Gründung

Deutschlands größte Start-up-Reserve ist weiblich

Nur jede fünfte Unternehmensgründung in Deutschland erfolgt durch eine Frau. Warum das nicht nur ein Gleichstellungs-, sondern vor allem ein Wirtschafts- und Innovationsthema ist, wurde beim zweiten Unternehmerinnenfrühstück im Start-up Lab der OTH Regensburg deutlich.

Rund 60 Unternehmerinnen, Gründerinnen, Führungskräfte und Netzwerkpartnerinnen kamen auf Einladung der IHK Regensburg und des Female Founders Programms der OTH Regensburg zusammen. Im Mittelpunkt standen Austausch, Vernetzung und praxisnahes Wissen rund um Gründung, Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Das Treffen machte zugleich sichtbar, welche Bedeutung Gründerinnen für die Innovationskraft der Region haben.

Zum Auftakt sprach Prof. Dr. Carina Braun, Vizepräsidentin der OTH Regensburg, über Herausforderungen, die viele Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit erleben. Unsicherheit und Orientierungsphasen gehörten oft dazu. Umso wichtiger seien starke Netzwerke, die Vorbilder sichtbar machen, Erfahrungen teilen und neue Chancen eröffnen. Der Handlungsbedarf ist groß: Aktuell wird nur jede fünfte Unternehmensgründung in Deutschland von einer Frau umgesetzt. „Frauen stärker für Gründung zu gewinnen, ist weit mehr als eine Frage der Gleichstellung. Es ist eine Frage unserer Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit“, sagte Prof. Dr. Carina Braun.

Junge Gründerinnen brauchen finanzielle Unterstützung und belastbares Netzwerk

Wie entscheidend die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Gründungen sind, zeigte anschließend Prof. Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors, Professorin für Digital Entrepreneurship und Finance. In ihrem Impulsvortrag erläuterte sie die Bedeutung einer frühzeitigen Finanzierung und eines belastbaren Netzwerks. „Gründerinnen sind Deutschlands größte ungenutzte Start-up-Reserve“, so Prof. Dr. Süzeroglu-Melchiors.

Das Female Founders Programm der OTH Regensburg, das durch EXIST-Women gefördert wird, unterstützt Frauen auf diesem Weg. Seit 2024 sind daraus bereits neun Gründungen hervorgegangen. Zudem konnte ein EXIST-Gründungsstipendium eingeworben werden.

Einen Überblick über die Förderlandschaft gab Leonie Bechtold, Projektmanagerin für die Technologiecluster Mobility & Logistics sowie AIR Artificial Intelligence Regensburg bei der TechBase Regensburg GmbH. Sie erklärte zentrale Anforderungen bei der Beantragung von Fördermitteln und zeigte auf, wie Unternehmen ihre sogenannte Institutional Readiness entwickeln können, um Förderprogramme erfolgreich zu nutzen. Neben klassischen Recherchemöglichkeiten spiele auch Künstliche Intelligenz zunehmend eine Rolle bei der Identifikation passender Förderangebote.

Von der Idee im Studium zum Unternehmen

Wie aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen entstehen kann, verdeutlichte Julia Specht mit ihrer persönlichen Gründungsgeschichte. Die Bauingenieurin berichtete von ihrem Weg von der OTH Regensburg zur Gründung von Spexcopters. Aus einer im Rahmen ihrer Masterarbeit entwickelten Sprühdrohne entstand zunächst eine Geschäftsidee und schließlich ein Unternehmen für drohnengestützte Vermessung und Inspektion. Heute ist Spexcopters eine Tochtergesellschaft der Otto Lehmann GmbH in Neutraubling. „Es lohnt sich, an die eigenen Ideen zu glauben und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen“, so Julia Specht.

Beim anschließenden Networking wurde deutlich, wie groß der Bedarf an Austauschformaten für Unternehmerinnen und Gründerinnen in der Region ist. Das Unternehmerinnenfrühstück bot dafür eine Plattform, auf der Kontakte geknüpft, Erfahrungen geteilt und neue Kooperationen angestoßen werden konnten.

Die Organisatorinnen Julia Pirzer und Theresa Engl ziehen daher ein positives Fazit. Das Treffen habe eindrucksvoll gezeigt, wie viel Innovationskraft, Mut und unternehmerisches Potenzial in den Gründerinnen und Unternehmerinnen der Region steckt und welche wichtige Rolle sichtbare Vorbilder für die nächste Generation von Gründerinnen spielen.

Mehr Gründerinnen für mehr Innovation: Das Unternehmerinnenfrühstück von OTH Regensburg und IHK Regensburg brachte rund 60 Frauen aus Wirtschaft, Start-ups und Wissenschaft zusammen. Foto: OTH Regensburg/Pia Endres