In bester Verfassung zum 50. Geburtstag

Sport und Wissenschaft – das sind die beiden Komponenten, die das Leben von Prof. Dr. Rainer Schliermann prägen.

Jubiläumsgeschichte Prof. Dr. Rainer Schliermann
Foto: OTH Regensburg/Diana Feuerer

Prof. Dr. Rainer Schliermann kann das Jubiläumsjahr der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) auf ganz persönliche Weise feiern: 1971, als die damalige Fachhochschule gegründet wurde, ist nämlich auch sein Geburtsjahr. Und wenn man so will, versinnbildlicht der Professor für Erziehungswissenschaften und sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden auch eine bedeutsame Entwicklung der OTH Regensburg in den vergangenen Jahrzehnten – nämlich die Öffnung der Hochschule im Hinblick auf die Verschiedenartigkeit der Menschen. Die starke Sehbeeinträchtigung von Prof. Dr. Schliermann ist für die Ausübung seines Berufs heutzutage kein Ausschlusskriterium mehr: Mit einem optimal ausgestatteten Büro, das über ein spezielles Kamerasystem mit mehreren Lupen verfügt sowie einer Mitarbeiterin, die ihn bei der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen unterstützt, ist der Alltag an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften für ihn gut zu meistern.

An markanten Punkten prägt er sich den Campus ein

Seit vier Jahren lehrt Prof. Dr. Schliermann an der OTH Regensburg. Kurz nach seiner Geburt erleidet er eine Frühgeborenenretinopathie, die ihn auf dem linken Auge komplett erblinden lässt; auf dem rechten Auge hat er ein geringes Restsehvermögen. Den Campus hat sich Prof. Dr. Schliermann anhand markanter Punkte nach und nach eingeprägt, die Orientierung hier ist für ihn kein Problem mehr. Begonnen hat Prof. Dr. Schliermanns akademische Laufbahn mit einem Studium der Sozialpädagogik an der FH Würzburg-Schweinfurt. Seinen zweiten Abschluss erwarb er an der Universität Bamberg in den Fächern Erziehungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft (Journalistik) sowie Psychologie. In beiden Diplomarbeiten beschäftigte er sich mit der Stressbewältigung bei Fußballtrainern. Dieses Thema verfolgte er auch in seiner Dissertation: Den Dr. phil. in Sportwissenschaft erhielt er im November 2004 für die Entwicklung eines Selbstlernprogramms zur Burnout-Prävention bei Fußballtrainern.

Sportlich aktiv von Kindheit an

Impressionen von den Paralympics 2000 in Sydney.
Foto: Michael Ehrhart

Seine Begeisterung für den Sport kommt nicht von ungefähr: Schon als Kind war er sportlich sehr aktiv, trainierte regelmäßig. Als Mittelstreckenläufer konnte er schließlich seine größten Erfolge feiern: Im Jahr 2000 hat er bei den Paralympics in Sydney (das Foto rechts zeigt Rainer Schliermann mit seinem Begleitläufer Nick Ehrhart) vierte Plätze auf den beiden Mittelstrecken (800 Meter und 1.500 Meter) sowie der 4x400-Meter-Staffel belegt. Auch eine EM-Bronzemedaille kann er vorweisen. Das überaus große Interesse am Sport im Allgemeinen schlug sich letztlich sogar in seiner Habilitation nieder: Als Post-Doc am Arbeitsbereich Sportpsychologie und Sportpädagogik der Universität Halle-Wittenberg setzte er sich mit psychischen Leistungsvoraussetzungen im Rollstuhlbasketball auseinander, was ihm im November 2010 die Ernennung zum Privatdozenten einbrachte. Es folgten Stationen als wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) an der Deutschen Sporthochschule Köln (An-Institut) und eine Vertretungsprofessur für „Exercise Psychology“ bzw. Sportpsychologie an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

Im Sommersemester 2021 hat Prof. Dr. Schliermann ein Forschungsfreisemester. Verschiedene Forschungsarbeiten will er vorantreiben. Unter anderem geht es um ein DAAD-Projekt mit einem Kollegen von der Uni Halle zum Behindertensport in Ägypten und um den Abschluss eines bundesfinanzierten Projektes zum psychologischen Training im Gehörlosen-Spitzensport. Auch die Analyse ausgewählter psychosozialer Kompetenzen bei Studierenden (sozial-)pädagogischer Studiengänge steht auf der Agenda. Ausgleich für die viele Schreibtischarbeit findet Prof. Dr. Schliermann – wie könnte es anders sein – im Sport: Nach mehreren Verletzungspausen trainiert er nun wieder und absolviert regelmäßig sein Lauftraining sowie Kräftigungsübungen.