Gastdozentin aus Norwegen mit Beispielen aus der Sozialen Arbeit

27.11.2019
Von: Prof. Dr. Martina Ortner

Vom 4. bis 15. November 2019 war die Norwegerin Maren Stinessen Bøe zu einem Gastaufenthalt in Regensburg. Hier gab sie auch Einblicke in die grenzüberschreitende Soziale Arbeit, und das lebendig und abwechslungsreich.

Gastdozentin Maren Stinessen Bøe aus Norwegen war vom 4. bis 15. November 2019 für einem Lehrauftrag an der OTH Regensburg, wo sie unter anderem über konkrete Projekte aus der Sozialen Arbeit sprach und die Studierenden mit ihrer lebendigen Darstellung begeisterte.

Gastdozentin Maren Stinessen Bøe aus Norwegen war vom 4. bis 15. November 2019 für einem Lehrauftrag an der OTH Regensburg, wo sie unter anderem über konkrete Projekte aus der Sozialen Arbeit sprach und die Studierenden mit ihrer lebendigen Darstellung begeisterte. Foto: Katharina Scheidig

Mit vollem Terminkalender startete Maren Stinessen Bøe ihren Lehrauftrag und ihr Vortragsprogramm an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). 13 Studierende diskutierten zwei Wochen lang darüber, wie sich Minderheiten und ausgegrenzte Menschen erreichen ließen. Konkret ging es um eine Situationsanalyse, den Capability-Ansatz und eine partizipative Evaluation aus intersektionaler Perspektive. 

Projekt für rumänische Roma als Beispiel

Am Beispiel eines Projekts für rumänische Roma, zeigte die Referentin auf, wie Soziale Arbeit dazu beitragen kann, dass Menschen wieder gesehen und beteiligt werden. „Die Studierenden diskutierten so begeistert aus ihren internationalen Perspektiven. So kamen taiwanesische, kosovarische, bolivianische und deutsche Studierende in intensive Auseinandersetzung über Mechanismen der Zuschreibungen und Ausgrenzungen“, berichtete Maren Stinessen Bøe über die englischsprachige Lehrveranstaltung.

Mit Straßenuniversitäten, einer Suppenküche, Empowerment-Workshops und durch viele Einzelgespräche konnte die Zielgruppe durch mehrsprachige Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erreicht werden. Die Angebote zur Deckung der wichtigsten Basisbedürfnisse wurden begleitet von Bildungsangeboten. Hinzu kamen bislang Ausflüge ins Norwegische Parlament und zu König Harald. Dort sprachen die Delegierten eine Einladung aus und prompt kamen Kronprinz Haakon und seine Frau Mette-Marit in die Suppenküche, um vor Ort mit den Betroffenen zu essen und ihnen zuzuhören. 

Für die Frauen war daneben die Beteiligung am Internationalen Frauentag am wichtigsten, so die Referentin. Sie hielten Schilder hoch, auf denen stand: „Wir sind nicht unsichtbar.“ Der Ansatz der Einrichtung ist so erfolgreich, dass sogar der rumänische Botschafter das Gespräch mit Maren Stinessen Bøe suchte, um die Situation der Roma besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine Veränderung in Rumänien zu entwickeln.

Vielseitiger fachlicher Austausch

Die Referentin kam im a.a.a. e. V., also dem „Arbeitskreis Ausländische Arbeitnehmer - Initiativen für Menschen mit Ein- und Zuwanderungshintergrund“, mit Menschen aus der Praxis und Interessierten in einen fachlichen Austausch, im „Gesprächskreis Rechtsextremismus“ an der Fakultät mit Studierenden aller Semester und in der Lehrveranstaltung „Gesellschaft und Migration“ mit Studierenden des berufsbegleitenden Studiengangs Soziale Arbeit (BABS).

„Die Referentin hat mit ihrer beeindruckenden Energie die Studierenden für einen Perspektivenwechsel begeistert, der sie darüber die unbeschreiblich prekäre Lebenssituation der rumänischen Roma verstehen ließ“, resümierte Prof. Dr. Martina Ortner von der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften.

Wissenschaftlerin mit transnationaler Perspektive

Die Gastwissenschaftlerin profitiert mit Blick auf die Gruppe der Roma von ihren mehrjährigen Praxiserfahrungen in der niedrigschwelligen Kirkens Bymisjon (Church City Mission) und ist zudem Mitglied eines Expertengremiums der Europäischen Union zur Mobilität europäischer Roma. Als Research Assistant an der University of Salford, Manchester, führte sie eine empirische Forschungsarbeit zur Lebenssituation der Roma durch. Sie spricht fließend vier Sprachen und hat sich Rumänisch für ihr Forschungsprojekt und die praktische Arbeit angeeignet. Sie verkörpert dadurch auch als Person eine transnationale Perspektive.

Maren Stinessen Bøe bot abschließend die Einrichtung Kirkens Bymisjon (Church City Mission) in Oslo als Praktikumsplatz an, was in einem nächsten Schritt möglicherweise angebahnt werden kann.

Auf Initiative und gemeinsam mit Amelie Altenbuchner vom a.a.a. e. V. (Initiativen für Menschen mit Ein- und Zuwanderungshintergrund) organisierte Prof. Dr. Ortner den Besuch und die Aktivitäten. Finanziell ermöglicht wurde der Gastaufenthalt durch die Frauenbeauftragte der Hochschule, organisatorisch unterstützt vom Akademischen Auslandsamt.

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