Vielfalt schlägt Einfalt

25.04.2019
Von: Dr. Kerstin Pschibl

Dipl.-Soz.Päd. Andreas Unterforsthuber sprach in seinem Vortrag über Vielfalt und Lebensqualität, unerlässliches Fachwissen und seine Arbeit als Leiter der Münchner Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.

Andreas Unterforsthuber, Leiter der Münchner Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, referierte auf Einladung von Prof. Dr. Martina Ortner in der Lehrveranstaltung „Gender und Diversity“ im berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Soziale Arbeit.

Andreas Unterforsthuber, Leiter der Münchner Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, referierte auf Einladung von Prof. Dr. Martina Ortner in der Lehrveranstaltung „Gender und Diversity“ im berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Soziale Arbeit. Foto: Dr. Kerstin Pschibl

„Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsarbeit ist ein Garant für eine vielfältige Stadtgesellschaft und damit ein wirtschaftlicher Standortvorteil“. Diese Aussage stellte Diplom-Sozialpädagoge (FH) Andreas Unterforsthuber, Leiter der Münchner Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, am 5. April 2019 in den Mittelpunkt seines Vortrags an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg).

Maßstab für Lebensqualität: die Drei-T-Formel

Die Drei-T-Formel „talent, technology and tolerance“ ist für moderne Stadtgesellschaften ein Maßstab für Lebensqualität. Es gilt, ein Klima der Toleranz zu schaffen, in dem sich alle Menschen wohlfühlen – unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller und geschlechtlicher Orientierung. Die Landeshauptstadt München hat deshalb das Motto „Vielfalt schlägt Einfalt“ als eines ihrer Leitziele definiert. 

Es gibt Beratungsstellen für lesbische, schwule, bi-, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI*), eine „Regenbogen-Stiftung“ zur Förderung von Gleichstellung und Antidiskriminierung, ein Diversity-Jugendzentrum und Fortbildungsangebote für städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Es genügt nicht, gegenüber LGBTI* tolerant zu sein und einen ‚besten schwulen Freund‘ zu haben“, so Andreas Unterforsthuber. In Jugendeinrichtungen, in der Altenarbeit und in vielen anderen Institutionen ist Fachwissen gefragt.

Lebenslage von LGBTI*-Jugendlichen ist „hoch belastet“

Für LGBTI* ist, trotz kontinuierlicher Verbesserungen bei der rechtlichen Gleichstellung, noch lange nicht „alles gut“, betonte Andreas Unterforsthuber, der auf Einladung von Prof. Dr. Martina Ortner in der Lehrveranstaltung „Gender und Diversity“ im berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Soziale Arbeit referierte. Bei einer Umfrage der Münchner Koordinierungsstelle im Jahr 2003/2004, an der 2.500 Lesben und Schwule teilnahmen, berichteten etwa 80 Prozent von persönlichen Ausgrenzungs- und teilweise auch Gewalterfahrungen; etwa 50 Prozent gaben an, aufgrund ihrer Homosexualität negative Erfahrungen im beruflichen Vorankommen gemacht zu haben. 

„Viele Lesben und Schwule kennen den Druck, als ‚homo‘ erkannt zu werden“, so Unterforsthuber. Vor allem in Schulen und anderen jugendtypischen Orten ist die Homophobie noch stark verbreitet. Fast 90 Prozent der 2010/2011 befragten Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe schätzen die Lebenslage homosexueller Jugendlicher als „hoch belastet“ ein. Noch stärker ist der Druck auf trans- und intergeschlechtliche Menschen, so Andreas Unterforsthuber. Die von der Landeshauptstadt München finanzierte Beratungsstelle, bayernweit die einzige, ist inzwischen „total überlaufen“. In diesem Bereich sei der Druck und damit auch der Handlungsbedarf momentan am höchsten. Von der Koordinierungsstelle werden momentan bereits Maßnahmen vorgeschlagen.

Der Vortrag von Andreas Unterforsthuber wurde mit Unterstützung zweier Mitarbeiterinnen der Servicestelle „Virtuelle Lehre“ aufgezeichnet und steht den Studierenden auf GRIPS zur Verfügung. Die Online-Präsenz ist wesentlicher Bestandteil des Studiengangkonzepts im berufsbegleitenden Studiengang Soziale Arbeit. 

Hinweis: 
"LGBTI*" ist die international gebräuchliche Abkürzung für die Community der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*- und Inter*-Personen. Der Genderstar (*) symbolisiert die Vielzahl der möglichen Identitäten, die innerhalb eines Begriffs möglich sind.

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