Wolbergs spricht vor Studierenden zum Thema Führung

26.05.2014
Von: Diana Feuerer

Erlebnisse als Chef: Oberbürgermeister Joachim Wolbergs berichtete Studierenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) von seinen Erfahrungen zum Thema Führung. Wolbergs war zum fünften Mal Gast in dem AW-Wahlfach "Führungskompetenz".

Joachim Wolbergs

Joachim Wolbergs an der OTH Regensburg: Der neue Oberbürgermeister berichtete den Studierenden von seinen Erfahrungen als Führungskraft.

Die Studierenden Lena Vieracker und Sebastian Groß bedankten sich bei Joachim Wolbergs für seinen Vortrag. Fotos: OTH Regensburg

Blumen für den Oberbürgermeister: Die Studierenden Lena Vieracker und Sebastian Groß bedankten sich bei Joachim Wolbergs für seinen Vortrag.

Bereits zum 5. Mal war Wolbergs Gast im AW-Fach "Führungskompetenz" des Lehrbeauftragten Udo Berke an der OTH Regensburg. Fotos: OTH Regensburg

Von ständiger "Harmoniesoße" hält Oberbürgermeister Joachim Wolbergs nichts. "Führung heißt, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht auch nicht immer jedem gefallen", so Wolbergs bei seinem Vortrag vor 20 Studierenden Anfang Mai an der OTH Regensburg.

Bereits zum fünften Mal war Wolbergs Gast in dem AW-Wahlfach "Führungskompetenz", das der Lehrbeauftragte Udo Berke seit Jahren für Studierende der OTH Regensburg anbietet. Selbstkritisch schilderte Wolbergs seinen Werdegang und seine Erlebnisse als "Chef".

Er habe seine Führungskompetenz im Laufe der Zeit entwickeln können, sie sei gewachsen und mit der Zeit immer schwieriger geworden, so der 43-Jährige. Doch die Leidenschaft für die Arbeit ist dem "frisch gebackenen" Oberbürgermeister nicht abhanden gekommen, wie sein authentischer Auftritt an der OTH Regensburg bewiesen hat.

Als angestellter Geschäftsführer der Alten Mälzerei war er anfangs für 15 Mitarbeiter zuständig, als selbstständiger Geschäftsführer dann für zehn Vollzeitkräfte und für rund 50 450 Euro-Angestellte der angeschlossenen Gastronomie. Seit 1996 ist Wolbergs Stadtrat in Regensburg, als Bürgermeister für Soziales in der Großen Koalition der vergangenen sechs Jahre war er dann für zirka 900 Mitarbeiter verantwortlich. 

Seit 1. Mai 2014 als OB sind es stolze 3.400 Beschäftigte der Stadt und weitere 2.000 Beschäftigte bei kommunalen Tochterunternehmen, für die er Sorge trägt. Im Laufe seines Werdegangs habe er seine Art zu führen verändert, so Wolbergs.

Er stellte den Studierenden einige seiner Leitsätze, die er sich zu Herzen nehme, vor. Er habe immer versucht, Lernender zu sein, und werde das auch weiterhin versuchen, so Wolbergs. Der 43-Jährige macht sich zum Beispiel gern persönlich ein Bild von dem Zustand der Pflege oder den Erfordernissen der Kanalisation.

"Wie eine Familie"

Wolbergs lässt sich manche Angelegenheiten gerne auch direkt von dem entsprechenden Sachbearbeiter erklären. "Jetzt geht das natürlich nicht mehr, ich muss viel wegdelegieren und Vertrauen in die zweite Führungsebene haben", sagte Wolbergs. Er halte sich zwar inzwischen an die Dienstwege, wolle sich aber vorbehalten, weiterhin gelegentlich direkt nachzufragen.

"Ich habe mich nie für etwas Besseres gehalten als andere", ein weiterer Grundsatz von Wolbergs. Sich nicht nur unter seinesgleichen bewegen, sei laut Wolbergs eine weitere gute Eigenschaft eines Chefs. Er hält es für wichtig, verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen zu kennen.

Um Entscheidungen zu fällen, hat es sich für Wolbergs bewährt, sich mit kritischen Menschen zu umgeben. "Um Entscheidungen zu treffen, höre ich zum einen auf Menschen, denen ich vertraue, zum anderen auf meine eigenen Überzeugungen", so Wolbergs.

Wichtig sei es auch, sich immer ein gewisses Maß an Unabhängigkeit zu bewahren, um Entscheidungen unabhängig fällen zu können. Dazu empfiehlt er auch Auszeiten. In Auszeiten könne man neue Ideen und eigene Überzeugungen entwickeln, so Wolbergs.

Zu guter Führung gehört für Wolbergs auch, dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter sicher fühlen, konkret heißt das für ihn, unbefristete Anstellungsverhältnisse und eine vernünftige Bezahlung für vernünftige Arbeit. "Das ist wie eine Familie", so Wolbergs.

Ein Chef sollte seiner Meinung nach auch zugeben können, wenn er falsche Entscheidungen getroffen hat. Von Chefs werden Entscheidungen erwartet, "die auch manchmal daneben gehen können".

Wie sei es möglich, in 10 Aufsichtsräten Vorstandsvorsitzender zu sein? Ob Wolbergs schon einmal "hinschmeißen" wollte und wie lange er gerne Oberbürgermeister der Stadt Regensburg bleiben würde, lauteten die Fragen, die Wolbergs den Studierenden im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete.

Der Vorsitz in 10 Aufsichtsräten städtischer Unternehmen sei äußerst wichtig und eine Frage der Organisation, so der OB. Ja, zweimal habe er überlegt, ob er "hinschmeißen" solle. Er habe aus diesen intensiven Erfahrungen gelernt.

"Mindestens sechs, besser zwölf, aber warum nicht 18 Jahre Oberbürgermeister Regensburgs sein?", sagte Wolbergs und schmunzelte. Der Job als Bürgermeister mache ihm Spaß: "Eine Stadt wie Regensburg ist richtig spannend. Jeder Tag als OB ist anders und ich lerne jeden Tag dazu."

Und das Urteil der Studierenden? "Sehr ehrlich und sympathisch", findet Maschinenbau-Student Jan Korzonnek den neuen Oberbürgermeister. Und Studentin Janina Eisele urteilt: "Ich habe ihm sehr gerne zugehört, weil er so gut spricht."

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