Am 20. Oktober 2026 fand an der OTH Regensburg der 19. Regensburger Mobilitätsworkshop zu aktuellen Fragestellungen des Verkehrswegebaus statt. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren als bewährte Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis etabliert.
Der diesjährige Workshop wurde gemeinsam von der Fakultät Bauingenieurwesen der OTH Regensburg, der Autobahn GmbH des Bundes, Außenstelle Regensburg, sowie dem InformationsZentrum Beton organisiert. Im Mittelpunkt standen folgende Themenfelder:
- Künstliche Intelligenz in der Brückenprüfung
- Asbestbelastungen beim Rückbau von Brückenbauwerken
- Treibhausgasbilanz und Nachhaltigkeit von Zementen im Verkehrswegebau
- Bauprozessintegrierte Qualitätskontrolle und Temperaturüberwachung im Asphaltstraßenbau
- Verbesserung des Verkehrsablaufs an Fahrstreifeneinziehungen auf Autobahnen
Der Mobilitätsworkshop wurde erneut in einem hybriden Format durchgeführt und stieß auf großes Interesse. Passend zu den diesjährigen Themenschwerpunkten fand die Veranstaltung im Building Lab der OTH Regensburg statt. Im Zentrum für Digitales Bauen konnten insgesamt 50 Teilnehmende vor Ort begrüßt werden, weitere 45 Personen waren online über Microsoft Teams zugeschaltet.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dipl.-Ing. Andreas Appelt, der zugleich einen Überblick über aktuelle Entwicklungen an der Fakultät Bauingenieurwesen gab, sowie dem Grußwort von Dipl.-Ing. Christian Unzner, Leiter der Außenstelle Regensburg der Autobahn GmbH des Bundes, begann das Fachprogramm.
Live-Demonstration zeigt Einsatz von KI in der Bauwerksprüfung
Den Auftakt machte Dr.-Ing. Johannes Flotzinger, Gründer und Geschäftsführer der DACL Prüftechnik GmbH. Er stellte aktuelle Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz in der Bauwerksprüfung vor. Im Rahmen einer Live-Demonstration präsentierte er ein System zur automatisierten Schadensidentifikation und -dokumentation, das die Lokalisierung, Bewertung und Verortung von Bauwerksschäden deutlich erleichtert.
Anschließend berichtete Tobias Pascher, Teamleiter der Autobahn GmbH über die Herausforderungen beim Umgang mit asbestbelasteten Bauteilen im Zuge von Brückenerneuerungsmaßnahmen. Im Fokus standen dabei die Identifikation asbesthaltiger Bauteile sowie die Entwicklung geeigneter Rückbau- und Entsorgungskonzepte. Darüber hinaus erläuterte er die wesentlichen Voraussetzungen für eine sichere Bauabwicklung unter Berücksichtigung von Arbeits- und Umweltschutzanforderungen.
Nach einer Pause mit Gelegenheit zum fachlichen Austausch rückten die bautechnischen Themen in den Mittelpunkt des zweiten Vortragsblocks. Heiko Zimmermann von der Schwenk Zement GmbH stellte klinkerreduzierte Zemente und deren Einsatzmöglichkeiten im Betonstraßenbau vor. Neben den technischen Möglichkeiten zur Reduzierung des Klinkeranteils wurden die Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz sowie die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens vorgestellt. Darüber hinaus berichtete er über bisherige Erfahrungen aus Pilot- und Teststrecken. Die Ergebnisse zeigen, dass CEM-II- und CEM-III-Zemente auch im Betonstraßenbau erfolgreich eingesetzt werden können und künftig eine zunehmend wichtige Rolle für eine nachhaltigere Bauweise spielen werden.
Im Anschluss präsentierten Prof. Andreas Appelt und Anna Stenglein, Masterabsolventin der OTH Regensburg, Ergebnisse zur integrierten Bauprozesskontrolle im Asphaltstraßenbau. Im Fokus standen dabei Untersuchungen zur thermografischen Überwachung von Baustellen. Insbesondere im Zusammenhang mit temperaturabgesenkten Asphaltbauweisen gewinnen solche Verfahren zunehmend an Bedeutung. Mithilfe thermografischer Messungen können Schwachstellen im Einbauprozess frühzeitig erkannt und dokumentiert werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einem möglichst gleichmäßigen Temperaturverlauf über die gesamte Einbaulänge, um eine dauerhaft hohe Ausführungsqualität sicherzustellen. Obwohl entsprechende Temperaturdaten in der Praxis häufig verfügbar sind, werden sie bislang nur selten systematisch zur Optimierung von Bauprozessen genutzt.
A3-Ausbau: Optimierung der Verkehrssicherheit auf Streckenabschnitt
Den Abschluss des Workshops bildete ein Vortrag aus dem Bereich der Verkehrstechnik. Am Ausbauende des sechsstreifigen Ausbaus der A3 in Fahrtrichtung Passau wurden Auffälligkeiten hinsichtlich Verkehrsablauf und Verkehrssicherheit festgestellt. Lennard Pye, ebenfalls Masterabsolvent der OTH Regensburg, analysierte diesen Streckenabschnitt im Rahmen seiner Masterarbeit eingehend. Zur Verbesserung der Datengrundlage kamen Lidarscanner und Seitenradarsysteme zum Einsatz. Auf dieser Basis wurde ein Simulationsmodell entwickelt und kalibriert, mit dem verschiedene Optimierungsmaßnahmen untersucht werden konnten. Die Ergebnisse ermöglichten die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit des betroffenen Streckenabschnitts.
Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit zu intensiven Diskussionen und einem lebhaften fachlichen Austausch. Zum Abschluss dankte Prof. Andreas Appelt allen Referentinnen und Referenten, den Teilnehmenden sowie den beteiligten Institutionen für ihr Engagement. Sein besonderer Dank galt Herrn Richter vom InformationsZentrum Beton für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie den Mitarbeitenden der Fakultät für die hervorragende Organisation der Veranstaltung.
Die Fortführung des Mobilitätsworkshops ist bereits gesichert: Für das Jahr 2027 wurde die Durchführung der Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Formats vereinbart.