Der Mensch im Mittelpunkt von Change-Management

11.11.2019
Von: Prof. Dr. Sabine Jaritz

Wie kann man bei Veränderungen im Unternehmen die Betroffenen bestmöglich verstehen und sie durch den Veränderungsprozess begleiten? Fragen wie diese waren Thema eines interaktiven Vortrags an der Fakultät Betriebswirtschaft.

Von links: Christina Winterl und Theresa Jänker von KPMG bei ihrem Gastvortrag an der OTH Regensburg.

Von links: Christina Winterl und Theresa Jänker von KPMG bei ihrem Gastvortrag an der OTH Regensburg.

Nach einer kurzen Einführung lernten die Studierenden die drei Prinzipien des Design Thinking-Prozesses praktisch kennen.

Nach einer kurzen Einführung lernten die Studierenden die drei Prinzipien des Design Thinking-Prozesses praktisch kennen. Fotos: Prof. Dr. Sabine Jaritz

Was sind Veränderungen? Wie wirken diese auf Individuen? Und wie kann man bei Veränderungen im Unternehmen die Betroffenen bestmöglich verstehen und diese dann durch den Veränderungsprozess begleiten? Fragen wie diese waren Thema eines interaktiven Vortrags, zu dem die Fakultät Betriebswirtschaft der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) Theresa Jänker und Christina Winterl von KPMG eingeladen hatte.

Vortrag über Change-Management in der Praxis

Am 22. Oktober 2019 hielten Theresa Jänker und Christina Winterl von KPMG, eines der weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen, vor über 30 Studierenden einen interaktiven Vortrag, bei dem das Veränderungsmanagement in der Praxis im Fokus stand. Der Gastvortrag war in die Change-Management-Vorlesung im Master-Studiengang Betriebswirtschaft von Prof. Dr. Sabine Jaritz eingebettet.

Die zunehmende Digitalisierung, innovative Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie disruptive Geschäftsmodelle erhöhen den Wettbewerbsdruck in sämtlichen Branchen und erfordern ein Umdenken in den Unternehmen, und zwar hin zu mehr strategischer Agilität. Die Anpassungsfähigkeit an veränderte Rahmenbedingungen ist demnach in der heutigen Welt ein zentraler Erfolgsfaktor.

Mit Theresa Jänker und Christina Winterl konnten zwei Referentinnen gewonnen werden, die als KPMG-Consultants Veränderungsprojekte bei namhaften Unternehmen begleiten. Nach einer kurzen Unternehmensvorstellung ging es in medias res: Die Studierenden mussten auf Klebezetteln verschiedene Fragen im Zusammenhang von Veränderung beantworten. 

Drei Prinzipien des Design Thinking

Hierzu führten die Referentinnen drei Design Thinking-Prinzipien ein. „Quantity is key“, lautete das erste Prinzip. Es geht darum, möglichst viele Gedanken und Antworten in kurzer Zeit zu finden und nicht ewig über eine möglichst perfekte Antwort nachzudenken. Das zweite Prinzip „Do! Don’t talk“ forderte die Studierenden zum aktiven Schreiben auf. Mit dem dritten Prinzip „Dare to be wild“ sollten die Studierenden dazu animiert werden, auch kreative Antworten aufzuschreiben. Für diese Aufgabe hatten die Teilnehmenden eine „Time Box“ mit einer Minute Zeit. 

Im Anschluss wurden die Ergebnisse kurz diskutiert. Die zentrale Erkenntnis: dass Veränderungen vielfältig sind und dass diese sich auf Einzelpersonen sehr unterschiedlich auswirken. So gibt es auf der einen Seite Personen, die Veränderungen lieben und mit Anpassungen kein Problem haben, und auf der anderen Seite solche, die ein beständiges Umfeld schätzen und auf Veränderungen tendenziell eher mit Widerstand reagieren.

„Faktor Mensch“ als wichtiger Faktor

Diese Erkenntnis gilt für jedes Veränderungsprojekt im Unternehmensumfeld: Veränderungen sind nur dann erfolgreich, wenn es ein Unternehmen schafft, die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Veränderungsprozess mitzunehmen. Der „Faktor Mensch“ ist nicht nur wichtiger Bestandteil bei Veränderungen, sondern gleichzeitig ein kritischer Erfolgsfaktor.

Der „Faktor Mensch“ wird bei Veränderungsprojekten im Rahmen des sogenannten „Stakeholder Management“ adressiert. Um die von der Veränderung Betroffenen besser zu verstehen, haben die beiden Referentinnen den Personas-Ansatz aus dem Design Thinking vorgestellt, der im Anschluss von den Studierenden bei einer Case Study angewendet wurde.

Es galt, sich tief in fiktive Personas, die die Betroffenen darstellen, hineinzuversetzen und verschiedene Fragen aus Sicht der Persona zu beantworten. Was denkt eine Person? Wie fühlt sie? Was mag sie? Was sind ihre Eigenschaften? Diese Art von Fragen mussten die Studierenden in Gruppenarbeit für vorgegebene Personas beantworten.

Auf diesem gemeinsamen Verständnis aufbauend, können entsprechende Maßnahmen entwickelt werden, mit deren Hilfe die verschiedenen Stakeholder bei einem Veränderungsprojekt unterstützt werden können.

Change-Management in der Praxis

Nach der Case Study berichteten die Gastreferentinnen zudem von beispielhaften Change-Management-Maßnahmen aus der Praxis, bei denen Betroffene zu Beteiligten gemacht wurden. „Nicht nur kommunizieren, sondern auch involvieren“, lautete die abschließende Kernbotschaft.

Die Studierenden konnten durch den packenden Vortrag und die interaktive Case Study eindrücklich erfahren, wie man den „Faktor Mensch“ bei Veränderungsprojekten berücksichtigt. Abschließend stellten Theresa Jänker und Christina Winterl noch die verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten bei KPMG vor.

Gastvorträge wichtig für praxisorientierte Lehre

Die Integration von Gastvorträgen ist ein wichtiger Bestandteil der praxisorientierten Lehre an der OTH Regensburg. Die Studierenden erfahren hierbei, wie das in den Vorlesungen Erlernte in der Unternehmenspraxis umgesetzt und gelebt wird.

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