Mit dem Fachforum „Werkstoffe im Dialog: Biocomposites und CFK zwischen Chancen und Praxis“ am Technologie Campus Neustadt an der Donau wurde ein wichtiger Schritt für neue Perspektiven im Bereich nachhaltiger Materialien gesetzt. Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung wurde deutlich: Die Transformation hin zu nachhaltigen Faserverbundwerkstoffen (Composites) ist in vollem Gange – gleichzeitig erfordern sie ein Umdenken in Prozessen, Anwendungen und Geschäftsmodellen.
Ein zentraler Erfolg des Fachforums war der gelungene und intensive Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Die Veranstaltung bot eine wichtige Plattform, um aktuelle Forschungsergebnisse direkt mit industriellen Anforderungen zu vereinen und gemeinsame Lösungsansätze zu diskutieren. Dieser Dialog zeigte eindrucksvoll, wie entscheidend die enge Verzahnung beider Bereiche für die erfolgreiche Umsetzung nachhaltiger Materialinnovationen ist. Einen wichtigen Beitrag leistete dabei unter anderem der Vortrag von Dr. Andreas Kastenmeier, der operativen Leitung des Technologie Campus Neustadt an der Donau. Er veranschaulichte die bestehenden Herausforderungen zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und industrieller Anwendung und zeigte zugleich konkrete Möglichkeiten auf, wie diese beiden „Welten“ stärker zusammengeführt werden können.
Naturfasern im Fokus – mit großem Potenzial und klaren Grenzen
Im fachlichen Mittelpunkt der Veranstaltung standen biobasierte Materialien, insbesondere Naturfasern wie Hanf und Flachs. Sie eröffnen neue Perspektiven für CO₂-reduzierte Leichtbaulösungen und bieten interessante funktionale Eigenschaften, etwa in Bezug auf Schwingungsdämpfung oder Design. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ihr industrieller Einsatz kein Selbstläufer ist. Herausforderungen bestehen unter anderem bei der Materialkonsistenz, der Temperaturbeständigkeit sowie der Integration in bestehende Prozesse. Einigkeit bestand darin, dass Biocomposites kein direkter Ersatz für bestehende Materialien sind. Ihr Potenzial entfalten sie vor allem dann, wenn Anwendungen gezielt auf ihre Eigenschaften abgestimmt werden und neue Designansätze berücksichtigt werden.
Recycling und Zirkularität als entscheidende Hebel
Neben biobasierten Materialien rückte auch das Recycling von Carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) stärker in den Fokus. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass recycelte Carbonfasern zunehmend leistungsfähige Anwendungen ermöglichen – vorausgesetzt, Materialeigenschaften, Prozesse und Einsatzbereiche werden passgenau zusammengeführt. Über beide Veranstaltungstage hinweg zog sich eine klare Botschaft: Der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit liegt im systemischen Ansatz. Themen wie Design-for-Circularity, End-of-Life-Strategien und hybride Materialkonzepte gewinnen weiter an Bedeutung.
„Wir sehen ein enormes Potenzial in nachhaltigen Composites – gleichzeitig aber auch viele offene Fragen in der praktischen Umsetzung“, so Sven Blanck, Geschäftsführer MAI Carbon.

