Kick-off-Veranstaltung der Kampagne "Werde Professorin"

08.01.2021
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Bei einer virtuellen Kick-off-Veranstaltung präsentierten die Frauenbeauftragten der Bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften am 7. Januar 2021 eine bayernweite Kampagne, um Frauen für den Beruf der Professorin zu begeistern.

Start der bayernweiten Kampagne "Werde Professorin".

Start der bayernweiten Kampagne "Werde Professorin". Fotos: Jens Heilmann; Grafik: H&H Brand Works

Die Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Bayerischen Hochschulen (LaKoF Bayern/HAW) startet unter dem Titel "Werde Professorin" eine bayernweite Kampagne, um auf das Berufsbild der Professorin an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) aufmerksam zu machen und Frauen zu motivieren, diesen Beruf zu ergreifen. Hintergrund der Kampagne ist die Tatsache, dass in Bayern nur jede fünfte Professur (21 Prozent) mit einer Frau besetzt ist, obwohl mit 51 Prozent mehr als die Hälfte der Hochschulabsolvent*innen Frauen sind. Am 7. Januar 2021 fand zum Start der Kampagne eine virtuelle Kick-off-Veranstaltung mit mehr als 350 Teilnehmer*innen statt.

„Frauen und Wissenschaft – das ist kein Widerspruch“, betonte Prof. Dr. Elke Wolf, stellvertretende Sprecherin der LaKoF Bayern/HAW und Frauenbeauftragte der Hochschule München. Sie moderierte die Veranstaltung und ist eine der Professorinnen, die sich als "Role Model" für die Kampagne fotografieren ließ. Insgesamt bilden die Portraitfotos von 22 Professorinnen fast aller bayerischen HAW das "Gesicht" der Kampagne. Mit persönlichen Aussagen der Portraitierten sowie den Slogans „Professoren sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren“ und „Neue Professorinnen braucht das Land“ wollen die Initiatorinnen der Kampagne ein modernes Bild der Tätigkeit als Professorin schaffen. So sollen Vorbilder für Frauen sichtbar gemacht und die Vorstellung dekonstruiert werden, Professuren seien ausschließlich Männern vorbehalten.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler bekannte sich in seinem Grußwort zu einer aktiven Frauenförderung an Hochschulen: „Mein Ziel als bayerischer Wissenschaftsminister ist klar: Wir müssen den Anteil von Frauen in der Wissenschaft erhöhen und ihre Karrierechancen weiterentwickeln. Daran arbeiten wir gemeinsam mit unseren Hochschulen im Freistaat – gerade auch mit Blick auf die Möglichkeiten, die unsere Hightech Agenda Bayern bietet. Wir setzen auf Frauen in der Wissenschaft! Die schöne Kampagne ‚Werde Professorin‘ unterstützt unsere hochschulpolitische Zielsetzung nachhaltig dabei, mehr Professuren an Frauen zu vergeben. Ich hoffe sehr, dass sich möglichst viele Wissenschaftlerinnen davon inspirieren lassen.“

Prof. Dr. Christiane Fritze, Präsidentin der Hochschule Coburg und stellvertretende Vorsitzende von Hochschule Bayern e.V., betonte das außergewöhnliche Engagement mit dem sich die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an den bayerischen HAW für die Chancengleichheit in Wissenschaft, Forschung und Lehre einsetzten. Die Kampagne "Werde Professorin" komme genau im richtigen Augenblick, sagte sie mit Blick auf die Hightech Agenda Bayern, durch die der Freistaat Bayern die Wissenschaftslandschaft in großem Umfang finanziell unterstützt: „Es muss uns jetzt gelingen, mehr Frauen zu motivieren diesen wunderbaren Beruf in Lehre und Wissenschaft zu ergreifen“, machte Prof. Fritze deutlich und hob hervor, dass insbesondere die „Hürden im Kopf“ abgebaut werden müssten. Die Kampagne sei dabei ein wichtiger Baustein.

