Spitzensport und Studium

Zwischen Hörsaal und Handballhalle

Milena Stürenburg ist Profihandballerin, Nationalspielerin und Studentin. Die 20-Jährige studiert Business Management an der OTH Regensburg und stand 2026 bei der FISU World University Championship für Deutschland auf dem Feld. Zwischen Hörsaal, Werkstudentenjob und Training ist ihr Alltag genau getaktet.

Kurz vor 22 Uhr endet das Training. Dann schnell nach Hause. Manchmal wartet noch etwas für die Hochschule, manchmal reicht die Energie gerade noch dafür etwas zu essen. Am nächsten Morgen sitzt Milena Stürenburg wieder im Hörsaal der OTH Regensburg. So sehen viele ihrer Tage aus. Die 20-Jährige studiert Business Management im dritten Semester, arbeitet nebenbei als Werkstudentin und spielt Handball für die Bunkerladies des ESV 1927 Regensburg. Ende Juni 2026 kam noch eine weitere Aufgabe dazu: Sie reiste mit der deutschen Studierendennationalmannschaft zur FISU World University Championship Handball nach Pessac, Frankreich. Deutschland war bei der offiziellen Studierenden-Weltmeisterschaft zum ersten Mal vertreten.

Dass Milena heute Studium und Leistungssport so selbstverständlich miteinander verbindet, hat auch mit einer Entscheidung zu tun, die sie schon als Jugendliche getroffen hat. Mit 15 Jahren zog sie während der Corona-Pandemie von ihrer Heimat zwischen Bremen und Oldenburg in das Handball-Internat der Akademie Blomberg. Ein neues Umfeld, ein geregelter Trainingsalltag – und zum ersten Mal weit weg von zu Hause.

Es war eine schwere Entscheidung, weil man am Wochenende nicht einfach mal nach Hause fahren konnte. Aber sie war genau richtig für mich.

Milena Stürenburg, Profihandballerin und Studentin an der OTH Regensburg

Im Internat ging es nicht nur darum, besser Handball zu spielen. Den Alltag musste sie ebenfalls selbst organisieren. Wäsche, Schule, Training, Termine. Vieles, was andere erst nach dem Schulabschluss lernen. Vielleicht fällt es ihr deshalb heute leichter, mehrere Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten. Nach den Vorlesungen geht es meist direkt zur Arbeit. Anschließend ins Training. Wenn sie abends die Halle verlässt, ist der Tag oft noch nicht vorbei. Natürlich gibt es Momente, in denen sie sich fragt, wie es wäre, einfach spontan etwas mit Freunden zu unternehmen.

Man hat schon Phasen, in denen man einfach mal das machen möchte, was die anderen 20-Jährigen machen. Aber grundsätzlich bin ich es nicht anders gewohnt.

Milena Stürenburg

Regensburg war für sie eine bewusste Entscheidung. Ausschlaggebend war die Kombination aus dem Studienangebot der OTH Regensburg und der Möglichkeit, beim ESV 1927 Regensburg leistungsorientiert Handball zu spielen. Dass Hochschule und Verein zusammenarbeiten, machte den Wechsel zusätzlich attraktiv. Von außen wirkt es manchmal so, als müsse sie sich zwischen Studium und Sport entscheiden. Für sie stellt sich diese Frage gar nicht. „Man weiß, dass eine Karriere im Leistungssport nicht ewig dauert. Der Körper macht eine solche Dauerbelastung nicht mit. Meist ist mit Anfang 30 Schluss.“

Das Studium ist deshalb keine Absicherung für den Fall der Fälle. Es gehört von Anfang an zu ihrem Plan. Auch die Realität im Frauenhandball spielt dabei eine Rolle. Während viele Männer im Profibereich ihren Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen können, reicht das Einkommen für Spielerinnen oft nicht aus. „Ja, es ist eine Ungleichbehandlung. Aber dadurch sind wir gezwungen, uns ein zweites Standbein neben dem Handball aufzubauen. Und am Ende ist das auch gut so, auch wenn es stressiger ist.“

Die OTH Regensburg unterstützt Studierende im Leistungssport durch Kooperationen mit mehreren regionalen Vereinen. Neben dem ESV 1927 Regensburg gehören dazu die Eisbären Regensburg, die Guggenberger Legionäre, der SSV Jahn Regensburg und NawaRo Straubing. Flexible Studienbedingungen erleichtern es, Training, Wettkämpfe und Prüfungen miteinander zu vereinbaren. Vor der Reise nach Frankreich blieb trotzdem wenig Zeit, sich lange mit dem Turnier zu beschäftigen. „Dadurch, dass Deutschland zum ersten Mal teilnimmt, können wir das Niveau der anderen Nationen noch nicht einschätzen“, sagte sie vor dem Abflug. Bei ihrer ersten Teilnahme erreichte die deutsche Mannschaft das Viertelfinale und traf dort auf Gastgeber Frankreich, den späteren Turniersieger.

Viele Spielerinnen kannte Milena Stürenburg bereits aus der 2. Bundesliga. Dort hatten sie sich bis dahin als Gegnerinnen gegenübergestanden. Nach der Weltmeisterschaft ging der Alltag weiter. Vorlesungen. Arbeit. Training. An diesem Rhythmus wird sich vorerst nichts ändern.

Man weiß, dass eine Karriere im Leistungssport nicht ewig dauert. Der Körper macht eine solche Dauerbelastung nicht mit. Meist ist mit Anfang 30 Schluss.

Milena Stürenburg