Während des Praxissemesters, das regulär im 4. Semester stattfindet, sammeln Studierende der Sozialen Arbeit ihre ersten praktischen Erfahrungen und bereiten sich auf das Arbeitsleben vor. Dazu gehört auch, sich mit emotional belastenden oder stressigen Situationen auseinanderzusetzen. Gerade bei der Arbeit in sozialen Brennpunkten oder mit Menschen in Notlagen kommt es darauf an, Strategien zu entwickeln, die entlasten.
Um genau diese Hürden in der Praxis zu bewältigen und den Studierenden Entlastungsmöglichkeiten zu zeigen, führt Prof. Dr. Carl Heese der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften, im Studiengang Soziale Arbeit ein spezielles Humor-Seminar durch.
Ziel des Seminars ist es, Studierenden zu helfen, Heiterkeit und Gründe zum Lachen selbst in schwierigen Situationen zu finden und somit eine gewisse Resilienz gegenüber Stress zu schaffen.
In sieben Stufen zum Erfolg
Das Seminar verfolgt die sieben Stufen des Humor-Trainingsprogramms „The 7 Humor Habits Program“ (7HHP) des Psychologen Paul McGhee, der besagt, dass Humor bewusst trainierbar ist.
So können Menschen im Alltag, aber auch im Arbeitskontext oder in besonders schwierigen Phasen, wie Krankheit oder Trauer, auf den Humor zurückgreifen, einen Perspektivenwechsel schaffen und somit besser mit der Situation umgehen. Prof. Dr. Heese beschreibt das Programm dabei auch als einen Ansatz zum Aufbau von Lebensbewältigungs- und Stresskompetenzen.
Die Studierenden durchliefen während des Begleitprogramms zum Praxissemester innerhalb von sechs Einheiten die Stufen des 7HHP-Programms, tauchten in die Theorie ein und trainierten gezielt mit Verhaltensübungen ihren Humor.
So müssen sich die Studierenden beispielsweise mit ihrem eigenen Humor auseinandersetzen und sich die Frage stellen, ob ihr Humor in die gutmütige, ironische oder sarkastische Richtung geht. Eine weitere Übung im Seminar ist es, die eigene Heiterkeit durch herzhaftes Lachen zum Ausdruck zu bringen.
Daneben gibt es Hausaufgaben, wie beispielsweise ganz bewusst „normale“ Momente oder Dinge im Alltag zu suchen und ihnen aus humorvoller Perspektive zu begegnen. Prof. Dr. Heese spricht von einer „Humorbrille“, die die Studierenden in solchen Momenten anziehen.
„Die Krönung des Programms ist es schlussendlich, die aufgebauten Humorfähigkeiten stückweise in den Stress zu übertragen“, meint Prof. Dr. Heese. Die Studierenden sind in der Lage Stresssituationen bei der Arbeit zu identifizieren und ihre Humorskills unter Beweis zu stellen.
Nachhaltige Effekte
Obwohl die Studierenden anfangs über ihren eigenen Schatten springen müssen oder sogar skeptisch gegenüber dem Seminar sind, fällt das Fazit bisher eindeutig positiv aus: die Teilnehmenden erhöhen dank des Seminars ihre Selbsterkenntnis, sprechen von Erleichterung in der Praxis und sogar dem Aufbau einer andauernden Stressresistenz.
Das Seminar ergänzt die Studierenden der Sozialen Arbeit nicht nur bestens in ihrem Praxissemester, sondern vermittelt Kompetenzen, die auch über das Studium hinaus im Berufsleben von großer Bedeutung sind.
Prof. Dr. Heese betont zudem, dass jeder vom 7HHP-Modell profitieren kann, ganz egal ob im privaten Kontext oder auf der Arbeit.
Gerade in einem Berufsfeld, das täglich mit menschlichen Schicksalen konfrontiert ist, kann Humor eine Schlüsselrolle spielen. Das Seminar zeigt, dass sich diese Fähigkeit gezielt entwickeln lässt und Studierende auch über das Praxissemester hinaus vom Humor profitieren können.

