Raus aus der Hochschule, rein in die Innenstadt

15.07.2022
Von: Ludwig Langwieder

Können Sie sich Roboter in Therapie und Pflege vorstellen? Was brauchen die Talente von morgen? Über diese und andere Fragen sind Forschende der OTH Regensburg mit Passantinnen und Passanten in der Maximilianstraße ins Gespräch gekommen.

Angeregte Diskussionen darüber, ob Maschinen denken können.

Angeregte Diskussionen darüber, ob Maschinen denken können.

Natalie Kudienko und Norbert Lichtenauer vom „Projekt DeinHaus4.0 – Oberpfalz“ unterhielten sich mit Spazierenden über den Einsatz von Telepräsenzrobotern zur Unterstützung von Betroffenen nach einem Schlaganfall.

Natalie Kudienko und Norbert Lichtenauer vom „Projekt DeinHaus4.0 – Oberpfalz“ unterhielten sich mit Spazierenden über den Einsatz von Telepräsenzrobotern zur Unterstützung von Betroffenen nach einem Schlaganfall.

Prof. Dr. Karsten Weber (li.) nahm auf dem MaxiDeck Platz, weil er Dialogformate wie die Science Bench als wichtige Aufgabe der Wissenschaft sieht. Alle Fotos: OTH Regensburg/Karen Fisher

Prof. Dr. Karsten Weber (li.) nahm auf dem MaxiDeck Platz, weil er Dialogformate wie die Science Bench als wichtige Aufgabe der Wissenschaft sieht. Alle Fotos: OTH Regensburg/Karen Fisher

In der ersten Juliwoche 2022 ist zum zweiten Mal die Aktion Science Bench durchgeführt worden. Nach dem großen Erfolg im Vorjahr setzten sich wieder zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den ostbayerischen Hochschulstädten auf eine Bank, um mit den Menschen über ihre Forschungsthemen zu plaudern. Die Forschenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg warteten auf dem MaxiDeck, einer begrünten Sitzkombination der Stadt Regensburg, auf Gesprächspartner.

Den Auftakt machten am Montag Natalie Kudienko und Norbert Lichtenauer vom Forschungsprojekt „DeinHaus4.0 – Oberpfalz“. In diesem Projekt wird erforscht, was Telepräsenzroboter zur Unterstützung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten leisten können und ob diese Unterstützung auch angenommen wird. Von der häufig zitierten Skepsis gegenüber neuen Technologien war nur wenig zu hören – erst recht nicht, als die Besucherinnen und Besucher erfuhren, dass der Roboter therapeutische Behandlungen nicht ersetzt, sondern diese sinnvoll ergänzen soll. Das kann in Form einer virtuellen Therapieeinheit, aber auch als Anleitung zu selbständigen Bewegungs- oder Sprechübungen geschehen. „Wenn ich betroffen wäre, könnte ich mir das gut vorstellen“, sagte ein älterer Passant. Wer an der laufenden Studie noch teilnehmen möchte, findet hier Informationen dazu.

Am Dienstag gab es gleich zwei Themen: Die Frage, ob Maschinen denken können, diskutierte zunächst Prof. Dr. Karsten Weber, der Dialogformaten wie der Science Bench generell sehr positiv gegenübersteht: „Es ist nicht nur eine wichtige Aufgabe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, der Öffentlichkeit über die eigene Arbeit Auskunft zu geben; es ist auch eine gute Gelegenheit zu hören, wie Wissenschaft von den Menschen wahrgenommen wird.“ Zum Abschluss stellte Leon Schumm das Projekt Wasserstoffatlas vor. Das Tool zeigt die Potenziale des flüchtigen Gases bis auf Landkreisebene auf. „Der Atlas kann so zu einem wichtigen Baustein für die Energiewende werden.“

Niederschwellige Möglichkeit zum Dialog 

Wie die Digitalisierung den ÖPNV auf dem Land zukunftsfähig machen kann, wollte Prof. Dr. Jan Dünnweber am Mittwoch mit den Menschen bereden. Gegenwärtig erprobt Dünnweber den Einsatz eines Rufbussystem im Raum Roding. Ziel ist es, den ÖPNV mit den Mitteln maschinellen Lernens deutlich flexibler und effizienter zu machen. Zuletzt nahm Prof. Dr. Carina Braun auf der Science Bench Platz und fragte danach, was junge Menschen heutzutage von ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber erwarteten. Ergebnis der Stichprobe: Es kommt drauf an. Während sich der eine über flexible Arbeitszeiten und -orte freut, wünscht sich der nächste eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit. Eines steht laut Prof. Braun fest: „In einem Arbeitnehmermarkt wie heute müssen sich Arbeitgeber noch stärker bemühen, um die oft sehr anspruchsvollen jungen Leute für sich zu gewinnen.“

Die Science Bench ist eine Aktion im Rahmen des Hochschulverbunds TRIO (Transfer und Innovation in Ostbayern), dem auch die OTH Regensburg angehört. Eines der Ziele ist es, interessierten Menschen niederschwellig davon zu berichten, woran genau die eigene Hochschule forscht, wie Prof. Dr. Tomas Sauer von der Universität Passau, der auch wissenschaftlicher Leiter von TRIO ist, im Vorfeld erklärt hatte. Einen weiteren Vorteil des Formats spricht Prof. Dr. Oliver Steffens, Vizepräsident für Forschung und Internationalisierung an der OTH Regensburg, an: „Die Science Bench bietet eine tolle Möglichkeit, auch von Menschen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zu hören, wie sie über aktuelle Entwicklungen in Bereichen wie der Digitalisierung, Mobilität oder Umwelt denken.“

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