Öffentliche Vortragsreihe

Gender und Care: Debatten, Bedingungen und Perspektiven

Auch im WiSe 2017/2018 wird es wieder eine öffentliche Vortragsreihe geben. Thema der diesjährigen Reihe lautet "Gender und Care: Debatten, Bedingungen und Perspektiven". Care - Fürsorge - durchzieht alle Bereiche des Lebens und betrifft jede und jeden. Gleichwohl mangelt es den Care-Tätigkeiten und ihren Bedingungen an gesellschaftlicher Wahrnehmung und Anerkennung.

Die Gründe für die unzureichenden Bedingungen finden sich in den ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten - und in den Vergeschlechtlichungsprozessen, die Care zugrunde liegen und die von Care ausgelöst werden. Die Vortragsreihe beschäftigt sich mit ausgewählten Aspekten dieser mehrdimensionalen Prozesse.

Die Veranstaltungen finden jeweils an einem Dienstag, 18:30 - 20:00 Uhr an der OTH Regensburg statt. Die Vorträge sind öffentlich und stehen allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.

Organisiert werden die Veranstaltungen von der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften. Finanziert werden die Vorträge über das Professorinnenprogramm II.

Die Vorträge im Einzelnen

  • 17.10.2017: "Care-Debatten: Wer sorgt für wen und wie?" von Prof.in Dr.in Margrit Brückner, Frankfurt University of Applied Sciences
    Beschreibung: Die vor gut 30 Jahren begonnene internationale feministische Care Debatte hat das Anliegen, Care zu einem öffentlichen Thema der Gerechtigkeit zu machen und die Anerkennung von Care als notwendige gesellschaftliche Aufgabe einzufordern. Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Sorgetätigkeiten in unser aller Leben, ist die Frage nicht nur, wer die notwendigen Sorgeaufgaben übernimmt, sondern auch was "gutes" Sorgen ausmacht und welche Visionen von Care wir entwickeln wollen. Welche Bedeutung kommt einem auf Verständigung und Abstimmung von Bedürfnissen und Sichtweisen ausgerichteten Verständnis von Care zu?
  • 07.11.2017: "Care-Ökonomie: Die Wert-Schätzung des scheinbar Wertlosen" von Prof.in Dr.in Adelheid Biesecker, Universität Bremen
    Beschreibung: In der vorherrschenden Marktökonomie gilt nur wertvoll, was für den Markt hergestellt und am Markt getauscht wird. Aus diesen Bewertungsprozessen ausgeschlossen sind alle unbezahlten Tätigkeiten außerhalb des Marktes, die vor allem als Sorge- oder Care-Arbeit von Frauen geleistet werden. Werte bilden daher nur eine partiale Wirklichkeit ab und erfassen nicht das Ganze. Das ist nicht zukunftsfähig. Für eine fortschrittliche Wirtschaftsweise werden daher neue Konzepte mit neuen Bewertungen gebraucht. Im Vortrag wird, auf Grundlage der feministischen Ökonomik, das Konzept "Vorsorgendes Wirtschaften" als Alternative vorgestellt.
  • 21.11.2017: "Der "Schlüssel" zur Emanzipation? Soziale Arbeit und die bürgerliche Frauenbewegung" von Mirjam Höfner M.A., Universität der Bundeswehr München, Forschungsverbund ForGenderCare
    Beschreibung: Die bürgerlichen FrauenrechtlerInnen um 1900 verknüpften ihre Partizipationsforderungen mit dem zeitgenössischen Ideal spezifisch weiblicher Fürsorgekompetenz: Auf diese Weise erschlossen sie sich öffentliche Handlungsspielräume für Frauen. Am Beispiel des 1894 gegründeten Vereins für Fraueninteressen München werden diese ersten Professionalisierungs- und Institutionalisierungsschritte im Feld Sozialer Arbeit aufgezeigt und zugleich nach dem Emanzipationspotenzial von Care im Rahmen der ersten Frauenbewegung gefragt.
  • 05.12.2017: "Pflegen bis der Arzt kommt? Arbeitsbedingungen und Interessensvertretung von Pflegekräften"von Katja Schmidt M.A., OTH Regensburg, Forschungsverbund ForGenderCare
    Beschreibung: Professionelle Pflege findet in einem komplexen Wechselverhältnis wohlfahrtsstaatlicher, institutioneller, berufspolitischer Rahmungen, sowie gesellschaftlicher Erwartungen und traditioneller Geschlechterbilder statt. Welche Strukturen Ungleichheiten kennzeichnen die Arbeits- und Berufsbedingungen von Pflegekräften? Wie gehen die Beschäftigten mit der "Rationalisierung von Sorgearbeit" um und welche Voraussetzungen liegen der defensiven Interessenspolitik zugrunde? Anhand eigener empirischer Ergebnisse werden Deutungs- und Bewältigungsmuster von Pflegekräften dargestellt, um daran anschließend Machtressourcen und Hürden der Organisierung und Mobilisierung von (gesellschaftspolitischen) Interessen aufzuzeigen.
  • 12.12.2017: "Gender Health und Männlichkeitsnormen - Wie (un)bekannt sind und 'Männer'?" von Frank Luck MScN, Universität Basel
    Beschreibung: Epidemiologische Daten zur Gesundheit und Krankheit von 'Männern' weisen auf eine gesundheitliche Gefährdung von 'Männern' hin, ohne deren Ursachen ausreichend erklären zu können. Im Rahmen des Vortrags sollen aktuelle 'Bilder' zum Gesundheits- und Krankheitsverständnis von 'Männern' präsentiert und aus einer Geschlechterperspektive kritisch reflektiert werden. Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen der Gesundheit von 'Männern' und Männlichkeitsnormen? Was ist wichtig für die Gesundheitsversorgung von 'Männern', wenn sie Patienten sind?
  • 09.01.2017: "Podiumsdiskussion: Care Krise? Debatten zur Politisierung von Care-Arbeit", Raum D 003 (Galgenbergstraße 30)
    Beschreibung: Allenthalben ist von der Care-Krise die Rede - die institutionalisierte Politik hat aber bisher keine Vorstellungen davon, wie die Bedeutung von Care für die Gesellschaft als Grundlage allen Handelns positiv umgesetzt werden kann. Im Input und in der Diskussion stehen die Fragen nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Care aber insbesondere nach den Politisierungsmöglichkeiten von Care- und Geschlechterverhältnissen im Mittelpunkt.
    • Impulsvortrag: Dr.in Ina Praetorius, Autorin, Wattwill (Schweiz)
    • Podiumsgäste: Margit Berndl, Wohlfahrtsverband Bayern, München; Bayerischer Landesfrauenrat; Robert Hinke, Verdi Bayern, München; Prof.in Dr.in Barbare Thiessen, Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit
    • Moderation: Prof.in Dr.in Clarissa Rudolph, OTH Regensburg, Forschungsverbund ForGenderCare

