Auszubildende, Schülerinnen, Schüler und Studierende setzen große Hoffnungen in die KI: wenig lernen, eintippen und trotzdem gute Noten bekommen. Prof. Dr. Claus Koss, Dozent der Fakultät Business and Management der OTH Regensburg, hat einen frei verfügbaren Chatbot seine Fragen in den Fächern Bilanzierung und Steuerrecht beantworten lassen – sein Urteil: gemischt.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht Prof. Dr. Claus Koss die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen und die Auswirkungen auf die Betriebswirtschaftslehre. Er beginnt mit seinen Fachgebieten: Rechnungswesen, Steuerrecht, betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung. Erster Test für einen frei verfügbaren Chatbot: die von ihm gestellten Klausuren in Bilanzierung und Steuerrecht nach dem Wintersemester 25/26.
Erkenntnisse aus dem Experiment
Die Beobachtung des Professors: „Der Chatbot brauchte länger als die Studierenden.“ 90 Minuten Zeit waren für die Fragen vorgesehen – ein Fünftel der Studierenden brauchte weniger. Mit dem Chatbot brauchte Koss knapp zwei Stunden – „Der Blick ins Gesetz geht schneller“, so der BWL-Professor, „wenn man weiß, wo man hinschauen muss“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Er musste bei dem Chatbot immer wieder nachfragen, ob zu einer klaren Antwort zu kommen.
„Kein Problem waren die einfachen Fragen“, berichtet er. Standardfragen und typische Fangfragen meisterte die KI zuverlässig. Sobald jedoch ein steuerlicher Fall ganzheitlich zu beurteilen war, zeigte sich ein anderes Bild: Teilweise waren mehrere Nachfragen nötig, um zu einer sachgerechten Lösung zu gelangen. Ohne diese Präzisierungen wäre es zu fehlerhaften Ergebnissen gekommen.
Schlussfolgerung des BWL-Professors aus dem Testergebnis: „Chatbots eignen sich zum Einstieg ins Lernen oder um zusätzliche Anregungen zu bekommen“, so Claus Koss. Doch für die Fächer Bilanzierung und Steuerrecht gilt unverändert: „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung – und das bedeutet: ganz analoges Lernen.“
