Gute Seele der Hochschulbibliothek: Helga Ederer

Viele Mitarbeiter*innen unterstützen Studierende im Hochschulalltag. Einige von ihnen, wie z. B. Bibliotheks-Inspektorin Helga Ederer, haben fast ihr gesamtes Berufsleben an der OTH Regensburg verbracht.

Jubiläumsgeschichte Helga Ederer
Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Zwischen Helga Ederers erstem Arbeitstag und heute liegen knapp 40 Jahre; ihren Arbeitsalltag damals und heute aber trennen Welten. In den knapp vier Jahrzehnten hat die Digitalisierung die Arbeitsabläufe in der Bibliothek der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) komplett auf den Kopf gestellt. „Ich kam im Januar 1982 ins Haus“, erinnert sich die Bibliotheks-Inspektorin. „Damals hatten wir Zettelkataloge und Katalogkästen“. Ederer stand an der Theke im Gebäude des heutigen Rechenzentrums und beriet Studierende und Lehrende. Alle, die an der Hochschule Bücher ausleihen, suchen oder für den Bestand kaufen wollte, kannten sie; Ederer war die einzige Fachkraft des damals nur dreiköpfigen Bibliotheksteams im riesigen Lesesaal in der Seybothstraße. In den Ferien war dieser übrigens geschlossen: Dann schrieben am Anfang der Achzigerjahre dort die Jura-Studierenden der Universität ihr Staatsexamen. Ederer gehört überhaupt zu den Mitarbeiter*innen der OTH Regensburg, die die enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Universität über viele Jahre in ihrem Arbeitsalltag buchstäblich lebten. „Die Kolleginnen dort kenne ich schon seit über 30 Jahren“, erzählt sie. Obwohl sie mit damals erst 21 Jahren an die OTH Regensburg kam, brachte sie Erfahrung aus verschiedenen Regensburger Bibliotheken und der Universitätsbibliothek Eichstätt mit. „Ich hatte das Rüstzeug für die EDV- Einführung.“ Als die Idee für einen digitalen Verbundkatalog mit der Universität Regensburg reifte, pflegte sie in arbeitsreichen Jahren Titel-Datensätze ins System ein – mangels einer Datenleitung zwischen beiden Bibliotheken arbeitete sie direkt in der Universitätsbibliothek. „25.000 Datensätze waren das bestimmt über die Jahre“, schätzt Ederer. Zweimal pro Jahr gab es nun auf Mikrofiche den aktualisierten Regensburger Katalog. So kannte sie auch den Bestand der Uni-Bibliothek ziemlich gut, was für die Beratung an der Ausleihtheke wichtig war.

Tiefer Einblick in viele Fachgebiete

Um den Studierenden eine kundige Ratgeberin für die Literaturrecherche zu sein, arbeitete sich die Bücherexpertin tief in die Fachgebiete einzelner Studiengänge ein. In der Betriebswirtschaft etwa entwickelten sich Themenschwerpunkte in der Literatur ebenso weiter wie Lerninhalte im Studium und bildeten damit die aktuellen Trends in der Wirtschaft ab. „Es kamen viele Themen neu hinzu“, erzählt Ederer und nennt etwa Just in Time, Logistik und Marketing. „Um den Weg aufzuzeigen, wie jemand an Informationen kommt, musste ich wissen, wovon er oder sie redet.“

„Heute ist die Recherchemöglichkeit riesengroß, sagt Ederer und verweist auf das Internet. „Es werden bei uns überwiegend komplexere Inhalte nachgefragt.“ Vor etwa 15 Jahren hat sie dann auch ihre Rolle als Ratgeberin getauscht mit dem, was sie „Innendienst“ nennt: die Bibliotheksverwaltung. Sie kümmert sich vorrangig um die Erwerbung neuer Literatur und Finanzthemen. Beim Gang durch den heutigen Lesesaal fühlt sie sich aber noch immer wohl zwischen den vollen Regalen. Bücher sind ihre Leidenschaft, auch privat. „Ein Leben ohne sie kann ich mir nicht vorstellen.“

  • Diese Geschichte ist Teil unseres Jubiläumsmagazins, das im Sommersemester 2021 erscheinen wird.