Veranstaltungsort

Die Vorträge finden an der OTH Regensburg am Standort Seybothstr. 2 im Raum S 322 (3. Stock, Aufzug vorhanden) statt.

Die Podiumsdiskussion findet am Standort Galgenbergstr. 30 im Raum D 003 (Erdgeschoss) statt.

Informationen zur Anreise

Informationen zum Raumplan

Rückblick

Rückblick

Im Wintersemester 2016/2017 fand erneut eine öffentliche Vortragsreihe statt. Das Thema in diesem Semester lautete "Grenzkonflikte und Grenzüberschreitungen: Debatten zu Sexismus - Rassismus - Nationalismus". Die Vorträge befassten sich mit dem Verhältnis von Rassismus und Sexismus in Politik, Kultur und Gesellschaft. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde beleuchtet, wie diese zusammenwirken und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Die Vortragsreihe im WiSe 2015/2016 befasste sich mit den politischen und kulturellen Debatten zum Geschlechterverhältnis und mit dem Denken und Handeln innerhalb und jenseits klassischer Geschlechterkonstruktionen. Wie gestalten sich Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern, in welcher Weise werden Geschlechterkonstruktionen und -konflikte in Politikprozessen sichtbar? Wie lässt sich Gesellschaft und Individualität denken, wenn man sich von Konstruktionen der Zweigeschlechtlichkeit löst? Wie sehen subjektive und gesellschaftliche Widerstände aus? Welche politischen Ziele und Handlungsmöglichkeiten werden damit verknüpft? Die Vorträge und Debatten sollen den Blick öffnen für plurale Lebensformen und -konzepte und für Politiken der Gleichstellung und Emanzipation.