Welche Erfahrungen machen Unternehmer in Russland?

27.06.2012

Beim Gesprächskreis „Interkulturelles Management“ an der Hochschule Regensburg (HS.R) tauschten sich mehr als 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen über Kultur, Land und Leute aus.

Über die erfolgreichen Geschäfte seines Unternehmens in Russland berichtete Karlheinz Biersack, Key Account Manager der Firma Dallmeier electronic GmbH.

Mehr als 20 Gäste interessierten sich für den Austausch über Kultur, Land und Leute Russlands. Fotos: Feuerer

Zum sechsten Mal hat am 19. Juni 2012 an der HS.R der Gesprächskreis „Interkulturelles Management“ stattgefunden. Dieses Mal stand das Land Russland im Mittelpunkt der Ausführungen und der Diskussion. Interessierte Unternehmensvertreter und -vertreterinnen, Professoren und Professorinnen und Studierende folgten den Vorträgen von zwei Referenten über „Interkulturelle Fallstricke und Erfolgsfaktoren“. Es folgte eine angeregte Diskussion. Die gut 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen nahmen viele Tipps und Erkenntnisse von der etwa dreistündigen Abendveranstaltung mit nach Hause. Das „Interkulturelle Management“ haben Prof. Dr. Holger Haldenwang, Fakultät Betriebswirtschaft, und Gerhard Hain von ti communication geleitet.

„Wir konnten erfolgreich Geschäfte abschließen, und zwar mit unserer Technik und nicht über Schmiergeld“. Mit dieser Aussage machte Karlheinz Biersack, Key Account Manager der Firma Dallmeier electronic GmbH mit Sitz in Regensburg, in seinem Vortrag über interkulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Russland deutlich, dass es auch innerhalb des legalen Rahmens möglich ist, in Russland erfolgreich zu sein. Nachdem Firma Dallmeier bereits im Jahre 2001 über einen litauischen Zwischenhändler in Russland relativ erfolgreich in den Markt eingedrungen ist, hat man im Laufe der Zeit, auch mit Hilfe externer Berater, dieses Engagement vertieft.

Probleme gab es bei der Eatblierung am russischen Markt, weil einerseits verlangt wird eine offizielle Adresse in Russland anzugeben, aber man andererseits erst einen Sitz erhält, wenn man akkreditiert ist. Ein Teufelskreis. Diese erschwerten Bedingungen sind der Grund, warum viele Unternehmen in Russland versucht sind, dieses Problem „unkonventionell“ zu lösen. Die Firma Dallmeier hat dieses Problem mit Hilfe von externen, deutschsprachigen russischen Consultants bewältigt. Allerdings ist die Inanspruchnahme solcher Beratungsleistung, die insbesondere durch die AHK Russland vermittelt werden, sehr teuer. Karlheinz Biersack empfiehlt, sich hier anderer deutschsprachiger Berater zu bedienen. Ganz wichtig ist es seines Erachtens nach, sich so schnell wie möglich entweder selbst die russische Sprache anzueignen oder eine vertrauenswürdige russische Person anzustellen. Vertrauen auf- und auszubauen ist ohnehin das A und O  in deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen.

Darauf wies auch die interkulturelle Trainerin von ti Communication Dr. Galina Koptelzewa hin und ging in ihrem Vortrag auf die unterschiedliche „Kultur“ zwischen Deutschland und Russland ein. Während in Deutschland im Berufsleben eine Trennung von Person und Sache zu beobachten ist, findet in Russland eine Vermischung von Sache und Person statt. Auf einen Nenner gebracht könnte man sagen: Wenn man in Deutschland gut zusammenarbeitet, baut man langfristig eine gute Beziehung auf, während es in Russland gerade anders herum zu beobachten ist: Man benötigt eine gute Beziehung, dann ergibt sich auch eine gute Zusammenarbeit. Daraus ist zu folgern, dass man versuchen sollte, möglichst wenig sachliche Kritik zu üben, weil diese immer auch als persönliche Kritik aufgefasst wird. Außerdem sollte man sich auch zurückhalten, sich in irgendeiner Weise negativ über das Land oder politische Umstände zu äußern. Russen sind patriotisch und haben eine andere „Seele“.

Zurück