Bayerisches Staatsministerium fördert Forschungsprojekt Reha-/TI-Konsil

29.01.2021
Von: Simone Böttger, Prof. Dr. Georgios Raptis, Prof. Dr. Sonja Haug

Erfolgreiche Übergabe des Förderbescheids: Das Regensburger Forschungsprojekt Reha-/TI-Konsil ist bislang einmalig in Deutschland und kann sich über die Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege freuen.

Bei der offiziellen Förderbescheidübergabe. Von links: Prof. Dr. Georgios Raptis und Prof. Dr. Sonja Haug von der OTH Regensburg, Sean Monks von der Ärzte im Netz GmbH und Klaus Holetschek, Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege.

Bei der offiziellen Förderbescheidübergabe. Von links: Prof. Dr. Georgios Raptis und Prof. Dr. Sonja Haug von der OTH Regensburg, Sean Monks von der Ärzte im Netz GmbH und Klaus Holetschek, Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege. Foto: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Im Labor eHealth der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) wird gemeinsam mit dem Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung der optimale Anschluss von Rehabilitationseinrichtungen an die Telematik-Infrastruktur (TI) und die Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten erprobt, um so Erfahrungen im Sinne von Best Practice weitergeben zu können. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderte Projekt ist bisher einmalig in Deutschland.

Die TI bietet eine sichere Vernetzungsplattform im deutschen Gesundheitswesen. Die Mehrheit der Arztpraxen ist bereits an die TI angeschlossen. Für Rehabilitationseinrichtungen erfolgt eine Anbindung auf freiwilliger Basis.  

Defizit an geregelter Vernetzung zwischen Reha und Hausarztpraxis

Elementares Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen ist es, Patient*innen wieder in ihr gewohntes Lebens- und Arbeitsumfeld zu integrieren, ihnen eine "Leistung zur Teilhabe" zukommen zu lassen. Es besteht jedoch derzeit keine geregelte Vernetzung zwischen stationären Reha-Einrichtungen und niedergelassenen Ärzt*innen, welche die Patient*innen betreuen. Zudem sehen sich viele Hausärzt*innen weder als Lots*in noch als Partner*in der medizinischen Rehabilitation. Auch Nachsorgeleistungen werden häufig nicht in Anspruch genommen.

Gründe hierfür können die fehlende Kenntnis über vorhandene Angebote vor Ort und die oftmals fehlende Anbindung der Hausärzt*innen an die empfohlenen Maßnahmen durch Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation sein. Bei vielen Patient*innen kann also die Nachhaltigkeit und Effektivität der Reha-Maßnahmen verbessert werden, wenn eine bessere Koordination zwischen den behandelnden Ärzt*innen in der Reha-Einrichtung und den niedergelassenen Kolleg*innen sichergestellt werden kann.

Bessere Weitergabe medizinischer Informationen bringt bessere Nachsorge

Ziel des Projekts ist es daher, jene medizinischen Informationen, die behandelnde Ärzt*innen vor einer Reha-Maßnahme erhoben haben, sowie Informationen aus einer Reha-Maßnahme bei Entlassung an die nachsorgenden Ärzt*innen weiterzugeben. So können Informationsdefizite ausgeglichen und die Zusammenarbeit sichergestellt werden.

Im Rahmen des Projekts sollen daher an den Standorten Bad Kötzting, Bad Gögging und Bad Kissingen bis zu sechs Rehabilitationseinrichtungen an die TI angebunden werden. Kernanwendungen der TI wie die Kommunikation im Medizinwesen (KIM) sollen im Rahmen der medizinischen Rehabilitation getestet werden. Außerdem soll durch den Einsatz einer zielgerichteten Anwendung (Reha-Konsil) eine bessere Vernetzung der beteiligten Akteur*innen – etwa bei der Zuführung zu stationären Reha-Maßnahmen durch die Hausärzt*innen sowie die effektive ambulante Weiterversorgung von Patient*innen nach abgeschlossener Reha durch die Hausärzt*innen – ermöglicht und Kosten sowie Nutzen der Anwendung evaluiert werden. 

Wie gut digitalisiert sind die Reha-Einrichtungen in Bayern?

Ferner soll im Rahmen des Projekts eine Bestandsaufnahme über den Grad der Digitalisierung von Reha-Einrichtungen in Bayern und über ihre Fähigkeit des Anschlusses an die TI und der Nutzung von TI-Anwendungen erstellt werden. Hierzu werden Workshops mit unterschiedlichen Stakeholdern und eine Befragung durchgeführt. Darauf aufbauend sollen Handlungsempfehlungen zur Steigerung des Digitalisierungs- und Vernetzungsgrades der bayerischen Reha-Einrichtungen abgeleitet werden.

Mit dem Projekt setzt die Bayerische Staatsregierung einen Beschluss des Bayerischen Landtags um und stärkt somit die Rehabilitationseinrichtungen in Bayern im Bereich Digitalisierung.

Reha-/TI-Konsil: gut vernetztes Forschungsprojekt

Das Projekt Reha-/TI-Konsil wird an der OTH Regensburg von Prof. Dr. Georgios Raptis (Projektleiter, Labor eHealth) und Prof. Dr. Sonja Haug (Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung) durchgeführt. Beide sind Mitglied im Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST), Prof. Dr. Raptis ist zudem stellvertretender Direktor des Regensburg Center of Biomedical Engineering (RCBE). Industrieller Projektpartner ist die Monks Ärzte-im-Netz GmbH, telemedizinischer Dienstleister für ärztliche Berufsverbände. 

Das Projekt arbeitet eng mit dem Bayerischen Hausärzteverband, der Deutschen Rentenversicherung in Bayern und dem Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern zusammen. Damit werden einerseits die wissenschaftlich-medizinische Qualität des Projekts sichergestellt und andererseits die Anforderungen der Hausärzt*innen und der Reha-Kliniken berücksichtigt. Der Förderbescheid für das Projekt wurde am 26. Januar 2021 durch den Bayerischen Staatsminister für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek MdL, übergeben.

 

Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST)

Das Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST) ist eine fakultätsübergreifende Forschungseinrichtung der OTH Regensburg, die von der Bayerischen Staatsregierung maßgeblich unterstützt wird. Das RCHST bündelt umfangreiche Expertise und Aktivitäten in Lehre, Forschung und Weiterbildung in den Bereichen Medizintechnik, Medizinische Informatik, Gesundheits- und Sozialwissenschaften sowie Ethik und Technikfolgenabschätzung und entwickelt sie weiter. Die OTH Regensburg greift damit aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Aufgabenstellungen wie die demografische Entwicklung in Deutschland, den medizinisch-technischen Fortschritt, die Digitalisierung in der Medizin sowie das wachsende Gesundheitsbewusstsein auf.

Das RCHST wurde 2017 gegründet und setzt sich derzeit aus zwölf Mitgliedslaboren zusammen. Es wird von einem wissenschaftlichen Direktorium geleitet, unterstützt von der RCHST-Geschäftsstelle. Für Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an das RCHST.

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