Architektur

OTH-Studierende präsentieren ihre Visionen für das Schauspielhaus Chemnitz

Eine neue Bühne für Kultur, Begegnung und Erinnerung: Studierende der OTH Regensburg haben Ideen für die Zukunft des denkmalgeschützten Schauspielhauses Chemnitz und des Spinnbaus entwickelt. Ihre Konzepte zeigen, wie aus leerstehenden Gebäuden neue kulturelle Orte entstehen können.

Seit 2021 ist das Schauspielhaus Chemnitz aufgrund von erheblichen Baumängeln geschlossen. Die geplante Sanierung ist aufgrund explodierender Kosten auf rund 35 Millionen Euro schwer finanzierbar. Schauspiel und Figurentheater nutzen aktuell einen ehemaligen Spinnereimaschinenbau als Interim – ein neuer Plan sieht nun vor, den sogenanntenSpinnbau dauerhaft zu etablieren und auszubauen. Ideen dafür haben Studierende der Architektur und Bauklimatik entwickelt und in Chemnitz vor Ort vorgestellt.

Frische Ideen für das alte Schauspielhaus und den Spinnbau in Chemnitz

Im Seminar „Konstruieren“ unter der Leitung von Prof. Marc-Philip Reichwald entwickelten Architekturstudierende der OTH Regensburg in Kooperation mit dem Stadtplanungsamt Chemnitz Konzepte für die Transformation leerstehender Industriebauten, konkret für das Schauspielhaus und den Spinnbau, aber auch für die Stadt Chemnitz im Allgemeinen.

Im Mittelpunkt der Studienarbeit „Bauen im Bestand – Transformation Schauspiel Chemnitz“ standen Entwurf, Umnutzung, Konstruktion und Projektorganisation. Studierende der Bauklimatik waren für Klima-Design und Energiekonzepte zuständig.Die Studierenden analysierten vor Ort die Gebäude und erarbeiteten eine Machbarkeitsstudie, die zeigt, wie die historischen Bauten wieder zu einem lebendigen Kulturort werden können.

Licht in dunkle Räume bringen

Wegen erheblicher Baumängel ist der fensterlose Bühnenturm des Schauspielhauses derzeit ungenutzt. Was bislang als Schwachstelle galt, sehen die Studierenden als Potenzial: Ihr Entwurf sieht vor, das Dach zu öffnen, den Turm öffentlich zugänglich zu machen und dort eine Bibliothek mit Café einzurichten.

Der ehemalige Zuschauerraum soll zu einem begrünten, lichtdurchfluteten Innenhof werden, als zentraler Treffpunkt, der Foyer, Bühnenturm und Back of House Bereich verbindet.

Horizontale Strukturen durchbrechen und vertikale Verbindungen schaffen

Der Spinnbau verfügt zwar über keinen klassischen Bühnenturm, bietet jedoch große räumliche Potenziale. Durch gezielte Eingriffe in die Bausubstanz schlagen die Studierenden neue, geschossübergreifende Verbindungen vor, um die horizontale Struktur zu durchbrechen und vertikale Verbindungen zu schaffen. Zugleich soll das gesamte Areal um den Spinnbau belebt werden: Der Außenbereich könnte Raum für kreatives Arbeiten bieten, eine Brücke über die Bahngleise eine direkte Verbindung zum TU-Campus schaffen und neues Publikum anziehen.

Stadtvertreter sind beeindruckt

Das Konzept beeindruckte Vertreter des Stadtplanungsamtes und der Denkmalbehörde Chemnitz beim Präsentationstermin an der OTH Regensburg dermaßen, dass ein weiterer Termin in Chemnitz stattfand: 13 Studierende und Prof. Marc-Philip Reichwald waren eingeladen und stellten dem Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau, Thomas Kütter, Vertretern des Stadtplanungsamtes und der Theaterleitung Chemnitz die Arbeitsergebnisse vor und diskutierten die Ideen.

Das Projektteam bestehend aus Studierenden der Architektur und Bauklimatik der OTH Regensburg. Foto: Tina Graben/ Stadt Chemnitz
Eine Visualisierung der vertikalen Öffnung des Spinnbaus. Foto: Tina Graban/ Stadt Chemnitz