Visualisierung der Regensburger Synagoge

02.08.2007
Von: Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize

Übergabe der Forschungsarbeiten zur Baugeschichte der Regensburger Synagoge

 

Die Forschungsarbeiten zur Baugeschichte der Regensburger Synagoge wurden der jüdischen Gemeinde in Regensburg übergeben.

 

Die Regensburger Synagoge wurde von dem Regensburger Architekt Joseph Koch geplant und 1912 von dem Bauunternehmer Koch und Spiegel errichtet. Wie Hunderte andere wurde auch die Regensburger Synagoge in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 niedergebrannt.

 

Im Rahmen des Seminars „Architektur der Synagoge" im Sommersemester 2006 entstand die Visualisierung der Regensburger Synagoge. Das Seminar war eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Universität und Hochschule Regensburg unter der Leitung von Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize, Architekturgeschichte und Historische Bauforschung, Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid, Kunstgeschichte und Dr. Andreas Angerstorfer, Katholische Theologie.

 

Die Visualisierung, eine Computeranimation auf wissenschaftlicher Grundlage, wurde von vier Studentinnen der Fakultät Architektur erstellt: Diana Egelhofer, Julia Hallweger, Martina Stubenhofer und Katharina Wagner. Die vier Studentinnen haben mit größtem Einsatz monatelang an dieser Visualisierung gearbeitet und wurden dabei von den EDV-Spezialisten der Hochschule Franz Schindlbeck und Martin Fleischmann betreut. In dem Film ist die Synagoge von außen und innen mit allen wichtigen Details, Torahschrein, Almemor (Lesepult), Frauenempore, abgehängter Kuppel und Zeltdach zu sehen. Genaue Unterlagen existierten von der Gestaltung und Anordnung der Lampen in der Synagoge. Mit dem Medium der Visualisierung ließ sich die Beleuchtung, die gerade bei einem Sakralraum eine besondere Bedeutung hat, wie mit keinem anderen Medium rekonstruieren.

 

Der Film wurde von Prof. Andor Izsák - Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik der Musikhochschule Hannover – mit Musik hinterlegt, dem Stück Ma towu von Louis Lewandowski (1821-1894). Es spielt der Hamburger Synagogalchor unter der Leitung von Andor Izsák. Dieses Stück wird beim Eintritt in die Synagoge vor dem Morgengottesdienst gebetet. Es besteht aus fünf biblischen Versen, die angesichts des Betretens der Synagoge Gefühle der Ehrfurcht und Freude zum Ausdruck bringen.

 

Im Vorfeld der Visualisierung entstand ein Aufsatz zu den Synagogen in Regensburg in der Reihe „Denkmalpflege in Regensburg" (Bd. 10) von Andreas Angerstorfer, Cornelia Berger-Dittscheid und Hans-Christoph Dittscheid, eine genaue Recherche des Archivmaterials, der Planungs- und Baugeschichte der Synagoge und damit eine wichtige Grundlage für die Visualisierung.

 

Andreas Angerstorfer konnte anhand eines Fotos die Inschrift auf dem Vorhang vor dem Torahschrein entziffern, die die Stifter der Synagoge Sophie und David Rosenblatt benennt. Die Familie emigrierte am 30. August 1933 von Regensburg nach Amsterdam. David starb am 18.03.1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen, über den Tod seiner Frau Sophie ist nichts bekannt.

 

Die Veröffentlichung der Baugeschichte und die Visualisierung der Synagoge wurden der jüdischen Gemeinde in Regensburg übergeben, damit alle interessierten Besucher über das prachtvolle Gotteshaus informiert werden können, das die Nationalsozialisten in einer einzigen Nacht zerstört haben.

 

 

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