Katharina Schulze über nachhaltige Führung

30.06.2022

„Führungskräfte in Unternehmen müssen Nachhaltigkeit zu ihrem persönlichen Projekt machen“, sagt Katharina Schulze. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag sprach als erste Politikerin in der Vortragsreihe „Lectures in Leadership“ an der OTH Regensburg. Schulze ist überzeugt: „Zeitgemäße Führung geht nur nachhaltig.“

Katharina Schulze (Mitte) mit Prof. Dr. Carina Braun und Präsident Prof. Dr. Ralph Schneider. Foto: Michael Hitzek

Katharina Schulze (Mitte) mit Prof. Dr. Carina Braun und Präsident Prof. Dr. Ralph Schneider. Foto: OTH Regensburg/Michael Hitzek

Präsident Prof. Dr. Ralph Schneider begrüßte Katharina Schulze an der OTH Regensburg. In deren Leitbild nähmen die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung bereits jetzt eine hervorgehobene Rolle ein. Zudem, so Schneider, habe er die Stelle eines weiteren Vizepräsidenten bzw. einer weiteren Vizepräsidentin ausgeschrieben, um den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung „noch stärker und besser Rechnung tragen zu können“. 

Katharina Schulze hörte das gerne – und machte zunächst deutlich, dass ihr „Betrieb“, die Fraktion der Grünen im Landtag, freilich nur bedingt mit Unternehmen der freien Wirtschaft vergleichbar sei. Die Abgeordneten werden bekanntlich vom Volk gewählt, sie hätten „sehr hohe Freiheitsgrade“, seien selbstbewusst und erstmal nur den Wähler*innen sowie laut Verfassung ihrem Gewissen verpflichtet. Und: „Ich bin zwar die Fraktionsvorsitzende, ich habe aber keine disziplinarische Führung“, sagte Schulze. 

Gute Kommunikation als Führungsaufgabe

Umso wichtiger sei es aus ihrer Sicht, „anders zu führen“: Einbinden, erklären, mitnehmen, inspirieren, den Teamgedanken pflegen, Kolleg*innen eine Bühne bieten, gemeinsam Ideen entwickeln. Gute Kommunikation sei daher eine zentrale Aufgabe von Führungskräften. 

Katharina Schulze nannte hier den früheren US-Präsidenten Barack Obama als Vorbild. Der sei ein guter Kommunikator, könne inspirieren, Hoffnung versprühen, Mut geben. Die Fraktionsvorsitzende: „Diese Eigenschaften werden für Führungspersonen auch außerhalb der Politik immer wichtiger, weil die Zeiten komplexer, vielschichtiger und die Anforderungen der Menschen, der Wähler*innen oder der Mitarbeiter*innen anders geworden sind.“

Wie aber kann nun nachhaltige Führung aussehen? Ausgehend von Definitionen der Brundtland-Kommission und der Agenda 21sei Nachhaltigkeit ein Zielbündel, das ökologische, soziale und ökonomische Ziele gleichermaßen anstrebt. Führungskräfte sollten sich laut Katharina Schulze nicht nur darum kümmern, dass ökonomische Ziele erreicht werden. Mindestens gleichwertig seien ökologische Ziele (z.b. Reduzierung des Verbrauchs von Rohstoffen, Erreichen der Klimaneutralität) und soziale Ziele (z.B., dass Mitarbeiter*innen langfristig leistungsfähig, motiviert und gesund bleiben). Nachhaltige Führungskräfte blickten über den unmittelbaren, kurzfristigen Gewinn hinaus und sähen die Rolle ihrer Organisation in einem größeren Zusammenhang. 

Kreativität ist gefragt

Auf dem Weg von der Industrie- zur Wissensgesellschaft sei die Kreativität von Mitarbeiter*innen stärker gefragt. Der Fachkräftemangel treffe jetzt schon die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und den Gesundheitsbereich, besonders in Süddeutschland und den neuen Bundesländern spitze sich die Lage zu. Die alternde Gesellschaft als Teil des demografischen Wandels verstärke die Engpässe. Und die sogenannte Generation Z der um die Jahrtausendwende geborenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen strebe eher nach Selbstverwirklichung und freier Entfaltung, statt nach Führungspositionen. Karriere werde erst dann ein wichtiges Thema, wenn die Generation Z einen höheren Sinn in der Arbeit erkennt. Deshalb sind Schulze zufolge Themen wie Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility besonders wichtig und „ein Touchpoint, der für das Employer Branding der Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnen sollte“.

Moderne Führungskräfte sind sich in den Augen der Politikerin ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst, begreifen Kommunikation als Schlüssel, können Sinn vermitteln, stärken Mitarbeiter*innen, kultivieren Freiheitsgrade für Kreativität und begreifen Diversität als Chance. Und vor allem: „Führungskräfte in Unternehmen müssen Nachhaltigkeit zu ihrem persönlichen Projekt machen“, sagte Katharina Schulze. 

Die Vortragsreihe „Lectures in Leadership“ wurde im Frühjahr 2015 als gemeinsame Veranstaltung von mehreren Professor*innen der OTH Regensburg und der Universität Regensburg, der Leadership Group, ins Leben gerufen. Bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sprechen zu aktuellen wirtschaftspolitischen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen aus dem Bereich der Unternehmensführung. 

Prof. Dr. Carina Braun von der Fakultät Betriebswirtschaft gehört zur Leadership Group und moderierte im Anschluss an Schulzes Vortrag eine angeregte Diskussionsrunde mit der Politikerin. Fehlerkultur, klassisches Rollenverhalten, Lobbyismus, 10-H-Regel, Gesundheitssystem,  Bundeswehr und natürlich eine moderne Definition des Führungsbegriffs – Studierende, Lehrende und Vertreter*innen aus der Wirtschaft nutzten eifrig die Gelegenheit zum Austausch mit der Fraktionsvorsitzenden.

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