Prof. Dr. Susanne Rockinger hat einen Beruf, um den sie viele beneiden. Die 48-jährige Mutter von vier Söhnen ist Professorin für Mathematik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) mit Schwerpunkt Bauingenieurwesen. Ihre Tätigkeit sieht sie als Traumjob, mit dem sich persönliche Interessen und Familienverantwortung vereinbaren lassen. Die zeitliche Flexibilität lasse ihr dafür genug Spielraum.
Bündnis „Innovative Hochschule 4.0“ für Erhöhung des Frauenanteils
Frauen auf Professuren sind immer noch eine Seltenheit. An der OTH Regensburg sind derzeit 17 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt. Bundesweit sind es 23 Prozent; Bayern bildet mit 19 Prozent das Schlusslicht. Im Bündnis „Innovative Hochschule 4.0“ wurde zwischen dem Freistaat Bayern und den Hochschulen die Erhöhung der Anzahl von Frauen auf Professuren als verbindliches Ziel festgelegt.
„Wir brauchen, gerade wenn es um Gleichstellung im Wissenschaftsbereich geht, einen Kultur- und Strukturwandel. Wir können es uns nicht leisten, auf qualifizierte Frauen an Hochschulen zu verzichten“, so Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard, Frauenbeauftragte an der OTH Regensburg.
Von Anfang an wertschätzende Haltung
Die Berufung führte Prof. Dr. Birgit Rösel 2012 an die OTH Regensburg. Die Professorin war sehr glücklich über diese Chance und schätzt besonders die Freiheit in der Wahl der eigenen Schwerpunkte. Die Haltung ihrer Kollegen ihr gegenüber war von Beginn an wertschätzend. Aber nicht zuletzt aufgrund der immer noch geringen Anzahl an Studentinnen in ihrem Fachgebiet ist sie immer noch die einzige Professorin an ihrer Fakultät Elektro- und Informationstechnik.
Frauen haben aufgeholt. Aber die Anstrengungen der Frauenförderprogramme sowie gleichstellungsfördernde Maßnahmen (Mentoring, Familienfreundlichkeit, Chancengerechtigkeit in Berufungsverfahren etc.) spiegeln sich nicht sofort in der Realität wider, sondern wirken langfristig. „Denn alte Strukturen und Denkmuster müssen aufgebrochen werden“, erklärt die Frauenbeauftragte Prof. Dr. Süß-Gebhard, die weiß, wovon sie spricht.
Rolle einer Brückenbauerin
Als Sprecherin der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Bayerischen Hochschulen (LaKoF Bayern/HAW) hat sie zudem eine führende Rolle bei der Frauenförderung. Als Brückenbauerin verstehe sie dieses Amt: Zusammen mit allen bayerischen Hochschulfrauenbeauftragten gilt es, diesen Veränderungsprozess in Zusammenarbeit mit den Hochschulleitungen und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verstärkt zu fördern. „Mit diesem Handschlag sind wir eine Allianz, die das Thema Frauenförderung hochschulintern wie politisch vereint angeht.“ Hochschulen sind für sie ein Ort, an dem Vielfalt gelebt wird.
Bis zu einer wirklichen Chancengleichheit und einem wertschätzenden Umgang mit Diversität und Heterogenität wird wohl noch einige Zeit vergehen. Aber so ihr Fazit: Wir sind auf einem guten Weg!
