“If you're going through hell, don't stop”

11.05.2022
Von: Prof. Dr. Thomas Falter, Michael Hitzek

Bei Veränderungsprozessen darf man „nicht in der Mitte stehen bleiben“: Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser sprach bei den "Lectures in Leadership" vor rund 300 Zuhörer*innen über Transformation am Beispiel Siemens.

Joe Kaeser (2.v.li.) wurde in Regensburg in Empfang genommen von (v.li.) Prof. Dr. Ralph Schneider, Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, und von Prof. Dr. Michael Dowling von der "Leadership Group".

Joe Kaeser (2.v.li.) wurde in Regensburg in Empfang genommen von (v.li.) Prof. Dr. Ralph Schneider, Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, und von Prof. Dr. Michael Dowling von der "Leadership Group".

Joe Kaeser: „Führung ist jedoch nur ganz selten ein basisdemokratischer Prozess." Fotos: OTH Regensburg/Michael Hitzek

Joe Kaeser: „Führung ist jedoch nur ganz selten ein basisdemokratischer Prozess." Fotos: OTH Regensburg/Michael Hitzek

“If you're going through hell, don't stop.” Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hat bei den „Lectures in Leadership“ von Universität und OTH Regensburg vor rund 300 Zuhörer*innen gesprochen. Sein Thema: „Von der Tradition in die Zukunft – Die Transformation eines Industrie-Konglomerats am Beispiel Siemens“. Eine klare Botschaft: Bei Veränderungsprozessen dürfe man „nicht in der Mitte stehen bleiben“.

Joe Kaeser ist Alumnus der OTH Regensburg

Kaeser, inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens Energy AG und der Daimler Truck Holding AG, hatte von 1977 bis 1980 an der OTH Regensburg (damals noch Fachhochschule Regensburg) Betriebswirtschaft studiert. Für den gebürtigen Niederbayern war der Auftritt in Regensburg quasi ein Heimspiel.

Nach der Einführung durch Prof. Dr. Michael Dowling begrüßte Präsident Prof. Dr. Udo Hebel (Universität Regensburg) die Gäste, Prof. Dr. Ralph Schneider, Präsident der OTH Regensburg, stellte die wichtigsten Stationen aus der Vita von Joe Kaeser vor.

Der ehemalige CEO von Siemens startete seinen Vortrag mit einem Zitat seines früheren Konkurrenten Jack Welch von General Electric: „Fix, close or sell“. Wie er zusammen mit seinem Team diese für jedes Unternehmen relevanten Entscheidungen für die verschiedenen Unternehmensbereiche von Siemens gelöst hat, dafür brachte Kaeser zahlreiche Beispiele. Eine Botschaft lautete, in Transformationsprozessen dürfe man trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen „nicht in der Mitte stehen bleiben“.

Die "Vision 2020" bei Siemens

Joe Kaeser schilderte sehr lebhaft, wie er als neu eingesetzter CEO im Jahre 2013 mit den unterschiedlichen Erwartungen der Stakeholder umgegangen sei. Der Zustand des Unternehmens damals war alles andere als optimal, eine Strategiewende dringend nötig. Es entstand die „Vision 2020“ mit den Kernpunkten „Leistungsfähigkeit steigern“, „Kerngeschäft stärken“ und „weiterwachsen“. Es galt, bei Aktionär*innen, Analyst*innen und Mitarbeitenden gleichermaßen Vertrauen für die zwingend erforderliche Transformation zu gewinnen.

Das Management eines Industrie-Konglomerates dieser Größenordnung lebt im ständigen Spagat, Neues in die Welt bringen zu müssen, um fit für die Zukunft zu sein, gleichzeitig Traditionalist*innen durch Kontinuität nicht zu verlieren – und dabei auch noch auf die spezifischen Herausforderungen wie Digitalisierung, Energiewende und Veränderungen des Gesundheitswesens einzugehen.

Reputation ist wichtiger als Aktienkurse

Die Arbeit in diesem Umfeld verlangt Führungskräften hohe Flexibilität, sehr viele persönliche Zugeständnisse und Leidenschaft ab. Kaeser gab den Teilnehmer*innen drei zentrale Botschaften mit, die ihn als Führungskraft geleitet haben.

1. Es ist wichtig die Menschen mitzunehmen, zu überzeugen. „Führung ist jedoch nur ganz selten ein basisdemokratischer Prozess“, so Kaeser.

2. „Synergien schaffen kein Wachstum, Fokus schon.“ Siemens habe sich in der Ära Kaeser „aus einem Konglomerat in ein fokussiertes Industrieunternehmen verwandelt“, so sein Nachfolger Roland Busch einem Bericht des Tagesspiegels zufolge.

3. Aktienkurse sind wichtig, aber die Reputation bei Kunden, Lieferant*innen und Mitarbeitenden, die Art und Weise, wie ein Unternehmen in der Gesellschaft wahrgenommen werde, sei noch wichtiger. Als CEO, der den Aktienkurs wieder auf die richtige Höhe gebracht hat, und als Lenker eines Unternehmens, das in den Jahren 2016 bis 2020 fünfmal in Folge auf Platz 1 der Liste der „world’s most admired companies“ des Fortune Magazines gelandet ist, hatte Joe Kaeser gezeigt, dass das kein Widerspruch sein muss.  

Die vielen Beiträge in der abschließenden Diskussion zeigten das hohe Interesse der Teilnehmer*innen an diesem Thema und wie wichtig es ist, den Transfer zwischen Hochschulen und Unternehmen kontinuierlich zu gestalten.

Über die "Lectures in Leadership"

Die Vortragsreihe „Lectures in Leadership“ wurde im Frühjahr 2015 als gemeinsame Veranstaltung von mehreren Professor*innen der OTH Regensburg und der Universität Regensburg ins Leben gerufen. Bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sprechen zu aktuellen wirtschaftspolitischen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen aus dem Bereich der Unternehmensführung. Joe Kaeser und das aktuelle Thema Transformation lockten etwa 300 Zuhörer*innen an. Studierende und Professor*innen ebenso, wie Siemens-Mitarbeiter*innen und Interessierte aus der Gesellschaft.

Zurück