Unternehmensgründung aus der FH Regensburg

08.03.2007
Von: Christoph Aisch

Von der Hochschule in die Selbständigkeit: zwei Ingenieure wagen den Sprung!

Zwei Absolventen der Hochschule Regensburg haben sich zweieinhalb Jahre nach ihrem Abschluss zur Selbständigkeit entschlossen. Dipl.-Inf. (FH) Christian Nachreiner und Dipl.-Ing. (FH) Peter Schmidt sind seit Mai 2006 Mitarbeiter der FH Regensburg und arbeiten gleichzeitig an der Gründung ihrer „iNTENCE automotive electronics GmbH“, die mit dem Antrag zur Eintragung ins Handelsregister im April abgeschlossen wird.

Die FH Regensburg unterstützt ihre Absolventen indem sie ihnen Mentoren zur fachlichen Betreuung, zu Fragen der Förderung und Unternehmensgründung zur Seite stellt und entsprechende Arbeitsmöglichkeiten schafft. Ein großes Problem bleibt, wie bei vielen Existenzgründungen, die Finanzierung. Abhilfe schafft in diesem Fall die Gewährung von Mitteln aus dem bundesweiten EXIST-SEED-Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Ziel dieses Förderprogramms ist es, Studenten und Absolventen von Hochschulen den Schritt in die Selbstständigkeit zu ermöglichen, indem die zukünftigen Unternehmer für 1 Jahr eine halbe Stelle an der Hochschule bekommen und zusätzlich für Beratungen und Sachaufwendungen mit bis zu 20.000 € unterstützt werden. Auch Kinderbetreuungskosten können bis zu einem Höchstbetrag von 2.400 € finanziert werden. Unterstützt wird die Frühphase der Unternehmensgründung, d. h. die Umsetzung der Gründungsidee in einen Businessplan.

In einem bundesweiten Auswahlverfahren konnte sich der Antrag der FH Regensburg im Frühjahr 2006 durchsetzen. Das Projektziel ist die Gründung eines Unternehmens zur Entwicklung von Design-Pattern für die wiederkehrende Problemstellung in der Automotiv Softwareentwicklung. Design-Pattern haben ihren Ursprung in der Architektur. Dort wurden häufig verwendete Zeichenelemente verallgemeinert und als Bibliothek zur Verfügung gestellt. Diese Methodik wurde später in die Anwendungsentwicklung übernommen und ist dort etabliert. In der Automotive Softwareentwicklung werden Design Pattern noch nicht angewendet. Dies liegt daran, dass die Softwareentwicklung für Steuergeräte im Automobil aus der Elektrotechnik geboren wurde und auch heute noch sehr Hardware-abhängig ist. Durch die eintretende Verschmelzung von Informatik und Elektrotechnik zieht die Automotive Softwareentwicklung nach und nach mit der klassischen Softwareentwicklung gleich. Die Gründungsmitglieder decken beide Disziplinen ab.

Mit dem Ziel der Kundenbindung werden auch etablierte Dienstleistungen zur Entwicklung von Software in Fahrzeugsystemen angeboten. Darunter fallen klassische Entwicklungsprojekte - auch hier werden die entwickelten Design-Pattern durch die kürzeren Entwicklungszeiten enorm zur Steigerung der Kosteneffizienz beitragen – und Unterstützungsleistungen im Bereich Softwarequalität. Einige daraus sind: Bewertung und Verbesserung von Prozessen, Durchführung von Prozess Assessments, Risikomanagement, Restfehlerprognose und Schätzmethoden zur Zuverlässigkeit von Softwaresystemen. Der Kunde erhält so innovative Design-Pattern sowie die etablierten Dienstleistungen zur Entwicklung seines Softwaresystems aus einer Hand.

Professor Dr. Tsakpinis, der die fachliche Betreuung dieses Projekts übernommen hat und Christoph Aisch, der mit Rat und Tat zu Fragen der EXIST-SEED-Förderung zur Seite steht, hoffen, dass künftig noch mehr Studierende die ausgezeichneten Möglichkeiten der Hochschule zum Weg in die Selbständigkeit nutzen. Christian Nachreiner und Peter Schmidt haben mit ihrer innovativen Idee und ihrer Risikobereitschaft zur weiteren Entwicklung der Region beigetragen.

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