Innovationen für die Region
TC Schwandorf: Wie der Innovationsstandort Gestalt annimmt
Noch gibt es keine Labore, keine Hörsäle und keine Büros auf dem Gelände des künftigen Technologie Campus Schwandorf (TC Schwandorf). Dennoch laufen bereits Forschungsprojekte, Unternehmen suchen den Austausch mit den Hochschulen und Studierende bearbeiten erste Praxisfragen aus der Region. Der Campus befindet sich damit in einer ungewöhnlichen Phase: Das Gebäude entsteht erst noch, das Netzwerk dahinter wächst bereits.
Mehr als ein neues Gebäude
Der Technologie Campus Schwandorf entsteht als gemeinsames Projekt der OTH Regensburg, der OTH Amberg-Weiden und des Landkreises Schwandorf. Der Freistaat Bayern unterstützt den Aufbau mit einer Finanzierung für Gebäude, Ausstattung und Personal. Ziel ist es, Unternehmen den Zugang zu wissenschaftlicher Expertise zu erleichtern und Forschung dort stattfinden zu lassen, wo sie später angewendet wird. Im Mittelpunkt stehen die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit mit Schwerpunkten in den Bereichen Energie, Digitalisierung und Ressourcenmanagement.
Doch warum entsteht ein Technologie Campus in Schwandorf? Die Antwort liegt in einem Konzept, das der Freistaat Bayern seit einigen Jahren verfolgt. Über Technologietransferzentren sollen Forschung und Entwicklung gezielt in ländlichere Regionen gebracht werden. Dort arbeiten die Zentren eng mit den Unternehmen vor Ort zusammen und orientieren sich an deren Herausforderungen und Stärken.
Der TC Schwandorf ist dabei Teil eines wachsenden Netzwerks. So bündeln die OTH Regensburg und die TH Deggendorf am Technologie Campus Parsberg-Lupburg seit 2019 ihre Kompetenzen in den Bereichen Materialwissenschaften, Fertigungstechnik und Digitalisierung. Der Technologie Campus Neustadt an der Donau konzentriert sich auf Leichtbau sowie Werkstoff- und Bauteilsimulation und arbeitet eng mit Branchen wie Automotive, Luft- und Raumfahrt oder Energietechnik zusammen. Mit dem Technologie Campus Kelheim „Wasserstoffcluster Donau“ entsteht zudem ein weiterer Standort, der an Technologien zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff forscht. Der Technologie Campus Schwandorf ergänzt dieses Netzwerk um die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit.
Aus Kontakten werden Projekte
Operativ geleitet wird der Campus von Dr. Thomas Niehoff. Seit März 2024 arbeitet sein Team daran, Kontakte zwischen Hochschulen und Unternehmen aufzubauen, Fördermöglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsame Forschungsprojekte anzustoßen. Dafür besucht das Team Betriebe im Landkreis, organisiert Netzwerkveranstaltungen und bringt Unternehmen mit den passenden Expertinnen und Experten der beiden Hochschulen zusammen.
Die Zusammenarbeit beginnt meist mit einer konkreten Fragestellung aus einem Unternehmen. Das Team bringt die Betriebe mit passenden Forschenden der OTH Regensburg und der OTH Amberg-Weiden zusammen und unterstützt bei der Entwicklung gemeinsamer Projekte. Für viele Unternehmen entsteht so ein direkter Zugang zu wissenschaftlicher Expertise, die im Tagesgeschäft oft schwer erreichbar ist.
Dass dieses Modell funktioniert, zeigt sich bereits heute. Obwohl der Campus noch keine eigenen Räumlichkeiten besitzt, laufen inzwischen fünf Drittmittelprojekte. Die Forschungsarbeiten finden derzeit an Einrichtungen der OTH Regensburg, der OTH Amberg-Weiden oder direkt bei den Projektpartnern statt. Künftig sollen dafür moderne Laborflächen in Schwandorf zur Verfügung stehen.
Wir möchten Unternehmen im Landkreis dabei unterstützen, ihre Ideen gemeinsam mit den Hochschulen weiterzuentwickeln. Dafür bringen wir die passenden Menschen zusammen und begleiten Projekte von der ersten Fragestellung bis zur Umsetzung.
Forschung, die in der Region ankommt
Zu den größten laufenden Vorhaben gehört das Projekt „PlanBEKIn“. Das Kürzel steht für „Planung und Betrieb von Energiesystemen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Industriebetriebe“. Unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Brückl entwickeln Forschende Methoden, mit denen Unternehmen ihren Energieeinsatz effizienter, flexibler und nachhaltiger gestalten können. Dafür analysieren sie bestehende Energiesysteme, erstellen digitale Abbilder von Betrieben und simulieren verschiedene Zukunftsszenarien. Das Projekt verfügt über ein Fördervolumen von rund 1,3 Millionen Euro.
Auch Studierende profitieren bereits vom Aufbau des Campus. Erste Abschlussarbeiten wurden gemeinsam mit Unternehmen aus der Region durchgeführt. Dadurch erhalten Studierende Einblicke in reale Fragestellungen der Praxis, während Unternehmen Zugang zu aktuellem wissenschaftlichem Wissen und potenziellen Fachkräften bekommen.
Langfristig soll der Campus eng mit dem benachbarten Gründerzentrum des Landkreises Schwandorf zusammenarbeiten. Ziel ist es, Forschung, Technologietransfer und Gründungsförderung enger miteinander zu verknüpfen. Neue Ideen sollen dadurch schneller den Weg in die Praxis finden.
Auf dem Gelände des künftigen Campus ist die Zukunft bislang vor allem auf Plänen zu sehen. Gleichzeitig laufen bereits Forschungsprojekte, Unternehmen bringen ihre Fragestellungen und Ideen ein und Hochschulen sowie Firmen knüpfen neue Partnerschaften. So nimmt der Technologie Campus Schwandorf bereits Gestalt an, lange bevor das Gebäude fertiggestellt ist.