsächlich nachhaltig zu handeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Nachhaltig handeln. Effizient bauen. Zukunft gestalten: Impulse aus Wissenschaft und Praxis.“, zu der der Verein der Freunde der OTH Regensburg e.V. gemeinsam mit der Gebr. Donhauser GmbH & Co. KG am 9. März 2026 im Rahmen seiner Reihe „zu Gast bei Freunden“ eingeladen hatte.
Rund 70 Gäste aus Hochschule und Wirtschaft sowie Freunde und Alumni der OTH Regensburg folgten der Einladung an die Hochschule, um sich über aktuelle Entwicklungen im nachhaltigen und energieeffizienten Bauen zu informieren und auszutauschen. Katja Meier, Geschäftsführerin des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e.V., freute sich über die große Resonanz. Sie stellte die Aktivitäten des Vereins kurz vor, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Netzwerk zwischen Hochschule, Wirtschaft, Studierenden und Alumni zu stärken und die Hochschule und ihre Studierenden zu fördern.
Verständliche Nachhaltigkeit – Wissenschaft liefert Impulse
Zum Auftakt gingen Prof. Dr. Thomas Andorfer von der Fakultät Business and Management und Prof. Oswin Hennig von der Fakultät Bauingenieurwesen der Frage nach, weshalb wir uns so schwertun, nachhaltig zu handeln und zu wirtschaften. Die größte Hürde liegt in unseren etablierten Denk- und Entscheidungsmechanismen, die mit der Nachhaltigkeitslogik „Jetzt für Dann für Andere“ kollidiert, so Andorfer. Nachhaltigkeit ist nicht eindeutig, sondern hoch komplex, was oft zu Überforderung oder sogar zu Ablehnung führt. „Nachhaltigkeit ist der Kompass, der uns hilft, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, nicht der Preis, den wir zahlen müssen“, fasste Prof. Dr. Thomas Andorfer seine zentrale Botschaft zusammen. Er ist der Überzeugung, dass die zweifelsfrei existierenden Mehrwerte der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt zu stellen sind. Dadurch wird Nachhaltigkeit verständlich, handhabbar und lohnend für uns alle. „Wir bauen in der Regel für die nächste Generation. Deshalb braucht es einen langfristigen Blick — denn auch Fehler wirken über Jahrzehnte nach. Umso wichtiger ist eine Rückbesinnung auf einfaches Bauen: auf kompakte Gebäude, robuste und unkomplizierte Technik sowie langlebige, nachhaltige Materialien. Die wirksamsten Lösungen sind dabei oft unspektakulär“, betonte Prof. Oswin Hennig, der diese Erkenntnisse anhand konkreter Beispiele aus der Baubranche veranschaulichte.
Nachhaltiges Bauen in der Umsetzung – das „Sonnenhaus“ in Bamberg
Ein Beispiel aus der Praxis präsentierte Simon Bösl, Bauleiter der Gebr. Donhauser Bau GmbH & Co. KG. Am Beispiel des Projekts „Sonnenhaus“ der Bayernwerk Netz GmbH in Bamberg zeigte er, wie klimafreundliches Bauen im urbanen Raum umgesetzt werden kann. Bösl erläuterte Herausforderungen und Lösungsansätze in Planung, Ausführung und Materialeinsatz und gab Einblicke in den Bau eines Gebäudes mit hoher energetischer Autarkie.
Entsiegelung beginnt im Kopf – nachhaltige Materialien im Fokus
Den dritten Impuls setzte Sebastian Schels, geschäftsführender Gesellschafter der Ratisbona Handelsimmobilien. Er nennt sich selbst gern Chief Environmental Officer (CEO) und versteht sich als Pionier: „Ich habe mir vorgenommen, die nachhaltigsten Lebensmittelmärkte der Welt zu bauen.“ Langlebigkeit, wenn sie mit schädlichen Stoffen erreicht wird, ist dabei für ihn nicht gleichzusetzen mit Nachhaltigkeit. In seinem Vortrag stellte er daher vor allem auch die Bedeutung gesunder und natürlicher Baustoffe heraus und argumentierte, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Rentabilität Hand in Hand gehen können. Sebastian Schels betonte ebenfalls: „Wir müssen einen Nutzen schaffen. Es wird nicht reichen, Schaden zu begrenzen.“ Mit viel Wortwitz wies er auf große Potenziale in der Baubranche hin und motivierte die Gäste, aktiv zu werden: „Wir haben eine lange Tradition, die Welt mit unseren Erfindungen zu bereichern. Sie haben in der Baubranche die größten Chancen dazu.“
Austausch und Netzwerk
Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Referenten. Bei einem Imbiss im Foyer entstanden zahlreiche Diskussionen und neue Kontakte – ein zentrales Anliegen des Veranstaltungsformats „zu Gast bei Freunden“.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie groß die Bedeutung nachhaltigen Handelns für Wirtschaft und Gesellschaft ist und wie vielfältig die Lösungsansätze sind, die Wissenschaft und Praxis gemeinsam entwickeln. Der Verein der Freunde der OTH Regensburg e.V. ermöglicht mit der Reihe „zu Gast bei Freunden“ den Austausch über Zukunftsthemen. Er dankt der Gebr. Donhauser GmbH & Co. KG herzlich für die Unterstützung der Veranstaltung.

