Orientierung an “Scholarship of Teaching and Learning”

26.02.2018
Von: Dr. Matthias Kampmann

Bei einem eintägigen Workshop untersuchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom LaS³ die Bedingungen und Möglichkeiten des "Scholarship of Teaching and Learning"-Ansatzes im Bereich der Lehre und des Lernens im Software Engineering.

Prof. Dr. Jürgen Mottok (links) zusammen mit den neun Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim EVELIN-Workshop in Wiesent

Prof. Dr. Jürgen Mottok (links) zusammen mit den neun Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim EVELIN-Workshop in Wiesent. Foto: OTH Regensburg

Die größte Herausforderung der Lehre ist ihre Reflexion – und zwar Tag für Tag. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen sich Lehrende ausschließlich um ihr Fachthema zu kümmern brauchten. Was jedoch tritt hinzu, um studierendenzentriert und ergebnisorientiert Lehre zu praktizieren? Die Antworten verstehen sich nicht von selbst.

Im Rahmen eines eintägigen Workshops am 12. Februar 2018 im Bildungs- und Freizeithaus Hermannsberg in Wiesent untersuchten neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom "Laboratory for Safe and Secure Systems" (LaS³) – acht davon sind im Projekt EVELIN an der Fakultät Elektro- und Informationstechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) aktiv – die Bedingungen und Möglichkeiten des Forschungsansatzes "Scholarship of Teaching and Learning" (SoTL) im Bereich der Lehre und des Lernens im Software Engineering.

Was verbirgt sich hinter diesem mächtig klingenden Schlagwort? – "Scholarship of Teaching and Learning stärkt die Bereitschaft zur Reflexion des eigenen Tuns", beschreibt Prof. Dr. Jürgen Mottok diesen Ansatz. "In unserer Arbeit gibt es jede Menge Anlässe, um aktiv das eigene Handeln zu hinterfragen." SoTL beschleunigt und unterstützt die Neugier, sich selbst zu beobachten. Wie unterrichte ich? Wo liegen meine Schranken? Wie kann ich mich verbessern? Das alles klingt logisch und grundlegend. Es griffe jedoch zu kurz, diese Fragen als SoTL-Definition zu erklären.

Der Ansatz: "Scholarship of Teaching and Learning"

Birgit Szczyrba führt SoTL auf die Basis zurück, vor der die grundsätzlichen Fragen einen Sinn und einen Horizont bekommen: "SoTL geht aus und lebt von einer konkreten Fragestellung, die dem Durchführen einer Maßnahme vorausging und die während der gesamten Durchführung in einer forschenden Haltung handlungs- und interpretationsleitend bleibt." (Szczyrba, Birgit: Mit dem Lehrportfolio zum Scholarship – Ein Coachingansatz zum Forschenden Lehren im eigenen Fach, in: Hebecker, E., Szczyrba, B., Willst, B. (Hrsg.): Beratung im Feld der Hochschule. Wiesbaden 2016)

Demnach ließe sich SoTL wie folgt definieren: "Scholarship of Teaching and Learning ist die wissenschaftliche Befassung von Hochschullehrenden in den Fachwissenschaften mit der eigenen Lehre und/oder dem Lernen der Studierenden im institutionellen Umfeld durch Untersuchungen und systematische Reflexionen mit der Absicht, die Erkenntnisse und Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit bekannt und damit dem Erfahrungsaustausch und der Diskussion zugänglich zu machen." (Ludwig Huber und andere: Forschendes Lehren im eigenen Fach: Scholarship of Teaching and Learning in Beispielen. Blickpunkt Hochschuldidaktik 2014, S. 7)

Die eigenen Lernverläufe reflektieren

"Wir müssen lernen, noch genauer hinzuschauen", unterstreicht Jürgen Mottok das Anliegen. Im kommenden Semester werden im Rahmen des Lehrangebots Software Engineering und Safety/Security (SES) sowie Software Engineering im Team (SET) die Bedingungen für stratifizierende (Selbst-)Beobachtungen untersucht. Ein Medium wird dabei zum Beispiel die Schreibwerkstatt sein. In Gestalt eines Online-Lern-Tagebuchs (OLTB) begleiten regelmäßig vergebene Aufgaben die Vorlesung und vertiefen nicht nur den Unterrichtsstoff. Das Schreiben wird reflektiv angeregt. Aus der Außensicht sowohl auf die eigenen Lernfortschritte als auch auf die Lehre selbst zu schauen, ist ein Ziel des OLTB. Die Teilnahme ist freiwillig. Hinzu treten Fragebögen und Interviews. Auf diese Weise werden Gegebenheiten, ihre Voraussetzungen, das Verhalten der Studierenden und ihre Lernverläufe transparent reflektiert.

Den Diskurs über die Hochschuldidaktik aktivieren

In einem weiteren Zusammenhang ist damit natürlich die Aktivierung des wissenschaftlichen Diskurses über die Hochschuldidaktik verbunden. Welche Ergebnisse der Lehr- und Lernforschung lassen welche Empfehlungen – sowohl methodisch als auch konzeptuell – zu? Welche Lehr-Lern-Konzepte, welche didaktischen Ideen und Orientierungen im Bereich des Software Engineering gilt es weiterzuentwickeln? Dazu Prof. Mottok: "Wir schauen jetzt schon in Richtung kommender Konferenzen und hoffen, hinreichend belastbare Fakten für eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten von SoTL liefern zu können."

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