Arbeitsbedingungen und Interessenvertretung von Pflegekräften in Bayern

Das Projekt befasst sich mit dem bezahlten Pflegebereich und analysiert die Arbeitsbedingungen und die Praxis der Interessenvertretung der Pflegekräfte in Bayern. Dabei werden die unterschiedlichen Arbeitsfelder der Kranken- und Altenpflege fokussiert, also der stationäre Bereich, die ambulante Pflege und die bezahlte häusliche Pflege. Ausgehend von den Arbeitsbedingungen, die sich in allen Bereichen der Pflege als prekär darstellen, sollen die Bedingungen der Vergeschlechtlichung bezahlter Pflegearbeit zum Ausgangspunkt der Analyse gemacht werden; nicht nur weil die Tätigkeiten überwiegend von Frauen verrichtet werden, sondern auch weil die Anforderungen an die Arbeit und die konkrete Umsetzung in hohem Maße mit einem gender code verknüpft sind. Diesen gilt es zu entschlüsseln und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in die Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu integrieren.
Diese genderorientierte Perspektive wird mit einer arbeitspolitischen Perspektive verknüpft: Wie kann gewährleistet werden, dass die Interessen der Pflegekräfte zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen angemessen, ziel- und konfliktorientiert von den pflegerischen Organisationen und Interessenverbänden vertreten werden? Welche berufs- und organisationsbedingten sowie prozessualen Bedingungen sind für bisher eher defensive Interessenpolitik verantwortlich?
Die Studie setzt an der Perspektive der Pfleger_innen an, wobei die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Bedürfnisse der zu Pflegenden korrespondierende Variablen darstellen, die auf die Interessen und die Möglichkeiten der Interessenvertretung einwirken bzw. in einem Wechselverhältnis stehen.

Die Laufzeit des Projektes geht vom 1. Juni 2015 - 31. Mai 2019. Das Projekt ist im Forschungsverbund ForGenderCare angesiedelt (s. Kooperationen), das bayernweit und interdisziplinär verschiedene Perspektiven auf Gender und Care in sich wandelnden Zeiten und Gesellschaften bündelt.

Projektleitung:

Prof. Dr. Clarissa Rudolph

Seit 2011 Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie an der OTH Regensburg. 2002-2011 diverse Forschungsprojekte zum Bereich Arbeit und Geschlecht und zur Frauen- und Gleichstellungspolitik. Aktuelle Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, Gender und Care, soziale Ungleichheiten, Gleichstellungspolitik, Rechtsextremismus, Bildungspolitik.

Projektmitarbeiterin:

Katja Schmidt

Masterstudium der Angewandten Sozialwissenschaften an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München
mehrjährige Berufstätigkeit als Sozialpädagogin, Interims-Geschäftsführerin und Freiwilligenbeauftragte in verschiedenen Einrichtungen des Sozial- und Pflegesektors
Diplomstudium der Sozialpädagogik an der Hochschule München, studentische Hilfskraft an der Hochschule München und am ISF München
Ausbildung zur Bankkauffrau  
Zusatzqualifikation: Freiwilligenmanagement

Studentische Hilfskräfte

Annika Hrubesch

Masterstudentin "Inklusion und Exklusion" an der OTH Regensburg

Wolfgang Keim

Masterstudent "Inklusion und Exklusion" an der OTH Regensburg
 

Aktuelle Veranstaltungen

Vortragsreihe: Gender und Care. Debatten, Bedingungen und Perspektiven.

Öffentliche Vortragsreihe im Wintersemester 2017/2018, Dienstags, 18.30-20.00h, Raum S 322, Seybothstraße 2

Programm

Care – Fürsorge – durchzieht alle Bereiche des Lebens und betrifft jede und jeden. Gleichwohl mangelt es den Care-Tätigkeiten und ihren Bedingungen an gesellschaftlicher Wahrnehmung und Anerkennung. Das ist fatal, da immer häufiger die Frage virulent wird, wer überhaupt noch Care leistet und zu welchen Bedingungen.

Die Gründe für die unzureichenden Bedingungen finden sich in den ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten – und in den Vergeschlechtlichungsprozessen, die Care zugrunde liegen und die von Care ausgelöst werden.

In der Vortragsreihe beschäftigen wir uns mit ausgewählten Aspekten dieser mehrdimensionalen Prozesse. Dabei verfolgen wir das Ziel, die aktuellen Debatten dazu abzubilden und weiterzuführen und damit auch die gesellschaftliche Bedeutung von Care sichtbar zu machen.

frühere Veranstaltungen

Tagung: "FemiCare & MaskuWork - Geschlechtlichkeiten im Feld der Sorgearbeit"

am 17. und 18. November 2016 in Landshut

Eine Tagung, zwei Themenfelder, drei Gesellschaftsbereiche:

Expert_innen aus Praxis, Politik und Wissenschaft diskutieren im Rahmen der Tagung „FemiCare& MascuWork – Geschlechtlichkeiten im Feld der Sorgearbeit“ aktuelle Dynamiken um Gender (Geschlecht) und Care (Fürsorge). Praxisbeispiele reichen dabei vom Ruf nach mehr Männern in Pflege- und Erziehungsberufen bis zu Erfahrungen von Migrantinnen in Haushalten in Deutschland als Pflege- und Reinigungskräfte. Transkulturelle, inklusionsrelevante und gleichgeschlechtliche Familien- und Lebensformen werden ebenso thematisiert wie historische Veränderungen und Auswirkungen technischer Neuerungen im Feld der Fürsorge. Beiträge aus unterschiedlichen Praxisfeldern, aus Politik und Verbänden und Wissenschaft vertiefen in einzelnen Panels unter anderem folgende Fragen:

 • Welche Brüche und Kontinuitäten werden aus historischer Perspektive sichtbar? War Fürsorge „immer schon Frauensache“?

