Auslandserfahrung
Ein Studium, zwei Kontinente und viele neue Perspektiven
Matthias Scharpf verbindet sein Studium an der OTH Regensburg mit internationalen Erfahrungen in Zagreb, Malawi und Kenia. Dabei lernt er, dass erfolgreiche Zusammenarbeit vor allem dort entsteht, wo Menschen einander zuhören, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Für Matthias Scharpf bedeutet Studium mehr als Vorlesungen und Prüfungen. Der Student des Bachelorstudiengangs International Relations and Management an der OTH Regensburg nutzt die Möglichkeiten, die sich ihm bieten: Er sammelt internationale Erfahrungen, übernimmt Verantwortung und sucht nach Wegen, mit seinem Wissen etwas zu bewegen.
Eine dieser Erfahrungen machte er während seines Praxissemesters in Malawi. Eigentlich wollte er vor allem verstehen, wie internationale Entwicklungszusammenarbeit vor Ort funktioniert. Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, sind jedoch nicht Strategiepapiere oder Förderprogramme, sondern die Menschen, denen er begegnet ist. Die Gespräche, das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsame Suche nach Lösungen haben seinen Blick darauf verändert, was erfolgreiche Zusammenarbeit ausmacht.
Sein Weg dorthin begann mit einem integrierten Studiensemester an der Libertas International University in Zagreb. Anschließend führte ihn sein Praxissemester nach Ostafrika. In Malawi und Kenia bekam er Einblicke in ganz unterschiedliche Projekte der Entwicklungszusammenarbeit – und erlebte, wie vielfältig die Herausforderungen vor Ort sein können.
Verantwortung übernehmen und eigene Erfahrungen sammeln
In Malawi unterstützte Matthias Scharpf eine lokale Stiftung dabei, Partnerschaften mit den Vertretungen der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufzubauen. Dabei ging es um Kontakte, Strukturen und langfristige Zusammenarbeit. Für ihn wurde dabei deutlich: Gute Lösungen entstehen nicht nur am Schreibtisch. Sie entstehen im Austausch mit Menschen, die die Situation vor Ort kennen.
Eine andere Perspektive lernte er im Turkana County im Norden Kenias kennen. Die Region ist geprägt von Trockenheit, Armut und den Folgen des Klimawandels. Dort unterstützte er eine Nichtregierungsorganisation beim Verfassen von Projektanträgen, mit denen Entwicklungsprojekte finanziert werden sollen. Gleichzeitig übernahm er Verantwortung für ein eigenes Vorhaben: Gemeinsam mit der Organisation begleitete er die Finanzierung und den Bau einer kleinen Müllverbrennungsanlage für eine von ihr betriebene Sekundarschule. Ein großes internationales Projekt war es nicht. Aber eines mit konkreter Wirkung. „Besonders hängen geblieben ist mir, dass manchmal schon vergleichsweise kleine und praktische Dinge einen echten Unterschied machen können, wenn sie ein konkretes Problem vor Ort lösen.“
Was man aus neuen Situationen lernen kann
Die Zeit in Malawi und Kenia hat Matthias Scharpf nicht nur fachlich geprägt. Sie hat ihm auch gezeigt, wie wichtig es ist, mit Unsicherheit umgehen zu können. Nicht alles ließ sich planen. Manche Entscheidungen mussten getroffen werden, obwohl noch nicht alle Informationen vorlagen. „Dort habe ich gelernt, mich schnell auf neue Situationen einzustellen und auch dann ruhig zu bleiben, wenn Dinge nicht direkt planbar sind.“
Diese Erfahrung begleitet ihn bis heute. Auch im Auswahlverfahren der Bayerischen EliteAkademie half ihm diese Fähigkeit, sagt er. Unter 396 Bewerberinnen und Bewerbern erhielt er einen der 38 Plätze im aktuellen Jahrgang. Für ihn ist diese Aufnahme deshalb weniger ein Ziel, das erreicht wurde, sondern vielmehr eine weitere Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen und sich weiterzuentwickeln.
Ein Studium mit vielen Blickwinkeln
Am Studiengang International Relations and Management schätzt Matthias Scharpf besonders die Verbindung unterschiedlicher Fachrichtungen. Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Fragestellungen werden gemeinsam betrachtet. Gerade diese Mischung hilft ihm dabei, Herausforderungen aus mehreren Perspektiven zu sehen. Viele Fragen lassen sich aus seiner Sicht nicht nur wirtschaftlich oder politisch beantworten. Oft braucht es unterschiedliche Blickwinkel, um Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Diese Haltung zeigt sich auch in seinem Engagement außerhalb des Studiums.
Seit mehreren Jahren engagiert er sich im Vorstand der Münchner Christian-Liebig-Stiftung und unterstützt Bildungsprojekte in Malawi nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Darüber hinaus bringt er sich bei der Liberating Education Organization ein, die in Ostafrika und Indien hybride Bildungszentren aufbaut und jungen Erwachsenen Zugang zu unternehmerischer Bildung ermöglicht.
Sein Weg zeigt, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn Studierende neugierig bleiben, Verantwortung übernehmen und bereit sind, neue Erfahrungen zu sammeln. Die Frage, die ihn dabei weiterhin begleitet, ist dieselbe, die ihn schon während seiner Zeit in Ostafrika beschäftigt hat: „Wie kann internationale Zusammenarbeit dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen?“