Lebenswissen aus dem Braulabor

Der Braukurs von Siegfried Schrammel gehört zu den begehrtesten Seminaren der Hochschule.

Jubiläumsgeschichte Braulabor
Foto: OTH Regensburg/Mitch Rue

Wenn der Kurs sechsfach überbucht ist, geben die Studierenden es allmählich auf, sich in die Warteliste einzutragen. „So um die 120 Teilnehmer*innen melden sich meistens an“, erzählt Laboringenieur Siegfried Schrammel. Damit
gehört sein Kurs, in dem er seit etwa 20 Jahren sehr alltagsnah Verfahrenstechnik im Brauprozess vermittelt, zu den begehrtesten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg).

„Mindestens 50 Prozent davon ist Praxis“, erzählt Schrammel. Nach einem theoretischen Teil treffen sich die Studierenden an einem kompletten Samstag zum Brauen. Die Kenntnisse dafür musste sich der Seminarleiter seinerzeit auch erst aneignen, wobei ihm ein Zufall zu Hilfe kam: Schrammels damalige Studentische Hilfskraft war Bierbrauer und vermittelte ihm zwei Jahre lang sein Wissen.

„Anfangs hat es nicht geklappt und es sah aus wie Milchkaffee“, erinnert sich der Laboringenieur. Seit er von Bischofshof ordentliche Hefe bekommt, ist das Ergebnis deutlich besser. Seine Braukünste haben ihn inzwischen bis nach China geführt, wo der an der Partneruniversität Shenzhen Technology University 2018 ein Braulabor aufbaute. Aktuell richtet er an der OTH Regensburg ein neues Labor ein. Noch in diesem Jahr soll er von der Firma Krones drei Mikro-Brauanlagen in Sonderanfertigung bekommen. In Kooperation mit der Ausbildungsabteilung in Neutraubling und Freising werden diese nach den Konstruktionsplänen der Studierenden der Fakultät Maschinenbau gefertigt.

Siegfried Schrammel ist nicht nur ein Urgestein der OTH Regensburg, sondern auch ein Tausendsassa, was seine Interessen angeht. Der Elektrotechnik-Ingenieur und passionierte Amateurfunker kam schon vor mehr als 30 Jahren als Studentische Hilfskraft an die Fakultät Maschinenbau, wo er anschließend Laboringenieur wurde. Seit 1991 hält er als Lehrbeauftragter Praktika und Vorlesungen. Viel Leidenschaft steckt er in Medizintechnik-Projekte. „Mein Antrieb ist es, Menschen zu helfen“, erzählt Schrammel und berichtet von einem Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Bypasses aus Nabelschnur.

Auch wenn es in seinem Braukurs nicht um Menschenleben geht, widmet sich Schrammel auch diesem mit Hingabe. An seinen Brau-Wochenenden kommt er sogar sonntags ins Labor, um die Hefe abzuschöpfen und wenn die verpflichteten
Kurs- und Prüfungstermine erledigt sind, trifft er sich mit den Studierenden nochmal zum Verkosten. Ihm geht es nicht nur um das Fachwissen. Er will den Studierenden auch mitgeben, Dinge kritisch zu hinterfragen und über Disziplingrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Die Teilnehmer*innen kommen aus verschiedenen Studiengängen aller Fakultäten. „Das beflügelt alle sehr“, betont Schrammel, der Wert auf Teamarbeit legt.