Fasern gegen den Verschleiss
OTH Regensburg testet neuen Asphaltzusatz auf der A99
Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Teststrecke auf der A99 bei München kaum von anderen Autobahnabschnitten. Der Unterschied liegt unter der Oberfläche: Dort wurde ein Asphalt eingebaut, den Forschende der OTH Regensburg über mehrere Jahre entwickelt und untersucht haben. Eingesetzte Acrylfasern sollen dem offenporigen Asphalt mehr Widerstandsfähigkeit verleihen, ohne seine besonderen Eigenschaften zu verlieren.
Offenporiger Asphalt wird vor allem auf Strecken eingesetzt, bei denen Lärmschutz eine wichtige Rolle spielt. Seine vielen Hohlräume können Fahrgeräusche deutlich reduzieren und helfen bei Regen, Sprühfahnen zu verringern. Genau diese Struktur macht den Belag jedoch empfindlicher als herkömmliche Asphaltarten. Durch die offene Oberfläche können sich mit der Zeit einzelne Gesteinskörner lösen und die Deckschicht beschädigen. Manche Strecken müssen deshalb bereits nach etwa zehn Jahren erneuert werden.
An diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt der Autobahn GmbH, der OTH Regensburg und des Bauunternehmens Richard Schulz an. Gemeinsam untersuchten sie, ob sich der offenporige Asphalt durch einen Faserzusatz stabiler machen lässt. Im Mittelpunkt stand dabei der sogenannte Kornausbruch: Lösen sich Gesteinskörner aus der Oberfläche, kann dies die Haltbarkeit der Deckschicht deutlich verkürzen.
Im Labor für Straßenbau und Asphalttechnologie der OTH Regensburg wurden verschiedene Varianten getestet. Forschende und Studierende untersuchten unter anderem unterschiedliche Faserlängen und Mengenverhältnisse. Aus den Ergebnissen entstand schließlich ein Verfahren, mit dem sich Acrylfasern in Form von Pellets gleichmäßig in den Asphalt einmischen lassen.
Nach den Laboruntersuchungen folgte der Praxistest. Auf einer 280 Meter langen Strecke der A99 bei München wurde der mit Acrylfaserpellets modifizierte Asphalt eingebaut. Für das Projekt war zunächst eine wichtige Frage entscheidend: Lässt sich die neue Mischung auch unter realen Bedingungen herstellen und verarbeiten?
Die ersten Erfahrungen fallen positiv aus. Sowohl die Produktion in der Mischanlage als auch der Einbau auf der Autobahn verliefen ohne Schwierigkeiten. Ob die Fasern den Asphalt tatsächlich langfristig widerstandsfähiger machen, lässt sich allerdings erst nach mehreren Jahren beurteilen.
Um die Entwicklung vergleichen zu können, wurde direkt neben der Teststrecke ein Abschnitt mit herkömmlichem Asphalt hergestellt. Beide Bereiche werden künftig regelmäßig untersucht. Die Forschenden erfassen dabei unter anderem Veränderungen an den Oberflächen und werten die gesammelten Daten aus.
Der Versuch auf der A99 soll zeigen, ob sich die Acrylfasermodifizierung für stärker belastete Straßenabschnitte eignet. Eine Entscheidung darüber hängt von den Ergebnissen der kommenden Untersuchungen ab.