Unterzeichnung der IACOBUS Konvention in Clermont-Ferrand

26.04.2017
Von: Prof. Anne Beer, Prof. Dr. Thomas Fuhrmann

Langjährige Partnerschaft der OTH Regensburg mit französischer und spanischer Hochschule gefestigt und Voraussetzung für künftige länderübergreifende Projekte geschaffen.

Am Workshop beteiligte Professorinnen und Professoren (Foto: ENSACF)

Am Workshop beteiligte Professorinnen und Professoren. Foto: ENSACF

Studierende bei der Entwurfsarbeit. Foto: Prof. Anne Beer

Studierende bei der Entwurfsarbeit. Foto: Prof. Anne Beer

Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs (Foto: Prof. Anne Beer)

Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs. Foto: Prof. Anne Beer

Seit 1995 finden im Projekt IACOBUS regelmäßige jährliche Projekte von Studierenden der Fakultät Architektur an der OTH Regensburg in Kooperation mit der spanischen Hochschule Escuela Técnica Superior de Arquitectura, A Coruña (ETSAC) und der französischen Hochschule École Nationale Supérieure d'Architecture de Clermont-Ferrand (ENSACF) statt. Studierende aus diesen drei Hochschulen bearbeiten gemeinsam städtebauliche Fragestellungen, entwickeln Lösungen und präsentieren ihre Ergebnisse.

Zeitgleich wurde die Verlängerung der Kooperationsvereinbarung von Agnès Barbier, Directrice von ENSACF, Polar Garcia de la Torre, Vizerektorin ETSAC und Thomas Fuhrmann, Vizepräsident OTH Regensburg unterzeichnet. Damit wurde diese sehr wichtige langjährige Partnerschaft gefestigt und die Voraussetzung für künftige länderübergreifende Projekte geschaffen.

Projekt "Billom"

Zeitgleich fand der jährliche Entwurfsworkshop turnusmäßig an der Hochschule in Clermont-Ferrand statt: Entwurfsort für das diesjährige Projekt ist die kleine, mittelalterlich geprägte Stadt Billom, eine der ältesten Städte der Auvergne, etwa 25 km westlich von Clermont-Ferrand auf 350 bis 500 Meter an den Ausläufern des Massiv Central gelegen. Seit dem Mittelalter existierte in Billom eine Universität, die im Jahr 1556 unter dem Bischof von Clermont von dem Jesuiten Edmont Auger in das erste französische Jesuitenkolleg umgewandelt wurde.

Nach der Säkularisierung wurde das Kollegium im 19. Jahrhundert in eine Militärschule umgebaut und steht schließlich seit dem Rückzug der Armee vor ca. 20 Jahren zu weiten Teilen leer. Die mächtige, vier-geschossige Hofanlage mit ehemaliger Kirche der Jesuiten steht trotz starker Überformung aufgrund ihrer Zeitzeugenschaft unter Denkmalschutz. Die Kommune von Billom sucht seit vielen Jahren eine Nachnutzung für die umfangreichen leerstehenden Flächen in Zentrumsnähe und ist für die Phase der Analysen und Programmentwicklungen eine Kooperation mit der Ecole d’Architecture in Clermont-Ferrand eingegangen.

Geeignete Mischungen für generationenübergreifende Angebote an zeitgemäßen Wohn-Typologien und Angebote für Gründerszenarien im Bereich Dienstleistung sind aus den Bedarfen vor Ort zu entwickeln. Gemäß der historischen Bedeutung des Hauses ist ein Dokumentationszentrum zur Geschichte des Ortes mit Räumlichkeiten für Schulungen und Konferenzen weiterer Programmbaustein.

Im Rahmen des einwöchigen Entwurfs-Workshops fanden an der ENSACF zwei Tage lang zunächst Ortstermine mit Besichtigungen und einführende Vorlesungen zur Aufgabenstellung statt. Zwei interdisziplinäre Vorträge ergänzten das Programm: Prof. Chris Younes (ESA) betrachtete mit ihrem Vortrag „Vers des imaginaires de reprises et de rebords“ den Umgang mit dem baulichen Erbe als philosophische Position; Prof. emer. Gurgen Musheghyan (NUACA) stellte den Umgang mit großformatigen Projekten aus der Zeit der sozialistischen Architektur in Armenien vor: „Mégastructures à l’Epoche Sovietique“.

An den folgenden zwei Tagen wurden in gemischten deutsch-/französisch-/spanischen Studierendenteams Stegreifprojekte zur Aufgabenstellung erarbeitet, und diese am letzten Tag des Workshops in großer Runde zur Diskussion gestellt. Das Kompendium dieser Kurzentwürfe wiederum wurde allen Teams zur folgenden individuellen Entwurfsbearbeitungen an den drei Heimathochschulen zur Verfügung gestellt. Die koordinierenden Professoren Anne Beer (OTH Regensburg), Cristobal Crespo (ETSAC) und Yvon Cottier (ENSACF) waren mit weiteren Kollegen in der Projektbetreuung engagiert. Mit Emma Harutjan war auch eine Vertreterin der armenischen Partneruniversität Yerevan (NUACA) anwesend.

Der Workshop endete mit einer gemeinsamen Abschlussfeier, wo nach einer intensiven Arbeitswoche die Erfahrungen in gelöster Atmosphäre nochmals diskutiert und neu gewonnene Freundschaften zwischen den europäischen Studierenden weiter gefestigt wurden.

Ende Mai treffen sich die Projektpartner turnusmäßig am Hochschulstandort der Aufgabenstellung 2018, der OTH Regensburg: Die Studierenden stellen ihre Entwurfsprojekte einer international besetzten Jury an Professoren der Partnerhochschulen und geladenen, externen Gutachtern vor; die konsensfähig beste Arbeit zum „Kollegium Billom“ wird abschließend mit dem „Prix Raffael Baltar 2017“ ausgezeichnet. Zur Projektvorstellung werden auch Gemeindevertreter aus Billom anreisen.

Zurück