In ihrem Vortrag "Über Freud, Leid, viele Hürden und einen schönen Beruf. Frauen in der Wissenschaft heute" sprach Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), über die Vorzüge des Berufs als Professorin. Sie zeigte aber auch die Hürden auf, denen Frauen auf ihrem Weg zur Professur begegnen. Obwohl ihrer Erfahrung nach viele hochqualifizierte Frauen in der Wissenschaft arbeiten wollen, sei insbesondere nach der Promotion ein Rückgang von Frauen zu beobachten. In Deutschland läge das unter anderem an der unklaren Vorgehensweise, wie der berufliche Werdegang genau aussieht. Ein weiterer Aspekt seien fehlende oder zu kleine Netzwerke, die bei Männern oft stärker ausgeprägt sind. Trotz des Engagements von Frauen in Gremien und Kommissionen, seien die Vorsitze dieser Hochschulorgane sowie leitende Positionen in der Wissenschaftspolitik noch immer vor allem mit Männern besetzt. Prof. Dr. Allmendinger betonte, wie wichtig es sei, die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen zu erhöhen und Mobilitätshilfen anzubieten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten.

Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard, Sprecherin der LaKoF Bayern/HAW und Frauenbeauftragte der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), und Prof. Dr. Brigitte Kölzer, Frauenbeauftragte der Technischen Hochschule Rosenheim, stellten die Kampagne "Werde Professorin" vor. „Mich macht es besonders stolz, dass sich fast alle bayerischen Hochschulen an der Kampagne beteiligen und an einem Strang ziehen“, sagte Prof. Dr. Kölzer. „So können wir mehr erreichen, als wenn jede Hochschule alleine an der Umsetzung der Chancengleichheit arbeitet“, fuhr sie fort. Trotz der Zielvereinbarungen der bayerischen Hochschulen den Frauenanteil bei Professuren zu erhöhen, gäbe es jedoch noch viel zu tun, bemerkte Prof. Dr. Süß-Gebhard. Als Gründe für die geringen Bewerbungszahlen nannte sie unter anderem, dass das Berufsbild der Professorin an HAW nicht bekannt genug und die Einstellungsvoraussetzungen unklar seien. Denn anders als bei einer Universitätsprofessur ist an HAW eine Habilitation nicht unbedingt notwendig; stattdessen sind außerhochschulische Qualifikationen gefordert. Zudem werde das Arbeitsumfeld als wenig familienfreundlich wahrgenommen und es fehlten vor allem Frauen mit Promotion und Berufserfahrung im MINT-Bereich, also in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Mit der Kampagne "Werde Professorin" wollen die Initiatorinnen dies nun ändern: Ziel sei es, das Berufsbild der Professorin an HAW bekannter zu machen, über die Einstellungsvoraussetzungen zu informieren, ein positives Image aufzubauen und geeignete Bewerberinnen auf diese berufliche Möglichkeit aufmerksam zu machen. „Ich habe es in jetzt schon fast 57 Semestern noch keinen Tag bereut, HAW-Professorin geworden zu sein“, ermutigte Prof. Dr. Süß-Gebhard die Teilnehmerinnen.

Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit in Kleingruppen Fragen zu stellen. Neben einem lockeren Erfahrungsaustausch und Informationen zur Kampagne sowie den Förderangeboten der LaKoF Bayern/HAW standen Professorinnen verschiedener Hochschulen für konkrete Themenbereiche zur Verfügung: das Berufsbild Professorin, das Berufungsverfahren, die Voraussetzungen und die Bewerbung. Diese Themen und weitere Informationen zur Kampagne "Werde Professorin" sind auch auf der dazugehörigen Website abrufbar.

 

Über die LaKoF Bayern

Die LaKoF Bayern vertritt die Interessen von Wissenschaftlerinnen, Studentinnen und Frauen des wissenschaftsstützenden Personals auf Landesebene. Durch Stellungnahmen, Empfehlungen und Konzepte nimmt sie Einfluss auf die gleichstellungspolitische Diskussion im Bereich der Hochschulen in Bayern und darüber hinaus. Mitglieder sind die Frauenbeauftragten und ihre Stellvertreter*innen der Universitäten und der HAW sowie der Beirat, in dem die Gleichstellungsbeauftragten der bayerischen Hochschulen zusammengeschlossen sind. Um die Chancengleichheit von Frauen im Wissenschaftssystem und insbesondere an HAW zu ermöglichen, hat die LaKoF Bayern/HAW spezielle Förderprogramme aufgesetzt, die Frauen bereits frühzeitig Weiterqualifizierungsangebote für eine Bewerbung auf eine HAW-Professur bieten. Weitere Informationen über die LaKoF Bayern/HAW unter https://www.lakof-bayern.de/.

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