 • Welche Vorstellungen von Männlichkeiten und Weiblichkeiten sind in (bezahlte) Care-Arbeit eingeschrieben, welche Veränderungen zeichnen sich gegenwärtig ab?

 • Das Private wird, etwa durch Kinderkrippen, zunehmend ins Öffentliche ausgelagert und das Öffentliche, beispielsweise über Pflege- oder Assistenzdienste, Teil des Privaten. Wie verändern sich Vorstellungen und Alltagserfahrungen von Privatheit und Öffentlichkeit?

 • Welche transkulturellen Perspektiven zeigen sich in den Erfahrungen bezahlter Migrantinnen in Privathaushalten, und transnationalen Familien im Umgang mit kultureller Vielfalt und Alltagsrassismus?

 • Führen staatliche Instrumente wie das Elterngeld zur Exklusion (nicht-traditioneller) Familienrealitäten, wie z.B. Patchwork- oder Regenbogenfamilien? Welche alternativen politischem Maßnahmen werden gegenwärtig diskutiert?

 • Welche Möglichkeiten und Auswirkungen ergeben sich aus dem Einsatz neuer Technologien wie beispielsweise Pflegerobotern?

 

Programm zum Download hier!

 

Tagungsort:

Hochschule Landshut

Am Lurzenhof 1

D-84036 Landshut

 

Preview des Dokumentarfilms "Family Business" am 20.01.2016 im Monopol Kino, München

 Einführungsveranstaltung „who cares" am 01. Oktober 2015 an der OTH Regensburg, Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften

 Tagung „Was ist Care" am 12.+13. Juni 2015 in Tutzing

Auth, Diana/Rudolph, Clarissa (Gastherausgeberinnen) 2017: Care im (sozialinvestiven) Wohlfahrtsstaat. Schwerpunktheft der Femina Politica, 26. Jg., 2/2017.

Auth, Diana/Rudolph, Clarissa 2017: Care im sozialinvestiven Wohlfahrtsstaat - Mehr Geschlechtergerechtigkeit oder mehr Krise? Einleitung. In:  Auth,Diana/Rudolph, Clarissa (Gastherausgeberinnen): Care im (sozialinvestiven) Wohlfahrtsstaat. Schwerpunktheft der Femina Politica, 26. Jg., 2/2017, S. 9-19.

Schmidt, Katja 2017: Who cares? Strukturelle Ungleichheiten in den Arbeits- und Berufsbedingungen der Pflege - Empirische Ergebnisse zu den Deutungs- und Bewältigungsmustern von Pflegekräften. In: Auth, Diana/Rudolph, Clarissa (Gastherausgeberinnen): Care im (sozialinvestiven) Wohlfahrtsstaat. Schwerpunktheft der Femina Politica, 26. Jg., 2/2017, S. 89-101.

Deutsche Gesellschaft für Soziologie, Blogbeitrag „Pflegepolitik und gesellschaftlicher Fürsorgeverantwortung"

Forschungsverbund ForGenderCare

Teilprojekte

Gender & Care in den Medien: Computergestützte Textanalysen zur Darstellung von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern in Schulbüchern sowie in der Kinder- und Jugendliteratur, Universität Regensburg

‚Heute nicht mehr, und wenn auf'm Land‘ –Vorstellungen junger Erwachsener (in Bayern) zur Gestaltung von Fürsorge, LMU München

Sich um (sich und) andere sorgen. ‚Care‘ - als grundlegendes Prinzip einer kritisch-dekonstruktiven Ethik, LMU München

Mütter für den Staat: Weiblich konnotierte Sozialarbeit als historisches Legitimationsmuster auf dem Weg zur Gleichberechtigung? (1890-1919 / 1945-1960), Universität Augsburg und Universität der Bundeswehr München

Care aus der Haushaltsperspektive. Das Beispiel Pflege alter Menschen in der Großstadt, HAW München und Frauenakademie München 

Care-Praxen von Vätern in Bayern: Fürsorgeverhalten und Paardynamiken bei der Nutzung des Elterngelds, HAW Landshut und DJI München

Fördert Fürsorge für Angehörige fürsorgliche Führung? TU München

Die Sorge um die Fürsorge: bis zum Ende über sich verfügen… Geschlechterspezifische Vorstellungen von Autonomie, Verantwortung und Vulnerabilität, TU München und Universität Augsburg

Einfluss von institutionellen Rahmenbedingungen auf die Lebensqualität von (Alten-) Pflegeheimbewohner_innen, FAU Erlangen-Nürnberg

Genderaspekte in der Robotik zur Altenpflege . Der Einfluss von menschlichen Faktoren auf Aufgabenbereiche, Perzeption des Miteinanders und Mensch-Maschine-Interaktion, Universität Augsburg

Die Rolle einer gender- und diversityorientierten Technikentwicklung bei der Teilhabe von Seniorinnen und Senioren im demografischen Wandel, TU München

Katja Schmidt
Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften
OTH Regensburg
Seybothstraße 2
93053 Regensburg

Tel.: 0941/943-9230

E-Mail: katja.schmidt@oth-regensburg.de

 

Prof. Dr. Clarissa Rudolph
Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie
Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften
OTH Regensburg
Seybothstraße 2
93053 Regensburg

Tel.: 0941/943-9851

E-Mail: clarissa.rudolph(at)oth-regensburg.de