1. Die Promotion ist geschafft – was bedeutet das für Sie persönlich?
Ich bin unglaublich stolz, die Promotion neben einer Vollzeitkarriere durchgehalten zu haben, denn das war eine echte Doppelbelastung, die viel Disziplin erforderte. Der Doktortitel ist für mich die Krönung meiner langjährigen Arbeit in der Forschung und Entwicklung.
2. Worum geht es in Ihrer Dissertation?
Die Dissertation befasst sich mit der Bewegungsplanung für autonome Fahrzeuge, also der Frage, wie ein Fahrzeug sicher, komfortabel und effizient seinen Weg durch den Verkehr findet. Untersucht werden drei unterschiedliche Fahrzeugtypen: fahrerlose Stadtshuttles, normale Personenfahrzeuge und Lkw-Anhänger-Kombinationen. Für das Stadtshuttle CUbE wurde ein mehrschichtiges Planungssystem entwickelt und über mehrere Jahre im realen Stadtverkehr erprobt. Ein weiterer Teil analysiert, wie menschliche Fahrer in unübersichtlichen Verkehrssituationen agieren, damit autonome Fahrzeuge dieses Verhalten besser antizipieren können. Abschließend zeigt die Arbeit, wie Deep Reinforcement Learning genutzt werden kann, um komplexe Fahrmanöver von Lastzügen zu erlernen und zu steuern.
3. Was war ein Highlight oder besonderes Erlebnis im Zusammenhang mit Ihrer Promotion?
Ein ganz besonderer Moment war das erste Mal, als ich in einem selbstfahrenden Fahrzeug saß, das von Software gesteuert wurde, die ich selbst mitentwickelt hatte. Unsere Arbeit der Welt vorzustellen, sei es auf der IAA, bei Presse- und Investoren-Events oder auf Dienstreisen in die USA und nach Japan, waren ebenfalls unvergessliche Erlebnisse.
4. Welche Pläne haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?
Mein Ziel ist es, die Brücke zwischen Forschung und Produktentwicklung weiter zu stärken. Durch meine Karriere, die mich vom Entwickler über den technischen Teamleiter bis zum Abteilungsleiter geführt hat, habe ich gelernt, dass technische Führung nur dann funktioniert, wenn man der Technik selbst treu bleibt. Aktuell arbeite ich bei AUMOVIO (früher Continental) in Singapur mit einem Team, das sich auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisiert hat, und arbeite dabei eng mit führenden Forschungseinrichtungen wie der NTU und der NUS zusammen. Langfristig möchte ich mehr dieser KI-Entwicklung in Serienprodukte überführen, mit all den Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Langlebigkeit, die das Automotive-Umfeld stellt.
5. Welche Tipps können Sie künftigen Promovendinnen und Promovenden geben?
Eine Promotion neben dem Beruf erfordert vor allem Geduld und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu motivieren. Wer den Bezug zur Praxis nie verliert und Forschung und Berufserfahrung als gegenseitige Bereicherung begreift, wird am meisten davon profitieren.
6. Warum haben Sie sich bei Ihrer Promotion für die OTH Regensburg entschieden?
Die OTH Regensburg war meine Heimatuni, und Prof. Dr. Mottok, der mich bereits seit meinem Studium begleitet hat, erkannte früh das Potenzial, das meine Masterarbeit im Bereich autonomes Fahren für die Aufbauziele von Continental bot. Sein Vertrauen in meine Fähigkeiten und sein Netzwerk ebneten den Weg für diese Promotion. Durch die anschließende Kooperation mit der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Rojas, einem Pionier des autonomen Fahrens in Deutschland, hatte ich zusätzlich Zugang zu einem erstklassigen Forschungsumfeld.
LINKS
Dissertation: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/50516
